Bürger fordern freie Flächen

Bürger fordern freie Flächen

Initiative Zukunft für Unterfeldhaus kritisiert das Entwicklungskonzept für das gesamte Stadtgebiet.

Erkrath. Möglichst keinen weiteren Boden zu versiegeln, die Stadt allein durch Neubauten in Lücken und auf brachliegenden Flächen zu entwickeln — das ist die Vorgabe der Bürgerinitiative Zukunft für Unterfeldhaus (BZU). Im Ausschuss für Stadtentwicklung und Wirtschaftsförderung stellte die Initiative jetzt ihre Kritik am Stadtentwicklungskonzept für die kommenden 20 Jahre vor. Leitziele für die Stadt oder ein angestrebtes Szenario für die Entwicklung der Einwohnerzahl beschloss der Ausschuss wieder nicht.

Freie Fläche verbessere den Wasserkreislauf, die Reinigung der Luft, erläuterte Gabriele Noack von der Initiative: „Jede noch so kleine Fläche leistet ihren Beitrag. Das hat mit Einzelinteressen von Anwohnern nichts zu tun.“

Den Fragen zu Modellrechnungen, Zahlen und Annahmen stellten sich der vom Planungsbüro plan-lokal beauftragte Mathematiker Björn-Uwe Tovote und Kerstin Ströker vom Landesbetrieb Information und Technik (IT.NRW). Die Ergebnisse seien zum Teil sehr unterschiedlich, hatte für die BZU Karl von Hase angemerkt. „IT.NRW hat detailliertere Zahlen“, sagte Tovote.

Irritation löste von Hase aus, als er kommentarlos Papiere an die Ausschussmitglieder verteilte: eine E-Mail von Tovote an ihn. „Sie hätten ruhig vorher fragen können“, sagte der Mathematiker darauf und sammelte von Hases Unterlage wieder ein. „Ich wollte gegenüber plan-lokal ein Zeichen setzen“, erläuterte von Hase.

„Das ganze Konzept ist blanker Hohn“, hielt Günther Dyx (BZU) dem plan-lokal-Moderator Thomas Scholle entgegen: „Sie sagen nicht, was es kostet, oder was es bringt.“ Auf die Kosten werde plan-lokal am Ende des Prozesses eingehen, erwiderte Scholle. Er wiederholte, dass sein Büro noch kein Konzept vorgestellt habe: „Wir haben lediglich die Frage der Flächen relativ früh zur Diskussion gestellt.“

Ausschussmitglied Peter Knitsch (Grüne) schloss sich der Initiative an: „Ich glaube, dass sich die Prognose von IT.NRW bewahrheiten wird.“ Demnach würde die Einwohnerzahl Erkraths in den kommenden 20 Jahren kaum sinken. Für diesen Fall würde die plan-lokal-Analyse einen dreimal größeren Bedarf an neuen Bauflächen vorhersagen, als bisher diskutiert werde, antwortete Scholle.

Er sei überrascht, dass fast nur über Zahlen gesprochen werde, sagte Helmut Rohden (CDU): „Es hat sich herausgestellt, dass man bei der Stadtentwicklung gegensteuern muss. Das muss man ’mal zur Kenntnis nehmen.“

„Wir sollten uns nicht an wenigen Punkten festbeißen“, sagte Manfred Liepach (BmU). Bis es weitergeht, wird es indes noch dauern. Vor der Sitzung hatten sich die Fraktionen geeinigt, nichts zu beschließen. Detlef Ehlert (SPD) bat um Verständnis: Seine Fraktion könne diesmal nicht in voller Stärke an den Beratungen teilnehmen, deshalb habe man sich entschlossen, zu vertagen. Ende April soll es noch eine Stellungnahme des Bürgervereins Hochdahl geben.

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