Modelltage in Erkrath: Großer Bahnhof für die kleinen Bahnen

Erkrath : Miniaturwelt fasziniert im Lokschuppen

Besucher aus der gesamten Region strömten zu den Modelltagen in Erkrath-Hochdahl.

Am Sonntag sind die diesjährigen Modelltage im historischen Lokschuppen am Ziegeleiweg zu Ende gegangen. Ralf Fellenberg, Gastgeber und Vorsitzender des Eisenbahn- und Heimatmuseums Erkrath-Hochdahl (EHEH), ist zufrieden: „Am Freitag haben sie uns mit mehr als 200 Gästen die Bude eingerannt. Der Zuspruch ist riesig“. Vereine und Einzelpersonen aus der ganzen Region präsentierten ihre Modelle und Anlagen. Dabei gab es vom kleinen Papierflugzeug bis zur hallenfüllenden Eisenbahnlandschaft alles zu sehen.

Anlage der Gruppe MEF nahm mit ihrer Größe die halbe Halle ein

Das Herzstück wurde von der „Heimmannschaft“, dem Club der Modelleisenbahnfreunde Erkrath (MEF), gestellt. Sie hatten die besagte Anlage mitgebracht, die mit Dutzenden Metern H 0-Gleisen alleine den halben Lokschuppen füllte. „Die Anlage ist so groß, dass wir sie nicht jedes Jahr zeigen können“, sagt Ralf Fellenberg. Der EHEH habe einen Lkw zur Verfügung gestellt und die einzelnen Module in zwei Fahrten von Alt-Erkrath nach Hochdahl geholt. „Der Vorteil ist, dass man auf einer großen Anlage auch sehr lange Züge fahren lassen kann, die realistischer den Vorbildern entsprechen“, so Fellenberg.

An vier Steuerpulten kontrollierten MEF-Mitglieder die Zugbewegungen, und über allem wachte der Vorsitzende Stefan Bückmann. „Ohne Computersteuerung muss man sich gut absprechen“, erklärt Fellenberg. „Es macht Spaß, die Züge in Tunneln verschwinden und wieder auftauchen zu sehen.“

Dass es heutzutage auch anders geht, zeigten die Modellbahnfreunde Mettmann (MBF). Ihr Fachgebiet ist die digitale Steuerung, die sie eindrucksvoll an einer puristisch gehaltenen Anlage vorführten und erklärten. „Wir verwenden NFC-Tags unter den Loks, um die Positionen zu bestimmen, während ein Computerprogramm die Fahrbewegungen vollautomatisch steuern kann“, erklärte Viktor Krön. Mittlerweile funktioniere das über W-LAN, „so dass Opa unterm Weihnachtsbaum keine Strippen mehr ziehen muss“, bemerkte der Experte. Das Ziel des Vereins sei es, Modelleisenbahner bei Einrichtung und Betrieb ihrer digitalen Anlage zu unterstützen. „Sonst geben Neulinge nach kurzer Zeit frustriert auf, das haben wir oft gehört“, stellte Krön fest.

Beschaulicher ging es zu an den Tischen der Kartonmodellbauer. Die hatten nicht nur Loks und H 0-Zubehör aus Papier, sondern auch Burgen, Kirchen und Schiffe von verschiedenen Verlagen mitgebracht. Hans-Werner und Marion Kimpel aus Duisburg ließen sich vom Trubel nicht beirren und bastelten konzentriert vor sich hin. „Tatsächlich habe ich hier mehr Ruhe als zuhause“, sagte Marion Kimpel.

Am Nebentisch arbeitete ihr Duisburger Kollege Hans Loh, der Insidern daher bekannt sein könnte, dass er die Modellbaubögen vom Lokschuppen für den EHEH designt hatte. „Ich betreibe Modellbau schon fast mein Leben lang, weil ich gerne Dinge konstruiere“, verrät der Meister. Nach Streichholzmodellen, einer Phase mit Plastikbausätzen und einer mit Modelleisenbahnen sei er schließlich beim Kartonmodellbau geblieben.

Modellbahn-Dioramen zeigen walisische Landschaften

Nach zwei Jahrzehnten im Keller hatte auch Jürgen Mehnert seine beiden Modellbahn-Dioramen endlich ans Licht bringen können. Sie zeigen Szenerien von walisischen Landschaften mit typisch britischen Telefonzellen, Benzin-Zapfsäulen und natürlich Lokomotiven.

„Wir finden es schade, wenn solche Schmuckstücke nur im Keller verstauben“, sagte Ralf Fellenberg. Aber anders als etwa in den Vereinigten Staaten, wo die Menschen auf dem Land große Häuser haben und riesige Anlagen konstruieren könnten, gebe es in den meisten deutschen Haushalten einfach nicht genug Platz für aufwendige Hobbys.

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