Taschengeldbörse in Erkrath läuft nur schleppend an

Erkrath : Taschengeldbörse kommt schwer in Gang

Die Schüler sind da, aber die Älteren fehlen. Daher stockt das Projekt. Darüber diskutierte jetzt der Seniorenrat.

Der Seniorenrat Erkrath vertritt die Interessen der Erkrather Bürger über 60 gegenüber Politik und Verwaltung. Als offizielles Gremium der Stadt entsendet er Mitglieder in die Ausschüsse, wo sie zwar nicht stimm-, aber redeberechtigt sind. Die Meinungsbildung hierfür geschieht bei den Seniorenrats-Sitzungen, die alle zwei Monate im Verwaltungsgebäude Kaiserhof stattfinden. Darüber hinaus engagiert sich der Seniorenrat auch in eigenen Projekten, die der Lebensqualität und der Teilhabe der älteren Mitbürger zu Gute kommen sollen. Diese Woche war wieder eine Sitzung.

Dieses Mal ließen sich sechs Mitglieder entschuldigen

„Diese Konstellation mit nur fünf Männekes haben wir in all den vier Jahren noch nie gehabt“, stellt Ursula Mazurczak fest. Normalerweise versammle sich das elfköpfige Gremium (fast) vollzählig, doch dieses Mal ließen sich sechs Mitglieder entschuldigen. Mit Mazurczak (trotz Erkältung), Horst Esselborn, Jörgen Olaf Heide und Heinz Kurtz waren es nur vier Mitglieder plus dem Vorsitzenden Timo Kremerius – und damit war das Gremium nicht beschlussfähig. Also machte man das Beste aus der Situation und plauderte ohne strenge Tagesordnung über aktuelle Themen in Erkrath. Der Schulbrand in der Sandheide und die anschließende Diskussion über den Zustand der Gesellschaft bewegten auch den Seniorenrat.

„Ich bin ja Sozi durch und durch“, gestand Timo Kremerius, „aber wenn ich das Recht habe, mein Garagentor mit Graffiti zu besprühen, möchte ich auch das Recht haben, dass es andere gefälligst nicht tun“. Die Mitglieder lobten die Stadtverwaltung indes für die schnelle und gute Lösung zum Wohle der Sandheider Schüler. Mit 500 000 Euro wird die ehemalige Schule an der Schmiedestraße wieder betriebsfähig gemacht, und bis es soweit ist, kommen die Kinder im Gemeindehaus Sandheide unter. Dass der Plan, den Gebäudekomplex an der Schmiedestraße für seniorengerechtes Wohnen umzubauen, vorerst auf Eis liegt, stört die Mitglieder nicht. „Wichtig sind jetzt erstmal die Kinder“, sagt Ursula Mazurczak.

Für das neueste Projekt des Seniorenrats, die „Taschengeldbörse“, war es dreieinhalb Monate nach dessen Start Zeit, eine erste Bilanz zu ziehen. „Die Frequenz der Jugendlichen ist recht ordentlich, aber die Senioren scheinen keinen Bedarf an Hilfe zu haben“, stellt Timo Kremerius fest. In Erkrath gebe es rund 16 000 Bürger über 60, doch kaum einer melde sich beim Projektteam. Dabei wäre die Idee, die Kremerius aus Hilden übernommen hat, ein Gewinn für alle. Jugendliche zwischen 15 und 20 Jahren bieten einfache Dienste in Haus und Garten der Senioren für kleinen Lohn an, und das Verhältnis zwischen den Generationen würde verbessert. Dazu müssen sich Interessierte beider Seiten nur ein Mal anmelden und die Aufträge werden dann vom Projektteam aus Seniorenrat und Jugendrat vermittelt.

„Wir müssen gezielt die Generationen ansprechen, die Hilfe brauchen“, stellt Timo Kremerius fest. Ein Flyer soll nun erstellt und verteilt werden, um die Taschengeldbörse noch bekannter zu machen. „Erkrath besteht nicht nur aus Reichen und Schönen. Auch Alte und Menschen mit Behinderung haben das Recht, am Leben aktiv teilzunehmen“.

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