Kultur in Erkrath Leute, Ihr ward einfach klasse!

Erkrath · Die musikalische Stabübergabe ist gelungen: Das 201. Sandheider Meisterkonzert war das erste unter der Leitung von Frank Ludemann und es sorgte gleich für helle Begeisterung.

Das Blechbläserquintett der Düsseldorfer Symphoniker gestaltete das 201. Sandheider Meisterkonzert in der Kirche Heilig Geist.

Das Blechbläserquintett der Düsseldorfer Symphoniker gestaltete das 201. Sandheider Meisterkonzert in der Kirche Heilig Geist.

Foto: Köhlen, Stephan (teph)

Frank Ludemann, seines Zeichens Solotrompeter der Düsseldorfer Sinfoniker, hatte zu seinem Einstand in der Kirche Heilig Geist seine engsten Kollegen aus dem Düsseldorfer Orchester geladen und es war ein Hochgenuss, dieser jungen Bläsertruppe lauschen zu können. Wie Frank Ludemann betonte, ist es sein Herzensanliegen, die Vielfalt der Musik erlebbar zu machen und das versprach denn auch das Programm, das mit Werken vom Barock bis hin zu Bernstein und Gershwin reichte.

So vielfältig das Programm, so vielfältig war auch die Besetzung des Quintetts, genannt Düsy Brass, das in dieser Zusammensetzung erst sein zweites Konzert absolvierte. Die jungen Musiker stammen aus ganz unterschiedlichen Ländern, gar Kontinenten, doch die Sprache der Musik ist eben international. Mit der Alster Ouvertüre von Georg Philipp Telemann erklangen festliche Töne, die beiden Trompeten korrespondierten wunderschön miteinander.

Die Fuge, bei der Horn und Trompete das Thema angaben, bestach durch federleichte Koloraturen. Aus der „Kunst der Fuge“ von Johann Sebastian Bach wurde der 9. Satz vorgestellt, Contrapunctus lX. Ein höchst anspruchsvolles Werk, das hier in der Bearbeitung für Bläser erklang. Die Fuge wurde mit bravouröser Rasanz und Eleganz gespielt, die Tuba ließ den Cantus firmus erklingen, der dann vom Horn übernommen wurde. Ein wunderschönes, harmonisches Zusammenspiel der fünf Musiker.

Der Sprung von Bach und Telemann hin zu Victor Ewald war schon gewaltig. Ewald (1860-1935), ein gebürtiger Russe, war eigentlich Ingenieur und komponierte nur so als Hobby. Mit forschen Tempi, Dissonanzen, die sich alsbald wieder harmonisch auflösten, strahlenden Spitzentönen, gelegentlich neckischen Momenten und markanten Rhythmen geisterten die Themen durch die Instrumente bis hin zu einem temporeichen Finale. Ein Erlebnis.

Und noch ein Name tauchte im Programm auf, der den meisten wohl unbekannt war: Eugène Bozza (1905 bis 1991), Sohn eines Italieners, der sein Leben in Frankreich verbrachte und eigentlich am liebsten für Holzbläser komponierte. Hier in der Sandheide erklang seine „Suite française“ allerdings im Blech. Witzig bis schelmisch, so begann der erste Satz, feierlich der zweite, als Choral überschrieben, und der dritte Satz endete mit lebhaftem Thema, irren Tempi und einer sehr durchsichtig gestalteten Fuge.

Geroge Gershwin und Leonard Berstein, die beiden ganz Großen in Sachen Musical, hatten auch einen Platz im Programm. Aus „Porgy and Bess“ hatten sich die fünf Bläser (Bassam Mussad, Trompete, Lionel Jaquerod, Trompete, Andres Alaya Aragon, Horn, João Abreu, Posaune, Hugues Spielmann, Tuba) vier Songs ausgesucht, rhythmisch formidabel, und „Summertime“ – romantisch zum Verlieben. Wie auch aus der West Side Story das sehnsüchtige „Maria“ und „Tonight“, zum Dahinschmelzen.

Alle Sätze mit hingebungsvoller Inbrunst und großer Virtuosität dargeboten. Fazit: Leute, Ihr ward einfach klasse. Der begeisterte Beifall, der auch noch eine Zugabe einbrachte, war Dank und Anerkennung für diese großartige Leistung.

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