Klimanotstand, Müll-App, Taktverdichtung bei der S-Bahn: Erkrather Bürger hat viele Anregungen für die Politik

Erkrath : Bürger gibt viele Anregungen für Erkrath

Alexander Zotz hat bereits die Ausrufung des Klimanotstands und eine Müll-App für die Stadt vorgeschlagen – mit Erfolg. Nun hat er wieder drei Anregungen eingereicht.

Mit einem Foto möchte Alexander Zotz nicht in die Zeitung. „Es geht ja nicht um meine Person, sondern um Themen. Ich bin nur der Bote, der Überbringer von Anregungen“, sagt der Erkrather (40), der in keiner Partei ist und auch keiner angehören möchte. Er sei einfach genervt davon, dass einige Dinge nicht in die richtige Richtung gingen – sowohl auf Bundesebene als auch „in der Schlafstadt Erkrath“.

Also habe er sich dazu entschlossen, unbequem zu sein. „Die Politik soll Farbe bekennen. Es wird ungemütlich, wenn man Themen wie Klimanotstand und Widerspruch gegen Datteln 4 in die politische Diskussion hineinwirft. Ab und an gebe ich mal etwas rein – möge die Politik diskutieren“, sagt Zotz, der als Selbstständiger im Online-Marketing arbeitet. Nachdem er einmal in einer Bürgermeister-Sprechstunde mit einem Thema (Buslinie als Alternative wegen häufiger Ausfälle der S 8) abgeblitzt ist, hat er entschieden, seine Themen über Bürgeranträge/-anregungen auf die politische Tagesordnung der Stadt zu setzen. Sind seine Anregungen dort angekommen, zeigt er auch Präsenz, kommt in Ausschuss-Sitzungen, stellt seine Themen vor. Mit den Worten „Ich würde gerne sehen, wie die Politik das bespricht, und lade sie ein zu einem Wettbewerb der Ideen“, eröffnete er etwa im September 2019 seinen Appell, Erkrath möge sich zur Ausrufung des Klimanotstands entschließen.

Zotz ist einmal bei einer Bürgeranfrage abgeblitzt

Dazu verlas er eine Erklärung, die schon in vielen anderen Städten zur Begründung verwendet worden war. Er sei lose mit dem Klimabündnis Hamm und mit der Bewegung „Fridays for Future“ verbandelt und leite deren Anträge, sofern er hinter ihnen stehe, an seine Heimatkommune weiter, erläutert Zotz. Denn solche Anträge dürften nur von Einwohnern am jeweiligen Wohnort eingereicht werden.

Das gilt auch für eine seiner jüngsten Bürgeranregungen zu Datteln 4, mit folgendem Ziel: Erkrath soll bei der Landesregierung die Stilllegung des Kohlekraftwerks einfordern – mit besonderem Hinweis auf die Auswirkungen zusätzlicher Treibhausgasemissionen auf Haushalt, Infrastruktur und Bürger-Gesundheit in der Kommune. Darüber hinaus verfolgt Zotz aber auch eigene Ansätze. So hatte er bei der Stadt jüngst die Einrichtung einer Müll-App nach Düsseldorfer Vorbild angeregt.

Erkraths Verwaltung war zunächst wenig begeistert und verwies auf bereits existierende Melde-Möglichkeiten und zu hohe Kosten. Aber die Politik, angetan von Zotz’ Vorschlag, ließ nicht locker. Mittlerweile hat die Stadt mit „tellme Mängel“ schon mal eine mit ihrer IT kompatible Übergangslösung geschaffen. Weiter setzt Zotz sich für eine bedarfsgerechte Taktverdichtung der S-Bahnlinie 8 „als Beitrag zum Klimaschutz, zur Verkehrswende und allen voran der Lebensqualität in Erkrath für Jung und Alt“ ein. Die derzeitige Taktung entspreche nicht mehr der Lebensrealität und den Mobilitätsanforderungen breiter Bevölkerungsgruppen.

Der Tag im Jahr 2020 ende nicht mehr mit der Tagesschau. Supermärkte hätten bis Mitternacht geöffnet und Erkrather möchten  auch ohne Auto jederzeit zuverlässig nach Hause kommen. „Bitte ändern Sie das. Schaffen Sie
zeitgemäße und zukunftsfähige Angebote im ÖPNV. Hören Sie auf mit Bedauern, Verurteilen, Fordern. Setzen Sie einfach um. Danke“, heißt es in Zotz’ Antrag.

Für mehr Lebensqualität in Erkrath schlägt er zudem die flächendeckende Einführung von Tempo 30 vor. Die Vorteile – mehr Verkehrssicherheit, besserer Schutz von Radfahrern und Fußgängern, Schutz der Anwohner vor Lärm und Abgasen – lägen auf der Hand. Wo es zwingend notwendig sei, könne es Ausnahmen geben. Viel Diskussionsstoff für Erkraths Politik.