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Zehntausende Jecken am Zugweg in Unterbach - Echte Narren frieren nicht

Zehntausende Jecken am Zugweg in Unterbach - Echte Narren frieren nicht

Zehntausende Jecken säumten am Sonntag trotz Graupelschauern und Kälte den Zugweg in Unterbach.

Unterbach. Ein pneumatisch gesteuerter fliegender Teppich am Wagen des Kinderprinzenpaares gehörte am Sonntag zu den Höhepunkten beim Karnevalszug in Unterbach. Doch kurz vor dem Start um 14.11 Uhr herrschte plötzlich Unruhe: die Elektronik macht Probleme, nichts geht mehr.

Weder schweben Aladin und Jasmin auf ihrem Teppich, noch erscheint der Dschinni aus seiner magischen Wunderlampe. Doch kurz darauf ist das Problem behoben, das ausgetüftelte System arbeitet wieder und hinterlässt im Anschluss erstaunte Jecken am Straßenrand.

„Der Kinderwagen macht alljährlich die meiste Arbeit. An diesem hier waren wir seit November dran“, sagt Stefan Thum, dessen Tochter Vanessa vor drei Jahren selbst Kinderprinzessin war und der seitdem verantwortlich für Bau und Gestaltung des Wagens des Kinderprinzenpaares ist.

Getreu dem Motto „Unterbacher lasst es beben, Karneval ist unser Leben“ ließen sich zigtausend Jecken ihre gute Laune auch von den immer wieder aufkommenden Hagel und Schneeregenschauern nicht nehmen. Größtenteils funktional verkleidet trotzten sie der Kälte und dem ungemütlichen Wetter.

Der Fantasie waren dabei keine Grenzen gesetzt. Alligatoren, Bären, Erdbeeren oder Bananen wurden ebenso gesichtet wie Mönche, Nonnen oder auch Knackis. Nicht nur bei Kindern äußerst beliebt sind in diesem Jahr diverse Variationen von Cowboy-Kostümen.

Den Vogel abgeschossen haben allerdings ein paar Neandertaler-Kostüme, die dem Original sehr nah kamen. „Es ist immer wieder erstaunlich, wie kreativ die Leute bei der Gestaltung ihrer Kostüme sind. Das ist jedes Jahr aufs Neue immer wieder ein Grund zur Vorfreude“, sagte Nadine Jannes, die selbst als Fee verkleidet auf Kamellenjagd ging.

Ebenso konnte sich auch die Gestaltung der Wagen sehen lassen. Die Feuerwehr nahm den Bau der Neuen Mitte Erkrath mit dem Spruch „Die Planung fand man einfach toll, vielleicht nahm man den Mund zu voll“ aufs Korn.

Ein Hippiewagen mit entsprechender Musik präsentierte am Wagenende eine qualmende und überdimensionierte Haschischzigarette, und die Grünen präsentierten einen Rundumschlag über alle politischen Themen des vergangenen Jahres — angefangen bei Atomkraft und den TÜV-geprüften Brustimplantaten aus Bausilikon bis hin zu einer Auflistung aller Lügenmärchen von Christian Wulff bis zu Karl-Theodor zu Guttenberg.

Traditionell am Ende des Zuges sorgte das Prinzenpaar Stephan I. und Claudia I. mit großzügigen Kamellenspenden für strahlende Gesichter vor allem bei den zahlreichen Kindern, die am Straßenrand in den ersten Reihen gespannt auf die Leckereien warteten und denen das Wetter völlig egal war.