Erkrath: Mit Musik durchs Tal – zumindest ein Stück weit

Erkrath : Im Neandertal erschallt Blasmusik

Der Auftakt des Andertal-Festivals fiel nicht ganz ins Wasser. Am Ende gab es ein Platzkonzert.

Wenigstens wartete der Regen, bis sich die klangvolle Prozession schon ein wenig fortbewegt und die Teilnehmer zumindest einen Eindruck gewonnen hatten, was das Anderland-Festival hätte werden können. Andächtig lauschend war da eine beträchtliche Zahl von Zuhörern den ebenfalls recht zahlreichen Musikern zweier Formationen gefolgt. Die musizierten mal wandernd, dabei eher meditativ und dunkel tönend, mal munter, zackig, spritzig in einem Winkel des Tals aufgestellt. Recht vertraut und klassisch klang, was der Posaunenchor des Hochdahler CVJM fein abgestimmt ins Grüne blies. Sein Pendant, die munter nach dem Vorbild italienischer Dorfblaskapellen musizierende deutsch-italienische „Banda Metafisica“, gewann die Herzen mit Experimentierfeude, kombinierte Heiteres und Getragenes. Im Grundton meist melodisch, ließ sie die Instrumente bisweilen toben, tönen und Faxen machen wie Schüler auf dem Pausenhof, schrillen und schnattern wie ein aufgescheuchter Gänsehaufen.

Der Mann am Megaphon
war kaum zu verstehen

Da musste man schon genau hinhören, um dem immer mal wieder zwischengeschalteten Mann am Megaphon und seine ernsten Botschaften nicht aus den Ohren zu verlieren. „Die Natur braucht uns nicht, aber wir brauchen die Natur“ oder „Die Zeit funktioniert von alleine“ gab er zu bedenken. Was ihn aber nicht daran hinderte, gemeinsam mit einem Musiker-Kollegen auf ein Podest des Skulpturenpfads zu klettern und zur Freude des Publikums durchzuprobieren, wo am Metalltier denn überall die Trompete angesetzt werden kann. Neuerliches Faxenmachen also, zur Freude des Publikums.

Glücklich im halbwegs Trockenen: Der Posaunenchor des Hochdahler CVJM eröffnete das unfreiwillige Platzkonzert. Foto: Rolf Boening

Dann bekam plötzlich auch die Natur Lust darauf, mit zu musizieren – Regen setzte ein. Erst fein, dann heftiger und schließlich so stark, dass es für manches Instrument bedrohlich wurde. Ein Jammer, dass es mit dem Spaziergang, der so verheißungsvoll begonnen hatte, ein vorzeitiges Ende hatte und ein schneller Bogen zum Startpunkt, dem nahe gelegenen und gut vorbereiteten Café Neandertal No.1 geschlagen werden musste.

„Die Natur braucht uns nicht, aber wir brauchen die Natur“: Zwei Musiker mit ernsten Botschaften als Faxenmacher auf dem Skulpturenpfad. Foto: Rolf Boening

Als dort alle Pavillons verzurrt und vorsorglich entwässert und alle Musiker, Notenständer und die zahlreichen Besucher halbwegs trockene Plätze gefunden hatten, wurde die musikalische Wanderung kurzerhand als Platzkonzert fortgesetzt. Ein Höhepunkt: Von der Banda Metafisica gab es noch ein von Gründer, Leiter und Jazzposaunist Nicolao Valiensi komponiertes sinfonisches Werk zu hören. Ein origineller und energiegeladener Stilmix, der alle Gefühlslagen durchwanderte, in seinen beschwingten Passagen Tanzlust aufkommen ließ und vom begeisterten Publikum mit Szenenapplaus bedacht wurde. Sehr schön, dass eine Zugabe unvermeidlich war.

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