Erkrath: Und plötzlich ist die Lok aus Kindertagen wieder da

Erkrath : Und plötzlich ist die Lok aus Kindertagen wieder da

Reiner Houska entdeckt auf einem Zeitungsfoto ein Modell wieder, das er als Kind bewunderte.

Dass er sie nochmal wiedersieht, damit hat Reiner Houska nicht gerechnet. Zu lange waren beide getrennt. Ein halbes Jahrhundert lang. Die Geschichte beginnt in Wuppertal-Vohwinkel. Da ist Reiner Houska aufgewachsen. In der Nähe des dortigen Bahnbetriebswerkes. In eben jenem gab es eine Lehrwerkstatt. Und eben dort „erstellten Schlosserlehringe in den 1950er Jahren ein großes Modell einer beeindruckenden gusseisernen Dampflok“, erzählt Houska, der damals noch ein Junge war. „Dann war die Lok bestimmt zehn, zwölf Jahre in der Eingangshalle des Wuppertaler Hauptbahnhofs in Elberfeld ausgestellt – in einer sehr großen gläsernen Vitrine.“ Ein richtiger Hingucker sei das gewesen, zur damaligen Zeit.

Oft hat der junge Reiner Houska vor der Vitrine gestanden, mit glänzenden Augen die glänzende Lok bestaunt. Dann wanderte der Blick flehentlich zu seiner Mutter. Die hatte das Portemonnaie und hoffentlich genau in dem Moment die Spendierhosen an. Denn: „Im Sockel der Glasvitrine gab es einen Schlitz“, erzählt Houska, der in den 1970ern nach Opladen zog. „In den konnte man zehn Pfennig einwerfen und dann ging es los.“ Dann haben sich für einen gewissen Zeitraum die Räder und das Gestänge an der Lok in Bewegung gesetzt. „Eigentlich war das ja nichts Spektakuläres, aber fasziniert hat mich das als junger Mensch trotzdem“, gesteht der Ruheständler. „Ich kann gar nicht sagen, wie oft ich zehn Pfennig in diesen Schlitz gesteckt habe. Aber es war schon ziemlich oft.“ 1962 fing Reiner Houska selbst bei der Eisenbahn an. Da habe die Modell-Lok noch in der Eingangshalle des Hauptbahnhofs in Elberfeld gestanden. Später trennten sich die Wege von Lok und Reiner Houska. Über Jahrzehnte war das Prunkstück seiner Kindheit in Vergessenheit geraten.

Kürzlich aber kamen beim Opladener die alten Bilder wieder in den Kopf, die Lok hinter Glas, der Geldschlitz im Sockel, der Wuppertaler Hauptbahnhof der 1950er und 60er Jahre, das Bahnbetriebswerk in Wuppertal-Vohwinkel. Der Auslöser: Reiner Houska fiel ein Bericht in der Zeitung über das Eisenbahn- und Heimatmuseum Lokschuppen in Erkrath-Hochdahl auf. Auf dem Foto zum Text erkannte er seine Lok aus Kindertagen. „Man sieht, dass der Lack abblättert“, berichtet Vereinsmitglied Armin Gärtner im Text neben dem Bild. „Wir müssen sie unbedingt ein wenig auf Vordermann bringen.“Das wird auch Reiner Houska freuen. Nicht ausgeschlossen, dass der Opladener an einem der kommenden Museumstage mal vorbeischaut im  Lokschuppen.

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