Stadt kämpft um ihr Jobcenter

Stadt kämpft um ihr Jobcenter

Von zehn Geschäftsstellen im Kreis Mettmann könnten bis zu fünf schließen — auch die in Erkrath. Alle Fraktionen wehren sich dagegen.

Erkrath. Selten herrscht in der Erkrather Lokalpolitik in einer Frage Einigkeit — doch in Sachen Jobcenter wollen Politiker aller Fraktionen an einem Strang ziehen.

„Es spricht nichts dafür, uns das Jobcenter zu streichen“, sagte CDU-Fraktionschef Wolfgang Jöbges und erntete damit die Zustimmung seiner Kollegen im Haupt- und Finanzausschuss.

Hintergrund ist ein Plan des Kreises Mettmann, die Zahl der Jobcenter im Kreis massiv zu reduzieren. Statt bisher zehn könnten nach der Reform, je nach Konzept, nur noch maximal fünf Jobcenter übrigbleiben. Durch die Zusammenlegung der Jobcenter sollen Kosten eingespart werden.

Erkrath ist einer der Standorte, die wegfallen sollen — Leistungsbezieher aus Erkrath, Hochdahl und Unterfeldhaus müssten dann etwa nach Mettmann fahren, um Angelegenheiten im Jobcenter zu klären. „Uns leuchtet nicht ein, die Leistungsbezieher nach Mettmann zu schicken“, sagte Reinhard Knitsch (Grüne) zu den Standortvorschlägen des Kreises.

Das Erkrather Jobcenter am Klinkerweg liege perfekt, sei gut zu erreichen und zusammen mit Jugendamt und Jugendberufshilfe untergebracht. „Dort können viele Leistungen unter einem Dach erledigt werden“, so Knitsch.

Und nicht nur wegen der Synergieeffekte mit den Nachbarbehörden wollen alle Parteien im Rat beim Kreis den Erhalt des Erkrather Jobcenters fordern.

„In Erkrath ist die Leistungsdichte am höchsten“, sagt Reinhard Knitsch und nennt Zahlen. 3093 Menschen in 2121 Bedarfsgemeinschaften werden laut Gutachten des Jobcenters ME-aktiv am Klinkerweg betreut. In Hilden und Mettmann, Städte, in denen das Jobcenter erhalten bleiben könnte, sind es lediglich 1532 und 2665 Kunden.

„Die Erkrather Geschäftsstelle ist mit der eigenen Kundschaft gut ausgelastet und sollte so belassen bleiben“, sagte Detlef Ehlert (SPD).

Auch die Fahrten der von Hartz IV lebenden Kunden des Jobcenters zu den möglichen neuen Standorten bereiten den Politikern Sorgen: „Es ist ja kein Geheimnis, dass die Fahrtkosten nicht übernommen werden“, sagte Wolfgang Jöbges vor dem Hintergrund, dass mehrere Fahrten mit den öffentlichen Verkehrsmitteln pro Monat Menschen, die jeden Cent zweimal umdrehen müssten, nicht zuzumuten seien.

Bis zum 4. Mai hat die Stadt Zeit, eine Stellungnahme zur Jobcenter-Neuordnung an Landrat Thomas Hendele zu schicken. In einem Schreiben an Bürgermeister Arno Werner vom Februar diesen Jahres versprach Hendele zumindest, „den Ausführungen zu den Standorten der Geschäftsstellen eine besondere Bedeutung zukommen zu lassen“.

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