Falscher Polizist: Erkrather soll 1,6 Millionen Euro gestohlen haben

Fall vor Gericht : „Falscher Polizist“: Erkrather prellt Senioren um 1,6 Millionen Euro

Der Trick ist nicht neu, funktioniert aber immer noch prächtig: Als „falsche Polizisten“ machen Banden bundesweit reiche Beute. In NRW stiegen die Fallzahlen zuletzt sogar deutlich an. Es beginnt immer mit einem Anruf.

Jutebeutel und Plastiktüten voll Bargeld und Goldbarren: Ein 31-jähriger mutmaßlicher Betrüger steht seit Dienstag in Düsseldorf vor dem Landgericht. Er soll als „falscher Polizist“ Senioren um ihr Erspartes gebracht haben. Die Anklage wirft dem Mann aus Erkrath bei Düsseldorf zehn Fälle von bandenmäßig begangenem Betrug in NRW, Niedersachsen, Bayern und Baden-Württemberg vor.

Der 31-Jährige sei als „Logistiker“ in der Bande eingesetzt gewesen und habe in dieser Position besonderes Vertrauen der Bandenchefs genossen, sagten die Staatsanwältinnen. Er habe Kuriere und Abholer gesteuert, die die Beute bei den Opfern eingesammelt hätten.

Wie lukrativ die Masche trotz aller Warnungen immer noch ist, listeten die Staatsanwältinnen im Gerichtssaal auf: Zehn Opfer händigten den Abholern insgesamt mindestens 1,6 Millionen Euro aus - in Goldbarren, Goldmünzen und Bargeld verschiedener Währungen. Nachdem eine Kurierin, offenbar geplagt von Gewissensbissen, sich der Polizei anvertraut hatte, waren die Ermittlungen ins Rollen gekommen. Die Beute blieb aber verschwunden.

Aus einem Callcenter in der Türkei sei Senioren in Deutschland zunächst systematisch Angst eingejagt worden: Ihr Name tauche wahlweise bei der rumänischen oder russischen Mafia auf, behaupteten die Anrufer, die sich als Polizisten mit klassisch deutschen Namen ausgaben: „Bach“, „Mantz“, Mooshammer“: „Die rumänische Mafia greift in Kürze ihr Haus an“.

Am besten bringe man das Vermögen in Sicherheit, in dem man es einem Polizeibeamten übergebe. Der wurde mit Namen und Sicherheitsfragen angekündigt.

So habe eine 79-Jährige in Würselen (NRW) einem unbekannten Abholer 248 000 Euro gegeben. In Dortmund stellte eine 87-jährige 45 000 Euro in bar und Gold in einer Plastiktüte vor ihre Haustür. In Miltenberg (Bayern) habe eine 85-Jährige mehr als 750 000 Euro in Bargeld, Gold und Schweizer Franken abgegeben.

In Stuttgart reichte eine 86-Jährige der Bande 154 Goldmünzen im Wert von 54 000 Euro und ein 76-Jähriger Goldbarren im Wert von 18 300 Euro an einen Abholer weiter. In Freiberg am Neckar gab ein 84-Jähriger Goldbarren im Wert von fast 200 000 Euro. In Burgdorf (Niedersachsen) waren es 15 500 Euro in einem Umschlag, den eine 70-Jährige überreichte.

Das Gericht hat für den Fall zehn Verhandlungstage angesetzt. Der Angeklagte hat bislang zu den Vorwürfen geschwiegen. Die Verteidiger des 31-Jährigen baten beim Prozessauftakt um ein Rechtsgespräch hinter verschlossenen Türen.

Betrüger, die sich als Polizisten ausgeben, hatten im ersten Halbjahr 2019 in Nordrhein-Westfalen mehr als sieben Millionen Euro erbeutet. Die Zahl der Fälle stieg laut Landeskriminalamt NRW um 35 Prozent auf 182 vollendete Taten im Vergleich zu den ersten sechs Monaten des Vorjahres.

Etwa jeder 100. Anruf hat Erfolg: In mehr als 98 Prozent der bekannt gewordenen Fälle fallen die Angerufenen auf die Masche nicht herein. Doch immer wieder gelingt es den Anrufern, ein Opfer zu finden und unter Druck zu setzen. Ein großer Teil der Anrufe kommt nach Erkenntnissen des Landeskriminalamts NRW von Callcentern in der Türkei. Im Display angezeigt werden aber Telefonnummern deutscher Polizeidienststellen.

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