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Erkrather Jugendberufshilfe ist auch dank der Zusammenarbeit mit Schulen gefragt

Bilanz : Wenn die berufliche Perspektive fehlt

Wenn Jugendliche nach der Schule nicht nahtlos in Ausbildung oder Arbeit vermittelt werden können, hilft die Jugendberufshilfe.

Sie sind jung und ratlos, wie es mit ihnen weitergehen soll: Weil Jugendliche nicht in jedem Fall geradlinig und nahtlos in Ausbildung oder Arbeit vermittelt werden können, gibt es Einrichtungen wie die Jugendberufshilfe der Stadt. Die dafür fest angestellte pädagogische Fachkraft Paulina Grube bietet im Auftrag der Verwaltung Hilfe an, wenn jungen Menschen die berufliche Perspektive fehlt – in ihrem Büro am Klinkerweg und bei regelmäßigen Sprechstunden in der Carl-Fuhlrott-Hauptschule, der Realschule Erkrath und an jedem ersten Montag eines Monats auch von 15 bis 17 Uhr im Jugendcafé „Juca“ im Kaiserhof an der Bahnstraße.

Und sie hat dank guter Vernetzung gut zu tun: „Das Angebot wird von Schulen, Schülern, Eltern und sozialen Institutionen gut angenommen und genutzt. Durch Mund-zu-Mund-Propaganda hat es mittlerweile einen hohen Bekanntheitsgrad, und das wiederum senkt bei Jugendlichen, die alleine nicht weiterkommen, die Hemmschwelle, mit der Jugendberufshilfe Kontakt aufzunehmen“, berichtete Grube bei der Vorstellung ihrer Jahresbilanz für 2017 im Jugendhilfeausschuss.

116 junge Erkrather zwischen 16 und 27 Jahre hat sie im Jahr 2017 beraten, die meisten von ihnen (47) mehrfach. 39 Besucher haben gleich mit mehreren Hemmnissen bei der Vermittlung in Ausbildung oder Beruf zu kämpfen und müssen noch intensiver und vor allem längerfristiger begleitet werden. Bis auf sechs junge Menschen, für die „wegen mangelnder Mitarbeit“ keine Perspektive gefunden werden konnte, sind alle Beratungsbedürftigen des Jahres 2017 einen Schritt vorangekommen, haben Ausbildungsplätze oder Arbeit gefunden, bemühen sich um einen höheren Schulabschluss, besuchen Sprachkurse, absolvieren ein Freiwilliges Soziales Jahr, befinden sich in berufsvorbereitenden Maßnahmen oder studieren. 41 von ihnen sind 2018 weiter betreut und unterstützt worden. Aber wo hakt es eigentlich?

Vielfältig sind die Gründe, die Bildungs- und Arbeitswege erschweren: Denn es gibt Jugendliche, die kurz vor oder gar nach dem Schulabschluss noch keine konkrete Idee haben, welcher Beruf für sie infrage kommt. Manche haben auch unrealistische Berufswünsche oder zu schlechte Noten. Einigen fehlt sogar der für die meisten Ausbildungen nötige Schulabschluss. Das kann an mangelnder Disziplin liegen, aber auch daran, dass es zum Beispiel zu wenig Unterstützung im Elternhaus gibt.

Nicht alle Jugendlichen verfügen über Computer oder Drucker

Besonders schwer auf dem Weg ins Berufsleben haben es, so die Erfahrungen der Jugendberufshilfe (JBH), Migranten sowie alleinerziehende junge Menschen. Sie müssen sich viel häufiger bewerben, um überhaupt zu einem Gespräch eingeladen zu werden, und sind oft auf Überzeugungsarbeit durch die JBH bei potenziellen Arbeitgebern angewiesen. Auch ein Problem: Nicht alle Jugendlichen verfügen über Computer, Drucker, einen Festanschluss beziehungsweise ein Guthaben auf dem Handy, um in Bewerbungsprozesse überhaupt erst einmal einzusteigen. Im Büro von Paulina Grube gibt es daher einen zweiten Computer-Arbeitsplatz, den ihre Besucher zu diesem Zweck kostenlos nutzen können. Außerdem bietet sie ein Bewerbungstraining, Hilfe (zur Selbsthilfe) bei der Suche nach Praktika und bei der Erledigung formaler Angelegenheiten an.

Auch bei der Erstellung fehlerfreier und überzeugender Bewerbungsunterlagen ist sie Ansprechpartnerin: „Manche haben noch nie ein formelles Anschreiben verfasst oder ein Telefonat mit einem potenziellen Arbeitgeber geführt.“

Drei Grundfragen stehen bei der Hilfe durch die Jugenberusfhilfe im Mittelpunkt: Wo stehe ich? Wo will ich hin? Was brauche ich dafür?

Jugendliche, die in Erkrath erfolgreich beraten wurden und durchgehalten haben, sind oder werden beispielsweise Verkäufer, Einzelhandelskaufleute, Kinder- oder Altenpfleger, Metallbauer oder medizinische Fachangestellte.