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Franz Zahren: Der weitsichtige Bürgermeister

Franz Zahren: Der weitsichtige Bürgermeister

Franz Zahren war 23 Jahre lang Stadtoberhaupt. Er bemühte sich um Elektrizität und Nahrung für die Bürger.

Erkrath. Aufbrausendes Temperament und Klüngelwirtschaft: Davon hatten die Erkrather nach ihrem ersten Bürgermeister Johann Kaiser offenbar genug. Mit Franz Zahren wählten sie am 15. Juni 1907 als Nachfolger einen eher ruhigen und besonnenen Charakter ins Amt. Das sollte sich in den kommenden Jahren als sehr weitsichtig erweisen, denn auf die Stadt und ihren Bürgermeister kamen keine leichten Zeiten zu.

Erstmal jedoch stürzte sich Franz Zahren mit Fleiß und Engagement in die Arbeit. Er sorgte dafür, dass niemand mehr abends bei Kerzenschein im Wohnzimmer sitzen musste. Schon sein Vorgänger hatte das Thema „Elektrizität“ auf der Agenda, Zahren führte das begonnene Projekt weiter. „Von nicht zu unterschätzender Bedeutung für Gewerbe und Landwirtschaft ist die Versorgung der Bürgermeisterei Erkrath mit elektrischer Energie“, lobte damals auch der Erkrather Stadtanzeiger die Bemühungen des Verwaltungschefs.

Eine wachsende Gemeinde bedeutet bekanntlich mehr Arbeit und vor allem mehr Papierberge auf den Schreibtischen, so dass die Büroräume im Rathaus schon bald zu klein wurden. Es wurde an- und umgebaut, und auch Bürgermeister Zahren zog mit Ehefrau und zwei kleinen Töchtern aus der beengten Dienstwohnung in die neue Bürgermeistervilla in der heutigen Bismarckstraße.

Dafür gab es in der neuen Gemeindebücherei im Rathaus bald schon reichlich Lesestoff. Am 4. Februar 1912 öffnete dort die erste Gemeindebücherei mit anfangs 460 Bänden. Nach einem Jahr hatten von 6600 Erkrather Bürgern schon mehr als 200 einen Leseausweis.

Aber zurück zu Bürgermeister Zahren: Seine ruhigen und eher beschaulichen Anfangsjahre neigten sich zu dieser Zeit schon langsam dem Ende zu. Schließlich bewegte man sich andernorts bereits auf den Ersten Weltkrieg zu, der auch die Gemeinde Erkrath nicht unbehelligt ließ.

Anstatt sich weiter um das Wachstum der Gemeinde zu kümmern, ging es nun darum, den Menschen in ihrer Not beizustehen. „In den Mittelpunkt trat die Versorgung der Familien der einberufenen Soldaten mit Lebensmitteln und Brennstoffen“, gibt Stadtarchivarin Erika Stubenhöfer einen Einblick in die Notwendigkeiten dieser schweren Zeit.

Auch da erwies sich das damalige Stadtoberhaupt als besonders weitsichtig und besonnen. Zahren hatte reichlich Konservenfleisch einlagern und für 10 508 Reichsmark sechs holländische Milchkühe anschaffen lassen. Außerdem zahlte die Gemeinde während der Kriegsjahre Zuschüsse für die Neuanpflanzung von Obstbäumen und den Anbau von Kartoffeln.

Im Gemeinderat sparte man nicht mit Lob für den Verwaltungschef. Man sprach ihm sogar eine öffentliche Belobigung für seine Verdienste in Sachen „Ernährungsführsorge“ aus. Die Kriegswirren, die Besatzung durch französische Truppen und die später einsetzende Inflation: Franz Zahren hatte es wahrlich nicht leicht, die Gemeinde im richtigen Fahrwasser zu halten.

Dass es schließlich 23 Jahre wurden, und er damit der Bürgermeister mit der bislang längsten Amtszeit ist, mag man wohl seinem weitsichtigen und ausgleichenden Temperament zuschreiben. Eine schwere Krankheit zwang ihn schließlich 1930 in den vorzeitigen Ruhestand.