Neue Stadtarchivarin soll die Digitalisierung vorantreiben

Die 29-jährige Bonnerin Katharina Simon hat das Archiv übernommen — und viel Arbeit vor sich.

Neue Stadtarchivarin soll die Digitalisierung vorantreiben
Foto: Stephan Köhlen

Erkrath. Mit gerade einmal 29 Jahren gehört Katharina Simon zweifellos zur jüngeren Generation der Stadtarchivare, und eine Quereinsteigerin ist sie obendrein. Zwar hat die gebürtige Bonnerin nach dem Studium der Geschichte und der Germanistik mehrere Jahre im Paderborner Erzbistumsarchiv gearbeitet. Absolventin einer Archivschule ist sie aber nicht. In Paderborn hat sie allerdings gelernt, ein Archiv nicht nur zu nutzen, sondern es zu pflegen und auf den aktuellen Stand der Technik zu bringen. Die Erfahrungen kommen ihr jetzt in Erkrath zugute, denn dort ist die Digitalisierung noch nicht sehr weit fortgeschritten.

Es gibt also viel zu tun für die Neue im Archivkeller, die sich freut, in einem kleineren Archiv auch als Quereinsteigerin eine Chance bekommen zu haben. „Was mich an der Aufgabe hier reizt, ist die Arbeit mit der lebendigen Geschichte. Hier schlage ich nicht nur abstrakte Großereignisse nach, sondern erfahre viel über die damaligen Lebensbedingungen von konkreten Personen vor Ort. Das ist viel unmittelbarer und ich komme viel näher an die Geschichte heran“, sagt Katharina Simon. Den viel Disziplin und Strukturiertheit erfordernden Ein-Personen-Job im Archivkeller fürchtet sie daher nicht.

Ganz im Gegensatz zu ihrem Vorgänger, der schon nach kurzer Zeit wieder die Flinte ins Korn geworfen hatte. Dem Vernehmen nach soll ihm der Arbeitsplatz zu isoliert und das Archiv insgesamt zu unaufgeräumt gewesen sein. Katharina Simon fühlt sich aber alles andere als allein gelassen: „Ich habe ja Kontakt zu Kollegen, zu Ehrenamtlern und es kommen Bürgeranfragen. Außerdem hat mir Erika Stubenhöfer, die das Archiv 20 Jahre lang geleitet hat, Unterstützung angeboten. Es gibt also Rückhalt von mehreren Seiten.“ Auch Erkrath gefällt ihr: „Die Stadt ist zwar nicht besonders groß, aber die Leute sind offen und freundlich.“

Ihre wichtigste Quelle zur Entschlüsselung des Archivs ist momentan das Findbuch, ein Verzeichnis aller Erkrather Archivalien, thematisch sortiert. Ein- und Querlesen ist derzeit das Tagwerk von Katharina Simon. Was steht wo in welchem der beiden Magazine und welcher Karton birgt welchen Schatz? Weil das für Familienforscher — die häufigsten Kunden im Archiv — am interessantesten ist, hat sie sich zunächst einmal die Abteilung mit den Standesamtsbüchern vertraut gemacht. Und sie weiß natürlich auch schon, dass das älteste Dokument des Hauses aus dem Jahr 1825 stammt.

Das ist zwar nicht ganz ihr wissenschaftlicher Schwerpunkt — ihre Masterarbeit schrieb sie 2012 über einen Kölner Erzbischof im Mittelalter — aber für Katharina Simon auch kein Problem. Ihr erstes Erkrather Großprojekt wird ohnehin die Digitalisierung der Bestände sein, bislang sind hauptsächlich Fotos erfasst.

„Die Nutzerbedürfnisse haben sich verändert und die Archive müssen Schritt halten“, sagt sie. Dass sie sich in Paderborn um die digitale Erfassung der Kirchenbücher gekümmert habe, helfe bei der Erkrather Aufgabe natürlich ungemein.

Sie hat auch noch helfende Kontakte nach Paderborn, ist aber insgesamt doch froh, wieder im heimischen Rheinland zu sein. Auch der Familie wegen sei sie dorthin zurückgekehrt. Zuhause ist sie in Erkelenz, wo sie sich nach Dienstschluss auf viele Bücher, ihre Joggingstrecke und ein Haus mit Garten freut.