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Engagement: Vier Tage im Ausnahmezustand

Engagement: Vier Tage im Ausnahmezustand

Die Helfer der Feuerwehr berichten von ihrem Einsatz im Hochwassergebiet.

Erkrath. Tausende Freiwillige kämpften gegen das Hochwasser, unermüdlich, ohne Bezahlung. So wie Markus Steinacker, Jörg Schwarz, Ingolf Rütjeroth, Peter Jungblut, Marc Kauffeld, Falko Fritzsch, Gert Struck, Sebastian Rahn, Lars Witten, Daniel Nitschke, Patrick Dau, Carsten Knobloch, Benedikt Dierdorf und Sascha Höbel.

Sie alle gehören der Freiwilligen Feuerwehr Erkrath an. Für ihren Einsatz während der Flutkatastrophe in Magdeburg gab es jetzt Dankesworte in der Kochwerkstatt der Brügger Mühle.

Jörg Schwarz ist seit 30 Jahren Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr. Am Samstag, 8. Juli, um 22 Uhr ging bei ihm der Funkalarm. „Als ich hörte, es sollten Schlafsachen und Klamotten für vier, fünf Tage eingepackt werden, war klar, wohin es ging“, erzählt der 43-Jährige.

Eine halbe Stunde später standen er und alle anderen Kameraden an der Erkrather Feuerwache. „Jetzt war zu klären, wer so schnell überhaupt einsetzbar ist.“ Jörg Schwarz ist von Beruf Küchenleiter beim Caritasverband Wuppertal. „Ich habe sofort mit meiner Chefin telefoniert“, die gab ihr Okay. Kochaufgaben konnten an Kolleginnen delegiert werden, der 16-jährige Sohn wurde bei der Großmutter untergebracht und Lebensgefährtin Sabine Gosker weiß, „das ist sein Job“.

„Wir waren alle hundemüde, hatten aber Adrenalin im Blut“, sagt Schwarz. Morgens um 3 Uhr startete die Bereitschaftsgruppe 4 vom Messeparkplatz Düsseldorf. Wer konnte, ruhte sich auf der Fahrt nach Magdeburg aus. Abwechselnd wurde gefahren, bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 70km/h kamen die Helfer mittags um 12 Uhr an.

„Wir waren dort, wo die Fluten noch nicht so hoch gestiegen waren“, sagt Jörg Schwarz. Ihren Job, ein Umspannwerk zu sichern, gelang. Zusammen wurden Sandsäcke im Akkord gestapelt. Geschlafen wurde später in einer alten Sporthalle. „150 Leute lagen dort. Aber von dem Einsatz ist man so kaputt, da ist es völlig egal, ob nebendran einer schnarcht. Da ist man froh, überhaupt liegen zu können.“

„Es war faszinierend zu sehen, wie viele Leute halfen“, ergänzt Ingolf Rütjeroth. Seit 27 Jahren ist der 46-Jährige Feuerwehrmann, einen Einsatz so weit weg von zu Hause erlebte er zuvor nie. Den Grad der Zerstörung, „was da alles Schrott war“, und das Leid der Menschen („Da waren ja ganze Existenzen hin“), „können Bilder nicht vermitteln“, ergänzt Kollege Patrick Dau.

Und trotz dieses Dramas waren die Magdeburger „zugewandt, die Freundlichkeit der Leute war beeindruckend“. Grundschulkinder brachten selbst gebackenen Kuchen, „da hatten manche Wasser in den Augen.“ Nicht nur Bürgermeister Arno Werner dankte für den wichtigen Einsatz. Auch NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft schrieb, die Männer hätten „Großes geleistet und neue Hoffnung gegeben. Darauf können sie stolz sein“.