Der 22. Erkrather Jazzsommer ist gestartet

Hochdahl : Feinster Jazz erklingt im uralten Gemäuer

Der 22. Erkrather Jazzsommer läuft. Drei Sonntage im August stehen im Lokschuppen am Ziegeleiweg in Alt-Hochdahl im Zeichen der Hochkultur.

Das renovierte historische Gebäude hat sich als „Gute Stube“ Hochdahls und würdige Bühne für verschiedenste Veranstaltungen bewährt – vom weihnachtlichen Trödelmarkt über große Geburtstagsfeiern bis hin zur renommierten Kunstausstellung. Zum Auftakt des Jazzsommers am Sonntag spielte außerdem das Wetter mit, als die „Atlanta Jazzband Köln“ den musikalischen Rahmen für einen gediegenen Nachmittag lieferte.

„Die Musik ist gut, obwohl sie aus Köln sind“, flachste Erkraths ehemaliger Karnevalsprinz und Hoppeditz Wolfgang Scheurer, der wie jedes Jahr mit seiner Frau Christiane gekommen war. Dieses Mal hatten sie doppeltes Glück und die Eintrittskarten bei einem Facebook-Preisausschreiben gewonnen. Der Veranstalter, das Kulturamt der Stadt, verlost seit Jahren Tickets für alle drei Veranstaltungen.

Der Jazzsommer ist
ein echter Selbstläufer

Wer sich für die Konzerte am kommenden oder übernächsten Sonntag interessiert, sollte einfach mal bei „Stadt Erkrath“ auf „Gefällt mir“ klicken. Die Chancen stehen gut. Doch auch ohne diese zusätzliche Werbung ist der Jazzsommer ein Selbstläufer. „Ich habe noch nicht gezählt, aber wir haben mindestens 300 Karten für heute verkauft“, sagte Maria Steinmetz, Pressesprecherin der Stadt. Die Konzerte beginnen immer um 11 Uhr morgens und dauern über die Mittagszeit bis drei Uhr nachmittags – mit mehreren Pausen. Daraus ergibt sich der Charakter eines gesellschaftlichen Events, bei dem die Musik gleichsam den roten Faden bildet. Man kommt zum Frühschoppen oder zum Mittagessen, genießt die Atmosphäre und bleibt, solange man will. Doch das würde den Musikern nicht gerecht. Die Altanta Jazzband Köln war bereits zum vierten Mal dabei, weil sie ihre Qualität bewiesen hat. Mit Trompete, Posaune, Kontrabass und Saxophon zaubern sie klassischen Jazz mit Ragtime-, Dixieland- und Salsa-Elementen in die Lokschuppen-Akustik und erhalten immer wieder Szenenapplaus. Vereinzelt sind auch dem Laien bekannte Stücke dabei, etwa aus deutschen Fernsehshows.

Horst und Hannelore Keilpflug waren angenehm überrascht. „Wir haben die Karten geschenkt bekommen und sind zum ersten Mal hier“. Zum ersten Mal beim Jazzsommer, den Lokschuppen kannten sie natürlich. Dass der Hof hinter dem Lokschuppen geöffnet war und einen der schönsten Weingärten Hochdahls abgab, war neu. Hier verbrachten die Keilpflugs die Konzertpausen, und viele anderen nutzten das Grillangebot mit hausgemachten Salaten und Flammkuchen aus dem Restaurant „Olive“. „Der Jazzsommer ist eine Einrichtung, die man auf jeden Fall beibehalten sollte“, findet Horst Keilpflug; „allerdings ist Jazz offensichtlich nichts für junge Leute“. Macht nichts, dafür aber für alle anderen. Der Erfinder des Jazzsommers, Jacky Müller, konnte krankheitsbedingt in diesem Jahr übrigens nicht dabei sein. Er schickte seine Grüße an die Jazzgemeinde per Brief, den Bürgermeister Schultz vortrug.

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