Polizei-Jagd auf flüchtende Rinder entfacht Kontroverse um Tierschutz

Polizei-Jagd auf flüchtende Rinder entfacht Kontroverse um Tierschutz

Wenn Tiere von ihren Weiden entkommen, gefährden sie oft den Straßenverkehr. Zum Jahreswechsel erschossen Beamte drei Rinder in Hilden an der A3.

Erkrath. Für die Tiere endete es tragisch, für die Polizei war es ein fordernder Einsatz: Zum Jahreswechsel entkamen drei massige Neandertal-Galloway-Rinder von ihrer Weide in Erkrath. Stunden später erschossen Beamte die Tiere in Hilden, rund vier Kilometer entfernt. Auch Besitzer Harald Kindel konnte seine Rinder nicht mehr besänftigen; sie drohten, auf die Autobahn A3 zu laufen. Fünf Streifenwagen und die Feuerwehr waren an der Jagd beteiligt.

Was die Tiere zur Flucht getrieben hat, ist weiter unklar. Kindel berichtet, die bis zu 350 Kilogramm schweren Bullen seien seit Wochen unruhig gewesen. Er habe zwei von ihnen am Vortag eingefangen, aber Unbekannte hätten sie wohl wieder aus einem Fangwagen befreit.

Die Suche nach entlaufenem Vieh kenne jeder Landwirt, sagt Martin Dahlmann vom Vorstand der Kreisbauernschaft: „Die Tiere sind neugierig. Wenn irgendwo ein Zaun beschädigt wird, gehen die gucken.“ Stalltiere ließen sich aber im Allgemeinen leichter einfangen, als die im Freien gehaltenen Galloways. Vorsicht sei bei den schweren Tieren aber geboten. Sie würden leicht Haftpflichtschäden für die Bauern verursachen. Dahlmann: „Vor Rindern braucht man keine Angst zu haben. Respekt ist aber angebracht.“

Sind Rinder erst einmal verängstigt, gibt es allerdings oft keine Rettung mehr: Außer einem Tierarzt ruft die Polizei standardmäßig Jäger zum Einsatz.

Eine Betäubung sei im Hinblick auf den Tierschutz oft nicht das Mittel der Wahl, sagt Daniela Hitzemann, Sprecherin der Kreisverwaltung: „Durch den Betäubungs-Schuss werden Tiere manchmal erst recht aufgeregt. Dann laufen sie mit voller Kraft los, bis das Mittel wirkt.“ Das kann aber mehr als zehn Minuten dauern.

Die Galloways hätten in diesem Fall auch ins Autobahnkreuz Hilden laufen können, sagt Züchter Kindel: „Ich bin froh, dass nichts Schlimmeres passiert ist.“

Mehr von Westdeutsche Zeitung