Erkrath/Unterbach: Gut Rodeberg wird Pferdeschutzhof

Erkrath : Aus Gut Rodeberg wird ein Pferdeschutzhof

Seit November ist die Anlage Partnerhof des Tierschutzvereins Düsseldorf. Die Reitschule wird jetzt ein Pferdeschutzhof.

Vor gut acht Monaten ist „TiNa“ auf Gut Rodeberg in Unterbach eingezogen. „TiNa“ hat selbst noch ein paar Ponys aus dem Tierschutz mitgebracht, ist dort aber nicht zum Reiten, sondern „um Schule zu machen“. „TiNa macht Schule“ ist ein Bildungsprojekt des Tierschutzvereins Düsseldorf und Umgebung das mit Hilfe von ausgebildeten Tier- und Naturschutzlehrern Grundschülern Tiere und ihre Lebensräume sowie die artgerechte Haltung von Haus- und Nutztieren näher bringt.

Nach der Theorie gehen die Kinder raus auf den Partnerhof

Nachdem in den Schulklassen entsprechendes theoretisches Basiswissen vermittelt wurde, geht es für die Kids raus auf einen der beiden Partnerhöfe des Projekts. Im Düsseldorfer Raum ist das Gut Rodeberg.

Dort sammeln die Kinder praktische Erfahrungen, indem sie Pferde, Ponys, Hunde, Katzen, Ziegen und Schafe aus nächster Nähe erleben, und lernen so den respektvollen Umgang mit ihnen. „Diese ganzheitliche Philosophie des Tierschutzes möchten wir gerne gemeinsam in die Herzen noch vieler weiterer Kinder bringen“, erklärt Monika Piasetzky, Vorsitzende des Tierschutzvereins Düsseldorf.

Christina Helm, Inhaberin von Gut Rodeberg, ist dankbar für diese neue Möglichkeit, denn inzwischen sind ihre Pferde, die größtenteils aus ehemals schlechter Haltung und mit Handycaps oder gesundheitlichen Problemen zu ihr kamen, in die Jahre gekommen: Das älteste Pony ist 44 Jahre, das jüngste 16 Jahre alt. Eine Umstrukturierung vom Reithof zu einem Pferdeschutzhof ist unausweichlich.

„Aufgrund des Alters können wir von unseren 14 Pferden nur noch die Hälfte in Reitkursen oder -therapien einsetzen“, erklärt Helm, „für die andere Hälfte steht jetzt der wohlverdiente Ruhestand an.“ Platz gibt es auf den Weiden von Gut Rodeberg genug, so dass auch die Senioren dort würdevoll alt werden können. Finanziell ist es um den Hof allerdings deutlich weniger gut bestellt.

Die Pferdesenioren können ihr Futtergeld nicht mehr selbst einlaufen und die anderen, noch aktiven Pferde, schaffen es nicht, für sich selbst und zusätzlich für die Rente der ehemaligen Kollegen zu sorgen. „Zwar können unsere Senioren noch andere Arbeiten fernab von Reitunterricht und -therapien wie beispielsweise Ponyreiten, Horsemanship-Kurse, Pferdewanderungen und leichte Waldritte übernehmen. Ausreichend sind diese Einnahmen zur Versorgung der 14 Pferde jedoch leider nicht“, berichtet Christina Helm und hofft, für die neuen Angebote und Tierschutzprojekte viele Interessenten und vielleicht auch Sponsoren zu finden.

„Mit der Umstrukturierung zum Pferdeschutz- und Erlebnishof beweist unser Partnerhof echte Nachhaltigkeit und Verantwortung“, findet Monika Piasetzky vom Tierschutzverein Düsseldorf. Die Gründung eines Fördervereins für die Seniorenpferde ist in Planung. Schritt für Schritt erfolgt nun die Umstrukturierung. Dafür soll der Hof auch „optisch auf Vordermann“ gebracht werden, denn vieles ist durch die immer geringer werdenden Einnahmen in letzter Zeit liegen geblieben.

Allein werden Christina Helm, ihre Mitarbeiterin Nathalie Ferrari und die Ehrenamtler vom Tierschutzverein das nicht schaffen. Für jede Hilfe sind sie daher dankbar. Verpächter Reinhardt Zech hat inzwischen zugesagt, Farbe zur Renovierung der Außenfassade des lange leerstehenden und nicht zur Pacht des Reithofes gehörenden Gutshauses zur Verfügung zu stellen – sofern die Tierschützer jemand finden, der beim Anstreichen hilft.

Eine Möglichkeit, Gut Rodeberg und seine Vierbeiner kennenzulernen, bietet der Spiele-Cup am Samstag, 1. Juni. Statt in Springen oder Dressur messen sich die jungen Teilnehmer hier in seniorengerechten Disziplinen wie Slalom oder Horsemanship, an denen auch einige fittere ältere Pferde noch teilnehmen können.

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