Erkrath: Mutmaßlicher Brandstifter gilt als Wiederholungstäter

Kita-Feuer in Erkrath : Brandstifter schlug mehrmals zu

Der 17-Jährige, der den Brand in der Erkrather Kita gelegt haben soll, ist schon 2018 mit mehreren Taten in Erscheinung getreten. Gegen ihn lag bereits ein Haftbefehl vor.

Der junge Erkrather, der derzeit in Untersuchungshaft sitzt, hat wohl schon einiges auf dem Kerbholz. Laut Staatsanwaltschaft Wuppertal lag bereits Ende 2018 ein Haftbefehl gegen ihn vor, weil er für sieben Autobrände verantwortlich sein soll. Er wurde daraufhin festgenommen und dem Haftrichter vorgeführt, der ihn aber gegen Auflagen zunächst vom Vollzug verschonte, wie eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft mitteilt.

Gegen diese Auflagen soll er nun verstoßen und daraufhin in der vergangenen Woche erneut festgenommen und verhört worden sein. Dabei habe er schließlich gestanden, das Feuer in der Lummerland-Kita Kempen gelegt zu haben. Über sein Motiv ist nichts bekannt. Die Polizei hat die Ermittlungen zum Kita-Brand auch noch nicht abgeschlossen. Sie klärt derzeit die Beteiligung eines Mitbeschuldigten.

Staatsanwaltschaft hält Haftstrafe für Täter denkbar

Welche Konsequenzen den oder die mutmaßlichen Brandstifter erwarten, lässt sich derzeit noch nicht sagen. Da der Tatverdächtige noch minderjährig ist, greift das Jugendstrafrecht, das den Erziehungsgedanken und nicht die Bestrafung in den Mittelpunkt stellt. „Die Strafe hängt individuell von der Person, von den Erziehungsmängeln und den schädlichen Neigungen ab“, sagt Christina Laibold von der zuständigen Wuppertaler Staatsanwaltschaft. Das schärfste Schwert des Jugendstrafrechts sei die Jugendstrafe, eine Haftstrafe. Aber auch die könne zur Bewährung ausgesetzt werden. Dass der mutmaßliche Erkrather Brandstifter in Haft bleiben muss, hält sie schon angesichts der Anzahl der Taten, die ihm zur Last gelegt werden, für nicht ausgeschlossen. Ob es einen Zusammenhang mit dem Brand der nahe gelegenen Grundschule Sandheide Anfang Juni gibt, prüfen die Ermittler noch und wollen dazu keine Angaben
machen.

Bis zur ganz großen Erleichterung wird Erkrath also noch warten müssen. „Ich hoffe wirklich, dass das jetzt ein Ende hat“, war dann auch die erste Reaktion von Ulrich Hoeck von der Awo Mettmann, die den Lummerland-Kindergarten betreibt – und seit dem verheerenden Brand komplett mit der Organisation des weiteren Betriebs in Erkrath beschäftigt ist. Dass der Verdächtige noch minderjährig sei, stimme ihn sehr nachdenklich. „Wenn er die Tat wirklich begangen hat, dann hat sich da ein junger Mensch ganz schön das Leben verbaut“, sagt Hoeck.

Das meint auch Erkraths Bürgermeister Christoph Schultz, der sich gestern wie folgt äußerte: „Das junge Alter des Tatverdächtigen lässt aufmerken, weil sich ein junger Mensch offenbar gedankenlos seiner Zukunft beraubt.“ Insgesamt zeigte Christoph Schultz sich aber über den wichtigen Teil-Erfolg der Polizei erleichtert: „Die zügige Aufklärung der Kita-Brandstiftung trägt zu einer Beruhigung in der besorgten Stadt bei. Daher gilt unser Dank Polizei und Staatsanwaltschaft für die hervorragende Arbeit. Wir hoffen sehr, dass mit der höheren Belohnung auch das Feuer in der Grundschule aufgeklärt werden kann.“

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