Spermüllplünderer hinterlassen Chaos

Spermüllplünderer hinterlassen Chaos

Organisierte Banden sind meist gezielt auf Wertstoffe aus. Kühlflüssigkeiten oder Quecksilber werden nach dem Diebstahl einfach wild entsorgt.

Erkrath. Guter Dinge hatte Jörg Altintzoglou am Abend seinen Sperrmüll zur Abholung vor die Tür gestellt. Doch als er am nächsten Morgen aus der Haustür trat, bot sich ihm ein trauriges Bild: Jemand hatte über Nacht die Kühlleitung an seinem alten Kühlschrank durchtrennt. Dadurch liefen Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) auf die Straße und versickerten im Boden. Eine Umwelt-Schweinerei.

Wolfgang Orts, Abfallberater Mettmann

Fälle wie dieser sind keine Ausnahme. Sperrmüll wird häufig von Dieben durchsucht, die es auf Kupfer und andere Wertstoffe abgesehen haben. Dafür trennen sie Kabel ab oder nehmen ganze Kühlschränke mit. „Es kommt nicht selten vor, dass wir zur Abholung von Sperr- oder Sondermüll fahren und nichts mehr am Abholort steht“, berichtet Wolfgang Orts, Abfallberater der Stadt Mettmann. Das bestätigt Helga Willmes-Sternberg, Abfallberaterin der Stadt Erkrath: „Häufig finden wir auch durchwühlte Sperrmüllstapel vor.“ Manchmal nimmt ein Passant nur einen Schrank oder ein Stück Holz zur Wiederverwertung mit. Das werde von der Gesellschaft akzeptiert, auch wenn es gesetzeswidrig sei. „Kritisch ist es aber, wenn ordentlich gestapelter Sperrmüll über die Straße verteilt und so zur Gefahrenstelle wird“, meint Willmes-Sternberg.

„Das Problem ist nicht nur, dass recycelbare Wertstoffe geraubt werden, sondern vor allem, dass die Umwelt durch die Freisetzung schädlicher Substanzen belastet wird“, sagt Kristiane Helmhold, Sprecherin der Entsorgungsgesellschaft Niederrhein mbH (EGN). Sie ist für Abfallsammlung, Transport und Verwertung sowie Aufbereitung von zum Beispiel Sperrmüll, Kunststoffen und Sonderabfällen zuständig. So passierte es im Fall von Jörg Altintzoglou.

Das Umweltbundesamt verlangt, dass insbesondere alte Kühlschränke ordnungsgemäß entsorgt werden. Die Kohlenwasserstoffe des Kühlmittels hätten ein hohes Treibhauspotenzial und würden die Ozonschicht schädigen. Verbraucher müssen nach dem Elektro- und Elektronikgerätegesetz ihre alten Geräte bei kommunalen Sammelstellen abgeben. „Ein Kühlschrank, der unsachgemäß aufgemacht wird, ist vergleichbar mit einer CO2-Schädigung von einer Autofahrt von hier nach Tokio und zurück“, erklärt Kristiane Helmhold von der EGN.

In Mettmann und Erkrath werden Elektro-Schrott, Holz und Müll nach Anmeldung separiert abgeholt. Der E-Schrott gelangt zu einer Sammelstelle. Von dort aus werden die alten Elektrogeräte, zum Beispiel von Mitarbeitern der Firma EGN, zu einer Anlage gebracht, wo sie sortiert und zerlegt werden. Recycelbares Material wie Metalle wird von nicht mehr Verwertbarem getrennt. Sondermüll wie die Kühlflüssigkeiten mit dem geruchs- und farblosen FCKW oder Quecksilber aus alten Fernsehgeräten werden entsorgt. „In der Regel lassen sich 80 Prozent der Materialien wiederverwenden“, sagt Kristiane Helmhold.

Die Diebstähle am Straßenrand werden teilweise von organisierten Banden verübt, die gezielt auf Wertstoffe aus sind. Das sei in Mettmann wie in anderen Städten ein großes Problem. Laut Abfallberater Wolfgang Orts ist es kein Kavaliersdelikt, wenn vor allem gefährliche Abfälle entwendet werden: „Häufig wird das Kühlwasser dann an irgendeinem Parkplatz abgelassen.“ Manchmal erwische die Kreispolizei die Diebe: „Sie müssen den E-Schrott dann bei uns abladen“, sagt Orts. „Trotzdem ist es schwer, dem einen Riegel vorzuschieben“, meint Orts. Bürger sollten die Polizei informieren, wenn sie einen Diebstahl beobachten.

Und was hätte Jörg Altintzoglou machen können, um dem Diebstahl vorzubeugen? Die Experten empfehlen, den Elektroschrott erst kurz vor Abholung rauszustellen. Bei der Anmeldung kann die ungefähre Abholzeit erfragt werden. So bleibt der Schrott nicht mehrere Tage auf der Straße stehen.

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