Bündnis fordert fahrradfreundliche Politik

Bündnis fordert fahrradfreundliche Politik

Der ADFC Erkrath sammelte Unterschriften für ein Landesgesetz und codierte Fahrräder. Weitere Aktionen sollen folgen.

Erkrath. Wer sich auch schon mal über zu geparkte Straßen geärgert hat, weiß, dass es so nicht weitergehen kann. Seit dem Zweiten Weltkrieg ist der Wohlstand in Deutschland stetig gestiegen und viele Haushalte besitzen mittlerweile zwei oder mehr Autos. Das war lange politisch gewollt: In den 1950er Jahren waren Klimawandel und Verkehrskollaps noch lange nicht vorauszusehen; der Wiederaufbau der zerstörten Städte war ganz auf den automobilen Fortschritt zugeschnitten. Noch heute ist die Autoindustrie der wichtigste Wirtschaftszweig in Deutschland und mit dem Stichwort „Arbeitsplätze“ kann man jeden Kritiker mundtot machen.

Das Aktionsbündnis „Aufbruch Fahrrad“ will das ändern. Bis 2025 soll der Anteil des Fahrrades am Individualverkehr in NRW von heute acht auf dann mindestens 25 Prozent steigen.

Möglich machen soll dies ein Landesfahrradgesetz. Die Initiative ist seit dem 16. Juni dabei, Unterschriften zu sammeln um den Landtag zu zwingen, sich mit der Thematik zu befassen. Mit dem angestrebten Gesetz soll sich das Land NRW verpflichten, den Ausbau den Radverkehrs mit einer Reihe von Maßnahmen voranzutreiben. Dazu gehört der Bau von 1000 Kilometern Radschnellwegen und 300 Kilometern überregionalen Radwegen pro Jahr. Die Städte sollen mit mehr Radparkplätzen, E-Bike-Ladestationen und sicheren Schulwegen ihre Infrastruktur zum Vorteil der Radfahrer umbauen. Mit Imagekampagnen will die Initiative die Vorteile des Radfahrens für die Umwelt sowie die für eigene Gesundheit einer breiten Bevölkerung vermitteln.

Peter Martin, ADFC Erkrath

Federführend für das Aktionsbündnis, dem sich schon viele Verbände, Vereine und Initiativen angeschlossen haben, sind der Allgemeine Deutsche Fahrrad Club (ADFC) und der Verein „RadKomm“ aus Köln. Vorbild waren ähnliche Aktionen in Bayern und Berlin, andere Bundesländer folgten. Wenn nach Jahresfrist, also bis zum 16. Juni 2019, mindestens 66 000 Bürger unterschreiben, hat das Bündnis sein erstes Ziel erreicht und der Landtag muss die Forderungen diskutieren.

Die ADFC-Ortsgruppe Erkrath sammelte jetzt Unterschriften an ihrem Informations-Stand vor dem Bavier-Center. „Es geht darum, die Verkehrswende wirklich zu vollziehen“ sagt Vorsitzender Peter Martin. „Dazu brauchen wir ein Landesgesetz. Es reicht nicht, wenn sich nur lokale Akteure damit befassen.“ Um Menschen dazu zu bewegen, vom Auto aufs Rad umzusteigen, müssen langfristig auch andere Fragen gelöst werden. Elektro-Räder können dazu beitragen, dass Berufstätige das Rad als realistische Alternative für den Weg zur Arbeit erkennen.

Solche teuren E-Bikes, aber auch normale Trekking- und Tourenräder sollten dazu besser vor Diebstahl geschützt sein. In Kooperation mit der Polizei bietet der ADFC regelmäßig Fahrrad-Codierungen an. Wer einen Codierungsauftrag ausfüllt und Kaufnachweis sowie Personalausweis mitbringt, kann sich sein Rad dauerhaft mit einem Nagelgerät nummerieren lassen. Mit diesem Kennzeichen lassen sich gestohlene Räder ihrem Besitzer zuordnen und Diebe ein wenig eher abschrecken. Beim ADFC-Infostand im April haben 51 Radfahrer dieses Angebot genutzt und auch am Samstag war das Interesse wieder groß.

Die nächste Chance haben Interessierte wieder am Samstag, 15. September, ebenfalls wieder von 10 bis 14 Uhr vor dem Bavier Center in Alt-Erkrath.

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