Siegfried Thiel sucht das Abenteuer

Siegfried Thiel sucht das Abenteuer

Der 65-jährige Erkrather wanderte rund 80 Kilometer in sieben Tagen — quer über die Alpen.

Erkrath. Der 65-jährige strahlt, wenn er sich an seinen Weg über die Alpen im Sommer 2017 erinnert: Drei Länder, sechs Täler, 7000 Höhenmeter Aufstieg und unendlich viele Erfahrungen und Emotionen, sind für Siegfried Thiel mit dieser Reise verbunden.

Dazu gehöre nicht nur die Wanderung selbst, sondern auch die Reaktionen der Zuhörer auf seinen Vortrag „Zu Fuß über die Alpen“, den Siegfried Thiel jüngst in der Kultur-Kneipe im Hochdahler Franziskus-Hospiz gehalten hat. Für ihn sei besonders berührend gewesen, dass er die Besucher dazu anregen konnte, in eigenen Erinnerungen an das Wandern, die Alpen und Hütten zu schwelgen. „Ich bekomme immer noch eine Gänsehaut, wenn ich daran denke“, sagt Thiel.

Dass er in der Kultur-Kneipe vortragen konnte, habe den Mettmanner sehr gefreut. Denn er ist seit seiner selbstbestimmten Rente im Jahr 2015 ehrenamtlicher Mitarbeiter im Franziskus-Hospiz in seiner früheren Heimat Hochdahl. Seit 2013 ist er im Vorstand des Hospizvereins tätig. Zwei bis drei Mal im Monat betreuen ausgebildete ehrenamtliche Mitarbeiter die Bewohner des Hospizes. Vor allem an Feiertagen, die besonders schwer für Familien und Bewohner seien, so Thiel. „Mit den Ehrenamtlichen steht und fällt alles“, sagt Gerd Michalek vom Projekt Öffentlichkeitsarbeit des Franziskus-Hospizes. Bewohner und Angehörige seien dankbar für die liebevolle Arbeit, die die Ehrenamtlichen leisten.

„Es gibt nur ein Hospiz, das eine Kultur-Kneipe hat“, sagt Thiel stolz. Diese wurde vor zehn Jahren eröffnet, um Besuchern die Schwellenangst zu nehmen, das Hospizes zu betreten, erklärt Michalek. Deshalb gebe es einen Seiteneingang zur Kneipe. Dort stehen eine Theke und Bänke und es finden regelmäßig Veranstaltungen, wie Büchervorstellungen, Reiseberichte und Musik für Bewohner, Familienangehörige und Interessierte, statt. Dabei wird passen zum Thema verköstigt. Als im April ein Vortrag ausfiel, sprang der leidenschaftliche Wanderer Thiel mit seiner Geschichte über die Alpenüberquerung ein. Ein voller Erfolg, wie Gerd Michalek bestätigt. „Die Dolomiten sind unsere zweite Heimat“, schwärmt Thiel. Wandern sei schon immer seine Passion und auch die seiner Frau gewesen. Als er im WDR einen Beitrag zur Alpenüberquerung sah, dessen Emotionalität ihn beeindruckte, fasste er den Entschluss, den Weg selbst zu gehen. Also buchte er die Überquerung von Oberstdorf nach Meran, die in einer Gruppe, begleitet von zwei Wanderführerinnen, stattfand. „Ehrlich gesagt habe ich den Entschluss kein Mal bereut“, so Thiel.

Acht Kilogramm Gepäck durften mit. Eine Grundfitness sei bei einer solchen Wanderung Voraussetzung, denn 80 Kilometer in sieben Tagen bei starken klimatischen Gegensätzen seien ein strammes Programm. Daneben habe diese Art der Wanderung auch eine spirituelle Dimension, erklärt der Mettmanner. Der Weg verleite dazu, Gedanken nachzuhängen und das Leben zu reflektieren.

Die Eindrücke, wie morgens um sieben aus der Hütte zu treten, die Ruhe zu genießen, und das Bergpanorama zu betrachten, seien magisch, erzählt Thiel. Neben diesen Erfahrungen seien die „unglaublichen Begegnungen“ eine bleibende Bereicherung seines Lebens. „Spätestens, als wir auf der ersten Hütte ankamen, begannen die Fragen und Gespräche.“ Das gemeinsame Schlafen im Schlafsaal und das gegenseitige Unterstützen bei schwierigen Wegstellen habe die Gruppe zusammengeschweißt. Im Juli gebe es schon das nächste gemeinsame Ziel: eine Tour in den Dolomiten.

Bei seinem Vortrag habe er „die Bilder immer ein paar Augenblicke für sich sprechen lassen“: hohe Bergketten, tiefe Täler, Steinböcke und Murmeltiere, eine 240 Meter hohe Brücke über dem Tal, funkelnde Gletscher. „Das haben alle sehr genossen“, sagt Thiel. Ein Bild zeigt Handys, die an der Steckerleiste in der Holzhütte laden. Wenn W-Lan verfügbar war, habe die Gruppe viele Fotos nach Hause geschickt. „Old School habe ich auch eine Karte an meine Frau geschrieben“, berichtet Thiel schmunzelnd. Foto: Stephan Köhlen