Der Bürgerbus — mehr als nur ein Verkehrsmittel

Der Bürgerbus — mehr als nur ein Verkehrsmittel

In den vergangenen vier Jahren hat der Bürgerbus in Erkrath 100 000 Fahrgäste befördert.

Erkrath. Einmal rund um die Erde fährt der Bürgerbus Erkrath jährlich — nur fährt er diese Strecke lediglich auf Erkraths Straßen. Die seit vier Jahren andauernde Erfolgsstory dieser außergewöhnlichen Bürgerinitiative erhielt jetzt einen weiteren Höhepunkt mit der Ehrung des 100 000 Fahrgastes.

Der Rentner Jürgen Krüger von der Tannenstraße ist nach zweimaliger OP und körperlicher Einschränkung nicht von der Außenwelt abgeschnitten, sondern fährt fast täglich mit dem Bürgerbus „ins Dorf“. Und wenn sein Ziel nur die Tasse Kaffee bei Rewe ist.

Mit ihm wurden zwei weitere Fahrgäste vom Bürgerbus Verein Erkrath (BBV) geehrt: Elfriede Meier (89) und Erna Vogler (79). Auch sie hätten für ihren Einkauf oder den Besuch beim Arzt lange Berge zu bewältigen, wenn es den Bürgerbus nicht gäbe, denn sie wohnen am Kalkumer Feld und in der Falkenstraße.

Die Ehrung dieser Bürgerbus-Vielfahrer — von 99 999 bis 100 001 — war den Mitgliedern des BBV Erkrath sowie der Rheinbahn ein wichtiges Anliegen. Denn schließlich ist die Kooperation zwischen Bürgerverein und dem Düsseldorfer Beförderungsunternehmen ein Vorzeigeprojekt mit Erfolgsgeschichte. Zunächst kritisch beobachtet von der Erkrather Stadtpolitik und skeptisch begleitet von der Rheinbahn erreichte die Bürgerbus-Linie für manche Außenbezirke inzwischen schon eine Aufwertung an Lebensqualität.

Zehn Runden mit 40 Haltestellen fährt der Bus von montags bis freitags, samstags vier Runden. Die Schichten teilen sich 14 Fahrer und zwei Fahrerinnen. Die ehrenamtlichen Busfahrer, fast alle Rentner, stammen aus Berufen wie Bergmann, Mathematiker, Lehrer, Amtsrichter, Polizist und sogar Busfahrer. „Eine Fahrt im Bürgerbus ist manchmal informativer als ein Besuch beim Frisör“, sagt BBV-Vorsitzender Wolfgang Peter. Und wenn zwei Fahrgäste sich viel zu erzählen haben, dürften sie auch schon mal eine Doppelrunde mitfahren. Und für Gehbehinderte dürfen die Fahrer am Wohnhaus des Fahrgastes halten, wenn der Regel-Stopp zu weit entfernt liegt.

„So gute Busfahrer gibt es nicht ein zweites Mal“, sagt die Jubilarin Elfriede Meier. Sogar schwere Einkaufstaschen tragen sie aus dem Bus, berichtet sie. Als Dankeschön hat sie einmal für alle 16 Fahrer Osterhasen gebacken. Und Schals und Socken strickt die betagte Dame für alle, die es gebrauchen können. Für die professionelle Begleitung der Bürgerbusfahrer sorgt die Rheinbahn, denn einmal im Jahr müssen alle zum Werksarzt. Dort werden unter anderem das Reaktions- und das Sehvermögen getestet. In der Geschäftsleitung der Rheinbahn wollte man die Zahl 100 000 zunächst nicht glauben, sagte Helmuth Höhn, Leiter der Verkehrswirtschaft, anlässlich der Fahrgast-Ehrung in Erkrath. Das sei ja auch wirklich eine außergewöhnliche Erfolgsstory. Jens Reuker, der Finanzen-Controler des BBV, sagt stolz: „Wir benötigen kein Geld von der Stadt. Werbung und Fahrpreise tragen die Kosten“. Und manchmal können die Fahrer vom Trinkgeld sogar einen Ausflug machen.

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