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Mehr Lebensqualität durch Tagespflege 

Erkrath : „Senta“ macht Träume wahr

Die Erkrather Einrichtung „SenTa“ pflegt, versorgt und betreut Senioren tagsüber. Abends kehren sie dann zurück ins vertraute Zuhause.

Zur Ruhe setzen? Zu Hause bleiben? Das ist nichts für Cäcilia Haverkamp, auch wenn sie das Rentenalter bereits erreicht hatte. Die ehemalige Leiterin eines Altenheimes von CBT startete wieder durch und fing noch einmal von vorne an.

Mit ihren beiden früheren Mitarbeiterinnen Valentina Deperschmidt und Ulli Parlow gründete die examinierte Altenpflegerin „Senta“, die Seniorentagespflege in Erkrath. Die drei sind gleichberechtigte Geschäftsführerinnen, haben gemeinsam das Konzept erarbeitet und allerhand Geld aufgenommen, damit ihr Traum Wirklichkeit werden konnte.

Was die drei Damen an Vorarbeit haben leisten müssen, das kann man nur ahnen: ein Investor musste gefunden werden, Gesundheitsamt, Sozialamt, Krankenkassen, Pflegeversicherung, die Stadt Erkrath, das Bauamt – alle haben ihren Anteil, dass es den Gästen – wie die betreuten Senioren bei „Senta“ genannt werden – gut geht, und alle mussten das Konzept genehmigen.

Geeignete Immobilien mussten gefunden werden und das ist schließlich sowohl an der Morper Allee als auch an der Hauptstraße gelungen. Nun hat sich der Alltag eingespielt, seit Oktober 2014 in Alt-Erkrath an der Morper Allee und seit Mai 2019 auch an der Hauptstraße in Hochdahl.

„Total glücklich“ sind die Geschäftsführerinnen in Hochdahl. Ein historisches Gebäude, um die 300 Quadratmeter Wohnfläche, in verschiedene Räume aufgeteilt. Es gibt einen Wohnraum, einen Essraum mit offener Küche, einen Aktivraum, in dem gespielt wird und einen Ruheraum, alles behindertengerecht, inklusive der Badezimmer.

„Senta“ verfügt über einen eigenen Fahrdienst, der die Gäste morgens abholt und abends wieder heimbringt und das alles, wie Cäcilia Haverkamp betont, in Ruhe. Nirgends soll Hektik entstehen, die Tagesform der Gäste sei entscheidend. Gefrühstückt werden kann bis 10 Uhr, Mittagessen ist gegen halb eins. „Bei uns wird alles selbst gekocht,“ betont Cäcilia Haverkamp, alles werde frisch zubereitet. Und „wenn der Koch einmal krank ist oder Urlaub hat, dann kochen wir selbst.“

Aufgetischt wird zum Beispiel bayerischer Eintopf aus frischem Gemüse, Kartoffeln und Fleisch, vorweg einen Salat und zum Abschluss noch ein Dessert. „Manchmal“, sagt Valentina Deperschmidt, „gibt es auch russische Küche“, die die gebürtige Russin dann nach heimatlichen Rezepten zubereitet: Piroggen, Bortsch, Blini und Ähnliches. Die Geschäftsführerinnen erstellen jeweils einen Plan für drei Wochen, es gibt auch Wunschessen, und gebacken wird auch.

Wie erging es ihnen während der Corona-Beschränkungen? Das Schlimmste waren die sechs Wochen Stillstand. Für alle drei war es schrecklich, ihre Schützlinge nicht betreuen zu dürfen. Dabei seien die sozialen Kontakte so immens wichtig, denn die größte Gefahr für Ältere sei die Isolation. „Wir haben telefonischen Kontakt gepflegt, Karten geschrieben, zu Geburtstagen gratuliert, um den Pflegebedürftigen wenigstens ein bisschen Ansprache zu schenken“.

Jetzt, da der Betrieb, wenn auch nur mit halber Besetzung, aber doch wieder läuft, haben die Helferinnen viel aufzuarbeiten. Denn Gäste mit Demenz verstehen nicht, warum ihr gewohnter Ablauf nicht funktionierte. Ein Hygienekonzept musste erarbeitet und mit dem Gesundheitsamt abgestimmt werden, alles auf der Basis der Vorgaben des Robert-Koch-­Instituts. Endlose Listen müssen geführt werden, kleinste Erkältungen werden notiert und die Betroffenen müssen zu Hause bleiben.

Statt der 17 Personen, die sonst in Hochdahl betreut werden, dürfen jetzt nur acht bis zehn kommen. Und vieles ist unter Corona-Bedingungen verboten. „Uns fehlt das Singen. Und wir dürfen unsere Gäste nicht mehr in den Arm nehmen. Das vermissen wir und unsere Schützlinge am meisten“, sagt Cäcilia Haverkamp.