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FLüchtlinge aus Erkrath: „Hier gibt es eine Zukunft für uns“

Serie Gelungene Integration : „Hier gibt es eine Zukunft für uns“

Jehoon und Jahesh Akhgar aus Afghanistan sind in ihrer neuen Heimat schon weit gekommen – dank der Hilfe der beiden Erkratherinnen Irene und Sonja Thompson.

 Jehoon und Jahesh Akhgar aus Afghanistan erinnern sich noch gut an ihren dreimonatigen Aufenthalt im Bürgerhaus Hochdahl 2016. Doch nicht nur ihnen ist diese Zeit, die die beiden Brüder aus Kabul hauptsächlich damit verbrachten, Deutsch zu lernen, in Erinnerung geblieben.

Auch Irene Thompson, die sich wie so viele Erkrather auch auf den Aufruf gemeldet hatte, Deutschunterricht für die im Bürgerhaus lebenden Geflüchteten zu geben, ist ihre erste Begegnung im Gedächtnis geblieben. „Als ich die beiden jungen Männer gesehen habe, dachte ich nur: Das sind meine“, schmunzelt Thompson, die sich nach wie vor beim „Freundeskreis für Flüchtlinge in Erkrath engagiert.

Dass die beiden Afghanen sehr gut Englisch sprechen, erleichterte das gemeinsame Lernen sehr. „Immer wenn meine Mutter und ich vor Ort im Bürgerhaus waren, haben wir die beiden vertieft in ein Buch vorgefunden. Entweder im großen Raum in der Awo-Begegnungsstätte oder am Computer in der Bücherei“, bestätigt Sonja Thompson den Lerneifer der beiden Brüder. Seit den Tagen im Bürgerhaus ist der enge Kontakt nicht abgerissen und die beiden jungen Männer bezeichnen die Frauen inzwischen schon lange als ihre „deutsche Mutter und deutsche ­Schwester“.

Obwohl beide – nach der Erstaufnahme im Bürgerhaus –längst in Essen leben und studieren, sehen sie die Vier regelmäßig. „Sie sind inzwischen so selbstständig und regeln ihre Angelegenheiten zumeist völlig allein“, berichten die beiden Frauen sichtlich stolz auf „ihre Prinzen“, wie sie die beiden jungen Männer nennen.

Studium wird mit
Nebenjobs finanziert

Der 1995 geborene Jehoon studiert bereits im dritten Semester E-Commerz, um später seine eigene Firma zu gründen. Zwei Semester lang hat er seiner Leistungen wegen auf ein Stipendium bauen können. Um Studium und Lebensunterhalt zu finanzieren, arbeitet er als „Social Media Interpreter/Content Moderator“ bei Facebook und Instagram. Auch als Fitness-Trainer, den nötigen Schein dazu besitzt er seit längerem, oder als Barkeeper hat er bereits gejobbt, um „auf eigenen Füßen stehen zu können“. Sein fünf Jahre jüngerer Bruder ist nicht weniger ehrgeizig und energiegeladen als der ältere. Jahesh absolviert eine Ausbildung zum Erzieher und parallel dazu sein Abitur an einer Fachhochschule. Als einer von sieben Schülern seiner Schule hat er ein „Ruhrtalente-Stipendium“ erhalten. „Mein längerfristiges Ziel ist es, Psychologie zu studieren. Doch vorher muss ich noch mein Anerkennungsjahr machen. Ich habe mich in einer Einrichtung beworben, die jugendliche Flüchtlinge betreut. Ich glaube, da kann ich etwas bewegen, schon aufgrund meiner eigenen Geschichte.“

Die vierwöchige Flucht mit dem Bruder führte die Brüder erst per Auto in den Irak, von dort zu Fuß in die Türkei und schließlich über die Balkan-Route nach München. „Dort sind wir am 8. Januar 2016 angekommen“, berichtet Jahesh, von dem Sonja Thompson sagt: „Er ist ein toller Motivator.“

Diese Fähigkeit schätzen sicher auch die Schüler der fünften bis elften Klasse, denen er Mathe-Nachhilfe gibt. Nebenbei hat er vor Kurzem noch seinen Führerschein gemacht und von seinem Ersparten ein Auto gekauft. Seit Kurzem ist auch der 17-jährige Bruder der beiden in Essen, wo er in einem Heim für jugendliche Flüchtlinge lebt und schon sehr gut Deutsch gelernt hat.

Der größte Wunsch der Akhgar-Brüder ist es, dass auch ihre Eltern – der Vater ist Unternehmer, die Mutter, eine studierte Juristin, arbeitet als Steuerberaterin – sowie ihre zwei jüngeren Schwestern im Zuge der Familienzusammenführung bald aus Kabul nach Deutschland kommen können.

„Wir möchten in unserer neuen Heimat bleiben, denn hier gibt es eine Zukunft für uns“, sagen Jehoon und Jahesh Akhgar, die ihr Ziele fest im Blick haben.