Neue Systeme: Feuerwehr Erkrath soll neue Hardware bekommen

Politik in Erkrath beschließt Einsatz neuer Systeme : Vorfahrt für Retter dank Satelliten-Technik

Eine durch GPS gesteuerte Schaltung an Ampeln soll in Erkrath künftig die Vorfahrt für Einsatzfahrzeuge gewährleisten. So sollen Unfälle vermieden werden.

Die Feuerwehr Erkrath möchte mit moderner Technik ihre Effizienz verbessern. Der Ausschuss für Feuerwehrangelegenheiten hat nun die Verwaltung beauftragt, die Ausstattung von Ampeln und Einsatzfahrzeugen mit GPS-gestützten Computern umzusetzen. Das Ziel ist die „Priorisierung von Fahrzeugen mit Sonderrechten an den Lichtsignalanlagen“, also eine Vorrangschaltung. Zu Beginn hatte Brandoberinspektor Florian Niephaus den Ausschussmitgliedern die Funktionsweise und die Vorteile in einem sehr anschaulichen Vortrag nähergebracht.

Immer wieder kommt es zu Unglücken mit Einsatzfahrzeugen

„Unfälle mit Einsatzfahrzeugen sind keine Seltenheit“, so Niephaus. Unter anderem sei es in der Vergangenheit in Leverkusen, Nürnberg, Dresden und 2015 in Erkrath zu Unfällen mit Personenschaden gekommen, weil Feuerwehr- oder Rettungswagen bei Rot in Kreuzungen einfahren mussten. „Das Problem ist, dass nicht nur die Beteiligten zu Schaden kommen, sondern dass damit auch die Einsatzfahrt beendet ist“, erklärt Florian Niephaus. Mit einer Vorrangschaltung könnte die Ampel in Fahrtrichtung frühzeitig auf Grün gestellt werden, so dass der gestaute Verkehr abfließen und das Einsatzfahrzeug schnell und gefahrlos die Kreuzung überqueren könnte.

Dies würde auch die Effizienz der Rettungskräfte verbessern. So betrage die vorgegebene Zugriffzeit bei Bränden sieben bis acht Minuten ab Alarmierung, beim Opfer träten jedoch schon nach fünf Minuten ohne Sauerstoff irreparable Hirnschäden ein. „Nach 17 Minuten ab Brandausbruch ist die Reanimationsgrenze erreicht. Es zählt also jede Sekunde“, sagte Niephaus.

Um zu veranschaulichen, wie das Prinzip der Priorisierung funktioniert, zeigte der Feuerwehrmann einen Film aus der „Sendung mit der Maus“ von 2013. Im Fahrzeug – hier ein Notarztwagen – befindet sich ein Gerät, dass bei Überqueren einer unsichtbaren Linie ein Signal an einen Zentralrechner sendet. Dieser berechnet die Route zum Einsatzort und sendet einen Befehl an die Ampelsteuerung, dass beispielsweise die Fahrtrichtung West-Ost auf Grün geschaltet werden soll.

„Das System, dass wir verbauen wollen, ist ein bisschen anders, aber das Ergebnis ist das gleiche“, sagt Niephaus. Ein Problem sei, dass es in Erkrath 19 Lichtsignalanlagen von vier verschiedenen Herstellern gebe. „Wir wollen daher ein offenes System kaufen, dass sich auch bei fremden Systemen einwählen kann“.

Die Umsetzung soll in drei Phasen verlaufen, die sich nach der Priorität der Fahrzeuge und ihren Routen richten. Die Kosten werden auf 380 000 bis 490 000 Euro für den Komplettausbau geschätzt. Möglich sei, dass sich Kreis und Land als Straßenbaulastträger an der Finanzierung beteiligen. Auch die Rheinbahn könnte ein Interesse daran haben, die Vorrangschaltung für ihre Busse zu nutzen, hieß es. „Die Idee als solche ist richtig, warum nicht schon früher?“, kommentierte Detlef Ehlert (SPD), und auch die anderen Fraktionen zeigten sich angetan. Die Verwaltungsvorlage wurde daher einstimmig
beschlossen.

Mehr von Westdeutsche Zeitung