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Erkrather Händlerin empfiehlt: Mit Büchern gegen die Weihnachtshektik

Erkrath : Weihnachtlich-literarische Entschleunigung

Mit dem „Candle Light Shopping“ hat sich die Buchhandlung Weber etwas besonderes überlegt. Am Samstagabend nach dem Einkaufstrubel öffnet Inhaberin Sara Willerth ihren Kunden die Türe.

Weihnachtszeit bedeutet für viele Menschen Stress. Die „schönste Zeit des Jahres“ verspricht Besinnlichkeit, doch wenn der Baum geschmückt, der Braten vorbereitet, die Verwandtschaft beschwichtigt und Geschenke in überfüllten Innenstädten gekauft werden müssen, ist das nicht nur für Berufstätige schwer unter einen Hut zu bringen. Die Buchhandlung Weber will entschleunigen: Am Abend vor dem dritten Advent fand zum zweiten Mal ein „Candle Light Shopping“ statt.

„Wir überlegen uns ja immer, was wir machen können für die Kunden“, sagt Inhaberin Sara Willwerth. Also hat sie ihren Laden am Samstagabend geöffnet, „wenn kein Telefon mehr klingelt und man mehr Zeit für die Kunden hat“. Es war eine gemütliche Atmosphäre, die da hinter den erleuchteten Schaufenstern herrschte, als der Hochdahler Markt schon in der Abendruhe lag und nur der große Supermarkt noch die letzten Kunden abfertigte. „Wir machen das nicht nur, um Bücher zu verkaufen, sondern vor allem, um sich zu treffen“, betont Sara Willwerth. Kaum ein Ort wäre geeigneter als eine kleine Buchhandlung, wo man umgeben ist von schönen Dingen und wo die Menschen sowieso gerne hinkommen, um in Ruhe zu stöbern.

„Ich habe in den ersten 20 Minuten schon vier Bücher verkauft“, freute sich Autorin Claudia Birkheuer, die auf einem eigenen Tisch ihren neuen Roman „Seven“ bewarb und jedem Käufer gerne eine Widmung ins Buch schrieb. Eine weitere Familie zeigte Interesse: „Es geht um einen Kater, der Künstler werden will und sich heimlich in die Düsseldorfer Kunstakademie schleicht“, erläuterte Birkheuer. Als die Herrschaften zögerten, versicherte sie „Das Buch ist auch für Jugendliche geeignet, sowohl für Jungen als auch für Mädchen“. Und wieder ein paar neue Fans gewonnen. Birkheuer ist vielen Hochdahlern selbst als bildende Künstlerin bekannt und hat von daher schon einen Stamm an potenziellen Lesern. „Neulich rief mich eine Frau an und bedankte sich für den ‚hinreißenden Roman, der lustig ist und trotzdem zum Nachdenken anregt‘“.

Die Buchhandlung Weber
ist ein Ort der Begegnung

Für ein paar Minuten ist der Laden leer, dann kommen schon die nächsten Kunden. Das Duo „Birdland“ spielt mit gedämpfter Lautstärke bekannte Lieder wie „Hallelujah“ oder „Billie Jean“, während die Gäste leise plaudern, sich umschauen und ein Glas guten Wein trinken. „Gleich kommen noch die Weihnachtsbäcker vom ‚Freundeskreis für Flüchtlinge‘, um Plätzchen zugunsten des Kinderhauses Mogli zu verkaufen“, kündigt Sara Willwerth an. Die Ur-Hochdahlerin hatte die Buchhandlung Weber (ihr Geburtsname) 1984, nur vier Jahre nach ihrem Abitur, gegründet. „Ich wollte eigentlich Gartenarchitektur studieren, hab aber keinen Platz bekommen“. Als sie stattdessen eine Ausbildung anstrebte, war klar, dass es etwas mit Büchern zu tun haben musste.

Seit 16 Jahren ist die Buchhandlung an ihrem endgültigen Standort am oberen Hochdahler Markt, doch schon viel länger eine Institution in Erkrath. Mehrere Preise hat Willwerth schon gewonnen, unter anderem die Auszeichnung „Bücherfrau des Jahres“. „Die Buchhandlung ist im Prinzip ein Ort der Begegnung“, sagt Claudia Birkheuer.