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Erkrath: Sandheider Meisterkonzerte halten ihr Niveau

NRW : Meisterkonzerte begeistern Zuhörer

Die Corona-Pause hat der Konzertreihe in der Kirche Heilig Geist keinen Schaden zugefügt. Zum Neustart stellte sich der Violinist Vesselin Paraschkevov zur Freude des Publikums großen spieltechnischen Anforderungen.

Seit Menschengedenken zählen die Sonaten und Partiten BWV 1001-1006 von Johann Sebastian Bach und später die Werke von Paganini zu den größten Herausforderungen, die Violinisten zu bestehen haben, wollen sie zur Weltelite zählen. Solch einen Interpreten von Weltklasse durften die Zuhörer des 192. Sandheider Meisterkonzerts am Sonntag Abend erleben.

Vesselin Paraschkevov war zu Gast in der Kirche Heilig Geist in Sandheide und ließ ein begeistertes, aber auch völlig ratloses Publikum zurück: Wie kann ein Musiker polyphone Musik, gar vierstimmige Fugen, mit einem Bogen auf ganzen vier Saiten spielen? Die spieltechnischen Anforderungen dieser so harmlos klingenden Titel sind einfach unbeschreiblich.

Bulgare erlernte sein Instrument bereits mit vier Jahren

Von dem Set aus sechs Sonaten und Partiten spielte der gebürtige Bulgare, der bereits mit vier Jahren Unterricht an seinem Instrument erhielt und später Kapellmeister der Wiener Philharmoniker war, die Nummern 1, 2 und 4, alle in Moll, und verzauberte und faszinierte mit seiner brillanten Kunst. Ein Künstler, der normalerweise in der Carnegy Hall, im Amsterdamer Concertgebouw, in Tokio und sonstwo in der Welt auftritt, spielt in Hochdahl!

Das ist nur möglich durch den jahrzehntelangem Einsatz von Gabor Antalffy, dem Erfinder der Sandheider Meisterkonzerte, der mit Vesselin Paraschkevov befreundet ist und diesen Weltstar – komplett ohne Starallüren – nach Hochdahl locken konnte, und das nicht zum ersten Mal. Auch gemeinsam haben die beiden Freunde schon musiziert, Geige und Cembalo, wie Antalffy erzählte.

Dass solch ein Ausnahmemusiker auch ein Ausnahmeinstrument spielt, ist eigentlich fast selbstverständlich. Aber Vesselin Paraschkevov spielt keine Stradivari, nein, er bevorzugt den sonoren Ton des Instruments von Josef Guarnieri, dem großen Rivalen von Stradivari. Wagt man sich an die Beschreibung der kostbaren Werke des großen Meisters Bach und des exzellenten Künstlers, dann suchen wir die Partita in d-moll, BWV 1004 aus, die durch die musikalische Darstellung mittelalterlicher Tänze den hervorragenden Abschluss dieses ganz besonderen Konzertes bildete.

Die einzelnen Stimmen verschmolzen, kaskadengleich plätscherten sie durch die Tonarten, mal pointiert und energisch, dann wieder spielerisch leicht erklang die Corrente, endlose Läufe machten selbst das Publikum atemlos. Die Sarabande gefiel durch gefällige Dialoge zwischen den einzelnen Stimmen und einem zarten piano. Ein forciertes Tempo und faszinierte Dynamik, Finger strapazierende Koloraturen, erschöpften.

Der letzte Satz, die Chaconne, führte die Zuhörer an der Nase herum, ließ immer wieder das Finale erwarten – vergeblich.