Erkrather Autor sprudelt nur so vor Ideen

Erkrather Autor sprudelt nur so vor Ideen

Nur zum Zeitvertreib wollte der ehemalige IT-Fachmann Geschichten zu Papier bringen. Inzwischen sind es 15 Bücher.

Erkrath. Mit einem verwöhnten, nicht ganz schlanken jungen Prinzen und einer namenlosen Auftragsmörderin fing alles an: Sam Feuerbach, mit bürgerlichem Namen Boris Lüdtke, erschuf seine Krosann-Saga als E-Book. Wort für Wort, Satz für Satz ließ er seine Protagonisten durch seine selbst erschaffene Welt reisen — und wusste dabei selbst gar nicht, wohin die Reise gehen würde. Weder die von Prinz Karek und der hübschen Auftragskillerin, noch seine eigene. „Ich bin Discovery-Writer“, erklärt der Hochdahler Autor: „Ich weiß vor dem Schreiben selbst noch nicht, was passieren wird.“ Anders wäre ihm das Schreiben auch viel zu langweilig, sagt er lachend: Das wäre ja, wie ein Buch zu lesen, dessen Inhalt und Ausgang man schon genau kennt.

Den Lesern hat Feuerbachs scheinbar ziellose Reise so gefallen, dass sie die Story sechs Bände lang begeistert verfolgen, auf Amazon mit Bestnoten bewerten und jedes Mal gespannt auf den nächsten Band warten. „Das Veröffentlichen von E-Books ist schon ein bisschen hamsterradartig: Gerade bei Serien muss man regelmäßig liefern und darauf achten, dass die Zeit zwischen zwei Bänden nicht zu lang wird, sonst reißt der Faden ab“, erklärt er. Feuerbach ließ nicht nur den Krosann-Faden nicht abreißen, sondern schrieb zeitgleich mit Science-Fiction-Autor Thariot die Thriller-Trilogie „Echtzeit“. Und danach hatte er vom Schreiben immer noch nicht genug und startete die nächste Saga: „Der Totengräbersohn“. Auch hiervon hat er schon wieder drei Bände gefüllt — und gemeinsam mit seinem Sohn einen eigenen Verlag für seine Bücher gegründet, in dem er diese diesmal gleich selbst als Taschenbuch herausgibt. Buch zwei kam ins Finale des „Kindle Storyteller Award“, dem bedeutendsten Preis für Selbstverleger, unter die letzten fünf von 2000. „Der Totengräbersohn“ ist zudem als bestes deutschsprachiges Hörbuch im Finale des Deutschen Fantastik-Preises.

Boris Lüdtke legt eine Geschwindigkeit vor, die einen schwindelig werden lässt. Dabei wollte er anfangs eigentlich „nur für sich“ Schreiben, rein als Hobby. Seinen Beruf als Security Consultant eines IT-Unternehmens hat er vor anderthalb Jahren an den Nagel gehängt. Nach 20 Jahren Betriebszugehörigkeit. Seither ist er „Vollzeitautor“. „Die ersten Wochen war ich schon nervös“, gibt der 56-Jährige zu, „das ist schon ein Risiko.“ Doch die Rechnung scheint aufzugehen: Auf Amazon zählt er zu den erfolgreichsten Selbstverlegern. Allein von seiner Krosann-Saga hat er bis heute rund 250 000 Einheiten verkauft, mit allen Titel zusammen kommt er auf gut 500 000, davon 70 000 von Audible produzierte Hörbücher.

Gemeinsam mit dem Hochdahler Verlag Fanpro will der Autor jetzt im Buchhandel Fuß fassen. Drei Bände der Krosann-Saga wurden bereits als gebundene Luxus-Auflage herausgebracht. Zudem verlegt Fanpro Feuerbachs und Thariots zweites Thriller-Projekt, die Trilogie „Instabil“, von der diese Woche Band drei in die Läden kommt. Damit hat Lüdtke dann 15 Bücher veröffentlicht. In gerade einmal viereinhalb Jahren.

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