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Erkrath: Eugenia Hurtado Vacalla und Silvia Pulzovan unterrichten an VHS

Erkrath : Lehrerinnen mit bunten Biografien

Eugenia Hurtado Vacalla und Silvia Pulzovan de Egger sind Dozentinnen der VHS für Deutsch.

Eugenia Hurtado Vacalla und Silvia Pulzovan de Egger unterrichten beide an der Volkshochschule Erkrath – und man käme bei diesen exotisch anmutenden Namen auf jedes mögliche Fach, aber sicher nicht auf Deutsch für Ausländer. Beide haben eine derart bunte Biografie, dass es wirklich spannend ist, diese etwas näher auszuleuchten.

Fangen wir an mit Eugenia (der Einfachheit halber werden nun die beiden Damen beim Vornamen genannt). Sie ist in der Nähe von Hannover als Tochter griechischer Eltern geboren, die als Gastarbeiter in den 1960er Jahren aus Athen an die Leine zogen und eigentlich nur ein paar Jahre bleiben wollten. Doch es wurde ein ständiges Hin und Her, mal ging Eugenia in Athen zur Schule, dann wieder in Deutschland. Letztlich machte sie in Hannover Abitur auf einer griechischen Schule und fing 1994 mit dem Studium für Germanistik und Anglistik in Düsseldorf an. 1988 ging sie als au pair Mädchen nach Kalifornien, legte aber auch noch zwei Aufenthalte in England ein und absolvierte dort zusätzliche Zertifikate.

Nach der Hochzeit fand das junge Paar ein Domizil in Erkrath

Schon in früheren Jahren (1990 bis 93) war sie an einer Volkshochschule in Nienburg/Weser als Dozentin für Englisch tätig, übersetzte dann zwischen 1999 bis 2003 mal eben ein Softwareprogramm für eine Versicherung vom Deutschen ins Griechische und machte an der Uni Bochum ein Zusatzstudium, das sie mit dem „Übersetzer für Deutsch und Griechisch“ vor der IHK abschloss. Irgendwann dazwischen hat sie ihren Mann kennengelernt und geheiratet, 2004 wurde ihr Sohn Pablo geboren und die junge Familie hatte ein Domizil in Erkrath gefunden, - damit klärt sich langsam, wie sie den Weg an die VHS Erkrath gefunden hat. Bei der Suche nach einem Saal, in dem Pablos Taufe gefeiert werden sollte, lernte sie das Bürgerhaus und damit die VHS Erkrath kennen. Warum ein Saal? Für eine Taufe? „Tja“, sagte sie lachend „wir sind eine große Familie. Ich habe noch sieben Geschwister. Und wenn alle mit Familien zusammen kommen, sind wir schnell 40 bis 50 ­Personen“.

Bei Silvia lag nicht das Mittelmeer vor der Tür ihrer Heimat, sondern der Atlantik – Im Jahr 1969 wurde sie als Tochter einer deutsch-ungarischen Familie in Buenos Aires in Argentinien geboren. In der Wirtschaftskrise Ende der 1920er Jahre siedelten die deutschen Großeltern nach Südamerika über, während ihr ungarischer Vater 1944 vor Krieg und Unterdrückung aus seiner Heimat flüchtete.

So ist das kleine Mädchen zunächst mit Deutsch aufgewachsen und lernte erst im Kindergarten Spanisch. Nach der Schule machte Silvia eine Uhrmacherlehre, weil sie gerne mit den Händen arbeitet, hat dann aber umgesattelt und in Buenos Aires an der Universität Deutsch als Fremdsprache auf Lehramt studiert. 1994 bekam sie ein Stipendium nach Deutschland und lernte ihren Mann an der Uni Freiburg kennen. Sie musste aber nochmals zurück nach Argentinien, das Stipendium galt nur für ein Jahr und in zwölf langen Monaten der Trennung flogen unzählige Briefe über den Atlantik und alle wurden sorgsam verwahrt.

Verständnis für ein Leben
fern der Familie ist vorhanden

Zurück in Deutschland, heirateten Silvia und Carlos, 1997 wurde Tochter Florencia geboren und 2001 komplettierte dann Sohn Lukas die Familie. Dazwischen hat die junge Frau noch promoviert und durch ihren Ehemann, der als Professor für Physik an der Universität Düsseldorf arbeitete, lernte sie Michael Strohmeier, den damaligen Leiter der VHS Erkrath, kennen. Damit begann nahezu zeitgleich für beide Dozentinnen die Arbeit an der Volkshochschule.

Was beide Frauen gleichermaßen auszeichnet, ist die Neugier auf Menschen und das tiefe Verständnis für ein Leben fern der Familien, fern der Heimat, in ungewohnter Umgebung. So versuchen sie ihren Schülern zu helfen, wo es nur geht, denn ob diese aus dem Iran, aus Afghanistan, Syrien, afrikanischen Ländern oder auch aus osteuropäischen Staaten kommen – sie sind hier in der Fremde. Deshalb ist der Sprachunterricht wirklich der einzige Schlüssel, der die Türen öffnet und die beiden engagierten Lehrerinnen, mittlerweile gute Freundinnen, bezeichnen sich als Vermittlerinnen zwischen den Kulturen.

So ist denn Dr. Ursula Moldon, heutige Leiterin der VHS Erkrath, richtig froh und dankbar, gerade diese beiden Frauen mit ihren interkulturellen Kompetenzen an ihrer Schule zu haben, denn Reibungsflächen gibt es genügend, wenn Menschen aus derart unterschiedlichen politischen Systemen und Kulturen aufeinander treffen – da ist Konfliktmanagement gefragt. Stolz berichtete Dr. Moldon zum Abschluss, dass an der VHS noch in diesem Jahr die Zahl 1000 erreicht wird, Tausend Schüler werden dann die Prüfungen für Deutsch vor der IHK erfolgreich abgelegt haben und daran sind Eugenia Hurtado Vacalla und Silvia Pulzovan de Egger maßgeblich beteiligt.