Politik in Erkrath Der Erkrather Wald bleibt sich selbst überlassen

Erkrath · Eine politische Mehrheit vertraut der Natur mehr als menschlichem Waldmanagement.

 Der Wald soll sich selbst überlassen bleiben.

Der Wald soll sich selbst überlassen bleiben.

Foto: Köhlen, Stephan (teph)

(tpp) Der Ausschuss für Umwelt und Planung (AUP) hat beschlossen, dass Erkraths Wälder in Zukunft gar nicht mehr bewirtschaftet, sondern sich selbst überlassen bleiben sollen. Der AUP bestätigte damit die Konsequenzen aus der Ablehnung des Fortwirtschaftsplans 2023/24 aus der Sitzung vom 15. August. Zuvor hatte die Stadtverwaltung empfohlen, dem Forstwirtschaftsplan doch noch zuzustimmen, um ein Waldmanagement zu ermöglichen, das die Folgen des Klimawandels zu lindern versucht. Doch auch die Aussicht auf Fördermittel für „Klimaangepasstes Waldmanagement“ änderte an der Mehrheitsmeinung nichts. Der kleinteilige Wald in Erkrath sei ungeeignet, um mit Holzentnahme Geld zu verdienen, fand die Politik.

Die 134 Hektar Wald im Stadtgebiet werden zurzeit von der Holzkontor Rhein-Berg-Siegerland GmbH (RBS) bewirtschaftet, und zwar nach Maßgaben des sogenannten „Waldpapiers“ („Leitideen und Grundsätze einer zukünftigen Nutzung der Erkrather Stadtwälder“) aus dem Jahr 2011. Die RBS habe zugesagt, die vom Bundeslandwirtschaftsministerium geforderten zwölf Kriterien des klimaangepassten Waldmanagements einhalten zu können, sodass die Verwaltung den Förderantrag stellen wolle.

Nach einer Begehung im Willbecker Busch am 10. August hatte der AUP den neuen Forstwirtschaftsplan jedoch abgelehnt. Die Verwaltung hatte damals erläutert, dass die Ablehnung bedeute, den Wald – bis auf Maßnahmen zur Verkehrssicherung – einer natürlichen Entwicklung zu überlassen. Dies hätten alle Fraktionen verstanden und es habe Einigkeit gegeben, schreibt die Verwaltung.

Verwaltung legte
vierseitiges Papier vor

Die Verwaltung sei jedoch der Ansicht, dass eine gezielte Verjüngung des Baumbestandes und die Anpflanzung von resilienteren Baumarten die Folgen des Klimawandels abmildern würde. Daher brachte sie das Thema erneut in den Ausschuss und legte ein vierseitiges Papier vor, das die Grundsätze und Vorteile des klimaangepassten Waldmanagements verdeutlichen sollte.

„Ich bin auch erstaunt darüber, dass ein schon gefasster Beschluss der Verwaltung noch einmal vier Seiten wert ist“, stichelte Peter Knitsch (Grüne). In diesem Lichte solle die Verwaltung dann bitte auch bei anderen Aufgaben nicht mehr mit dem Argument „kein Personal“ kommen. „Die Argumentation der Verwaltung fußt darauf, dass wir ohne Waldmanagement keine Förderung bekommen“, so Knitsch. „Aber wenn wir den Wald sich selbst überlassen, entstehen ja auch kaum Kosten“. Forstwirtin Renate Späth, im AUP als beratendes Mitglied für den BUND Erkrath, verwies darauf, dass fast die Hälfte des Baumbestandes alt (-ehrwürdig) sei. Die Wissenschaft sagt, dass große, alte Bäume ein Vielfaches mehr an Kohlendioxid aufnehmen können wie junge Bäume.

Bernhard Osterwind (BmU) betonte, dass alle Erfahrungen weltweit gezeigt hätten, dass menschliche Eingriffe nie das feinbalancierte Zusammenspiel natürlicher Faktoren ersetzen könnten. Auf der anderen Seite berichtete Helmut Rohden für die CDU, dass er selbst Wald besitze und alte Bäume plötzlich absterben sehe. „Wenn wir nichts tun, haben wir bald gar keinen Wald mehr.“ Zudem sei der Erkrather Wald kleinteilig und verstreut, so Leonard Kern-Wagner (FDP). Es gehe auch darum, den Wald für Erholungssuchende erlebbar zu machen „über die Verkehrssicherungspflicht hinaus“. CDU und FDP wurden überstimmt.

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