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Chaos am Impfzentrum Erkrath - "Das ist doch kein Familienausflug"

Polizei mit Lautsprecherdurchsagen in Erkrath : Chaos rund ums Impfzentrum

Menschenmassen vor dem Impfzentrum in Erkrath sorgten an den vergangenen Tagen für erhitze Gemüter. Die Polizei zeigt nun vermehrt Präsenz – und erinnert per Lautsprecher-Durchsagen an den Mindestabstand.

Wirbel lösten in den vergangenen Tagen aus Sicht der Wartenden die langen Schlangen vorm Impfzentrum Erkrath aus. Offensichtlich aus Furcht, sich zu verspäten, fanden sich viele Impflinge verfrüht am Impfzentrum ein. Das Resultat waren Menschenansammlungen wie in unbetrübtesten Vor-Corona-Zeiten. Selbst die Polizei war mit vor Ort und machte per Lautsprecher Durchsagen, die Impflinge möchten doch bitte auch beim Warten in der Schlange auf Mindestabstände achten. Als „Corona-Party vorm Impfzentrum“ beschrieben manche den Zustand.

„Die Leute kommen weit vor der Verabredung“, erläutert Tanja Henkel aus dem Presseteam des Landrats die Situation. Mittwoch beispielsweise hatten sich bereits um 7.15 Uhr Trauben gebildet, „das Impfzentrum öffnet um 8 Uhr“. Ihr Appell: „Seien Sie bitte pünktlich, aber nicht überpünktlich“, notwendige Dokumente sollten die zu Impfenden bereit halten. Dass beim Warten auf die Corona-Schutzimpfung viele stundnenlang vor der Tür ausharren mussten, liegt aus ihrer Sicht oft im Verhalten der
Unvernünftigen.

Zu früh zu erscheinen bedeutet eine längere Wartezeit

 Vielleicht aus Furcht, nicht pünktlich zu sein, treffen viele zu Impfende überpünktlich am Impfzentrum ein.
Vielleicht aus Furcht, nicht pünktlich zu sein, treffen viele zu Impfende überpünktlich am Impfzentrum ein. Foto: Gabriele Glücks

„Im Impfzentrum des Kreises Mettmann werden aktuell täglich bis zu 2000 Bürger geimpft. Damit dies vor Ort nicht zu einem erhöhten Personenaufkommen führt, sollten sich Impflinge an ihren vorgegebenen Termin halten und frühestens eine halbe Stunde vorher am Impfzentrum erscheinen“, erklärt sie. Die Idee, weit vor der verabredeten Zeit vor Ort zu sein, bedeutet eben nicht, schnell seine Impfung zu erhalten, sondern auch entsprechend länger zu warten – zusammen mit anderen. Und damit auch die Abfolge letztlich durcheinander zu wirbeln. Dazu müssen sich die Bürger die Organisation vergegenwärtigen.

„Das Impfzentrum ist so angelegt, dass die Bürger zu ihrem Termin erscheinen und dann mit dem Verfahren begonnen wird. Schon aufgrund der aktuellen Infektionslage gibt es keinen großen Wartebereich“, erläutert der organisatorische Leiter des Impfzentrums, Mirko Braunheim.

Das bekamen in den vergangenen Tagen Impflinge deutlich zu spüren. Gabriele Glücks beispielsweise machte sich Mittwoch mit ihrer Mutter aus Monheim auf den Weg nach „Erkrath, landschaftlich schön gelegen, möglichst weit von der Autobahn weg“. Für 14 Uhr war ihre 87-jährige Mutter bestellt, „wir waren 30 Minuten vorher dort und sahen schon die Warteschlange“.

Auf Nachfrage bei drei verschiedenen Mitarbeitern des Ordnerpersonals sollten die beiden sich trotz Termins am Ende der Schlange anstellen, „geschätzte Wartezeit etwa zwei bis drei Stunden in der Sonne“, berichtet Gabriele Glücks. Aber nicht nur das Warten, sondern die Umstände drumherum regen momentan viele Impflinge plus Begleitpersonen auf.

„Alles schön eng hier, wenn man vorher kein Corona hatte, dann jetzt als Beigabe zur Impfung“, lauten die Kommentare. Weil sie sich nicht bei „dieser Corona-Party anstecken“ wollten, sind Mutter und Tochter unverrichteter Dinge wieder Richtung Monheim gefahren. „Den Termin haben wir nicht absagen können, wie auch?“

Das Anschreiben in den Begleitpapieren zur Impfung mit Bitte um Pünktlichkeit empfinden viele als „merkwürdigen Humor“. „So eine schlechte Organisation, dachten wir, kann es nicht geben, aber es wurde getoppt.“ Dabei, so berichtet Gabriele Glücks, wurde ihr das Prozedere vor Ort als „total entspannt“ beschrieben. Die Schwester ihrer Mutter hatte ein paar Tage zuvor ihren Termin realisiert, „da lief alles reibungslos“.

Auch Uta und Klaus Simon sind alles andere als positiv beeindruckt: „Bereits den zweiten Tag ist diese chaotische, den zumeist älteren Impfkandidaten unzumutbare Situation zu beobachten. Immense Wartezeiten, Autos parken wild am Straßenrand“, schildern die beiden Hochdahler.

Offensichtlich kein Einzelfall. Denn auch Günter Lenk aus Erkrath beschreibt: „Meine Frau hatte Mittwoch für 15.20 Uhr einen Termin beim Impfzentrum. Zuerst mussten wir feststellen, dass dort ein Parkchaos herrschte, was nur noch von zwei Menschenschlangen von etwa 200 Personen vor dem Eingang übertroffen wurde. Eine Vorwärtsbewegung war nicht erkennbar, Einweisung war ebenfalls nicht wahrnehmbar. Wir sind unverrichteter Dinge nach Hause gefahren. Der Zustand ist nicht nur für ältere Menschen unzumutbar.“

Viele fragen sich, ob das Chaos durch falsche Terminvergabe entstanden ist, „vielleicht sind einzelne Uhrzeiten überbucht worden?“, mutmaßt Gabriele Glücks. Aber eine andere Frage beschäftigt sie: „Wie kommen wir jetzt schnell an einen Termin zur Erstimpfung meiner Mutter?“

(Von Valeska von Dolega)