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Justiz in Erkrath: Verfolgungsjagd wie im Kriminalfilm

Justiz in Erkrath : Nach Verfolgungsjagd vor Gericht

Nach einem Einbruch in Erkrath im Juni 2020 stehen die beiden mutmaßlichen Täter vor Gericht.

Filmreife Szenen in einer Juninacht des Jahres 2020 mitten in Erkrath: Zwei Polizeibeamte fuhren Streife am Tönisberg in Unterfeldhaus und hatten gesehen, wie zwei verdächtige Personen in einem nahegelegenen Industriegebiet verschwanden. Die Polizeibeamten „legten sich auf die Lauer“ um kurz darauf zu beobachten, wie die Männer bepackt mit schweren Gegenständen ein Firmengelände verließen. Die Beamten vermuteten einen Diebstahl.

Eine hydraulisch betriebene Schere und einen sogenannten „Spreizer“ im Wert von 15 000 Euro hatten die Unbekannten aus dem Bestand einer Firma für Feuerwehrbedarf und Sicherheitstechnik entwendet, um sie zu ihrem in der Nähe abgestellten BMW zu schleppen. Nachdem die beiden Männer die Gerätschaften im Kofferraum verstaut hatten und in den Wagen eingestiegen waren, griffen die Streifenpolizisten ein. Einer der Beamten war mit seinem Fahrzeug frontal auf das Fahrzeug der Männer zugefahren, um den Weg zu versperren. Er stieg aus dem Wagen aus, während sein Kollege sich dem BMW von hinten genähert hatte. Die beiden Ordnungshüter gaben sich durch laute Rufe als Polizeibeamte zu erkennen.

Was dann geschah, sieht man schon manchmal im Verlauf einer „Tatort“-Folge im Fernsehen, aber eher selten in einer Stadt wie Erkrath: Die Diebe gaben Vollgas und rasten auf einen der Polizisten zu. Der Mann konnte gerade noch zur Seite springen, um nicht überfahren zu werden. Der BMW streifte den Beamten dennoch am Knie und verursachte so leichte Verletzungen.

Warnschuss der Beamten
ließ Täter unbeeindruckt

Als nächstes gab einer der Polizisten einen Warnschuss aus seiner Dienstwaffe ab und forderte die Männer auf, den Wagen zu verlassen. Doch auch das schien die Flüchtenden wenig zu beeindrucken. Der Fahrer des Fluchtautos wendete das Fahrzeug, trat erneut aufs Gaspedal und brauste mit seinem Komplizen davon. Die Polizeibeamten nahmen die Verfolgung auf, der Tacho zeigte zwischenzeitlich bis zu 150 Stundenkilometer. In diesem Tempo rasten die Diebe über die Bergische Allee und die Sandheider Straße. Dabei sollen sie rote Ampeln ebenso ignoriert haben wie eine Tempo 30-Zone. Dazu sollen sie an mehreren Verkehrsinseln in den Gegenverkehr gefahren und das Fahrtlicht teilweise ausgeschaltet haben. An einem Kreisverkehr soll es dann zu einem Unfall des Fluchtfahrzeugs gekommen sein. Die Beamten fanden den BMW am Stadtweiher verlassen vor. Der Wagen war gegen einen Bordstein gefahren, mehrere Reifen waren geplatzt.

Noch in der Nähe des Stadtweihers konnten die Diebe gestellt werden – einer der Männer soll versucht haben, sich massiv gegen die Festnahme zu wehren. Im Fluchtfahrzeug hatten die Beamten später nicht nur das Diebesgut sicherstellen können, sondern auch noch einen Teleskop-Schlagstock, ein Taschenmesser, einen Elekroschocker und Pfefferspray. Dazu war der Fahrer ohne Führerschein unterwegs. Die beiden aus Eschweiler und Aachen stammenden Angeklagten müssen sich nun unter anderem wegen besonders schwerer räuberischer Erpressung und wegen des tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte in einem besonders schweren Fall verantworten.

Die Kammer hat drei Verhandlungstage festgesetzt, das Urteil soll am 1. Juni verkündet werden.