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Politik in Erkrath: Ratsmehrheit will Stadtweiher verkleinern

NRW : Rat für Verkleinerung des Stadtweihers

Die Bürger sind erbost und laufen in den sozialen Medien Sturm gegen den Plan. Doch Verwaltung, CDU, SPD und FDP bleiben kompromisslos.

Im Streit um die Zukunft des bislang 30 000 Quadratmeter großen Stadtweihers hat sich die politische Mehrheit auch im Haupt- und Finanzausschuss (HFA) des Erkrather Rates nicht verschoben; trotz vieler und teils heftiger Reaktionen der Bürger in den sozialen Medien nach Veröffentlichung des Gutachtens. Demnach muss der Stadtweiher auf ein Drittel seiner Fläche verkleinert werden. Der Haupt- und Finanzausschuss lehnte die Anträge der Grünen auf Vertagung und Beauftragung eines zweiten Gutachtens ab, und beschloss die Einleitung eines Planungswettbewerbs unter Maßgabe des vorliegenden, umstrittenen Gutachtens.

Anwohner zeigten sich entsetzt bis wütend über Verkleinerung

Das Ingenieurbüro Reinhard Beck, das auf wasserwirtschaftliche Fragen spezialisiert ist, hatte festgestellt, dass die Zuläufe zum Stadtweiher zu gering und die Versickerung zu groß sei, um den das Becken wieder insgesamt mit Wasser zu füllen. Beck schlägt deshalb einen auf ein Drittel verkleinerten Weiher im Nordwesten des bisherigen Teichbeckens vor. Anwohner und Hochdahler Bürger zeigten sich entsetzt bis wütend über diese enorme Verkleinerung. Demgegenüber betonte die Stadtverwaltung, dass das Gutachten lediglich die Fakten beschreibe. Niemand wolle den Stadtweiher insgesamt aufgeben. Eine Mehrheit der Ratsmitglieder aus CDU, SPD und FDP neigen dazu, der Verwaltung zu folgen und das Gutachten anzuerkennen; Grüne, Linke und BmU wollen hingegen weiter für eine Gegenmeinung kämpfen.

„Der Vortrag des Gutachters hat mich ehrlich gesagt wenig überzeugt“, erklärte Bernhard Osterwind (BmU) im Hauptausschuss. Es gebe noch viele fachlich offene Fragen: Wenn der Grundwasserspiegel in zehn Jahren um mindestens vier Meter gesunken sein sollte, so Osterwind: „Wieso ist das nirgendwo anders der Fall?“ Und wieso habe sich die Stadt in den zurückliegenden 30 Jahren nie um das „Naturdenkmal“ Sedenquelle gekümmert? „Nur das Gutachten auf Plausibilität zu prüfen, wäre nicht zielführend“, meint Osterwind daher; „zielführend wäre es, einem zweiten Gutachter zu sagen: ‚plane uns, wie man den Stadtweiher wiederherstellen kann’“.

Die Grünen beantragten daraufhin, die Entscheidung für den Planungswettbewerb zu vertagen, um die erste Bürgerbeteiligung am 15. September nicht zu entwerten und so eine zweite Studie überhaupt erst möglich zu machen.

Die SPD blieb skeptisch. „Wir reden hier über geologische und physikalische Grundannahmen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein zweiter Gutachter das anders sehen würde“, erläuterte der sozialdemokratische Fraktionschef Detlef Ehlert. Die SPD wolle sich aber auch nicht verschließen, wenn es der Mehrheits-Wunsch sein sollte, den Stadtweiher in der bisherigen Größe zu erhalten.

Nach einigem Hin und Her erklärte Bürgermeister Christoph Schultz (CDU): „Der Gutachter hat sich durchaus mit der Frage beschäftigt, wie der Stadtweiher zu retten ist. Es handelt sich nicht um eine politische Entscheidung, zumal wir uns an die Richtlinien des Bergisch-Rheinischen Wasserverbands halten müssen.“ Schultz erkannte jedoch die „hohe Unzufriedenheit“ der Bürger an und sagte zu, über die Bürgerbeteiligung hinaus an Infoständen informieren zu wollen.

Dass Markus Lenk (Die Linke) erklärte, eine Entscheidung für den verkleinerten Weiher sei eine Entscheidung gegen die Bevölkerung von Hochdahl, und auch AfD-Mann Dennis Sauereßig für eine zweite Studie war, änderte an den Mehrheiten nichts mehr.