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„Abfallberatung hat versagt“

„Abfallberatung hat versagt“

CDU-Politiker vergleicht die Situation in Erkrath mit der von Neapel während des Streiks.

Erkrath. Spricht Marc Hildebrand von Neapel, geht es nicht um Burger, Schlösser und Camorra. Das CDU-Ratsmitglied denkt in Verbindung mit der drittgrößten Stadt Italiens an Ratten. Nager, die angelockt vom wochenlang nicht abgefahrenen Müll ein Festmahl nach dem anderen feiern.

Und das nicht etwa im südlichen Teil Europas, sondern in Erkrath. „Wer als Ortsunkundiger nach Erkrath kommt, fühlt sich an die Fernsehbilder aus dem vergangenen Jahr erinnert, welche vom Streik der Müllabfuhr in Neapel berichteten. Überall im Ortsgebiet stehen an geräumten Straßen blaue, braune, gelbe und Restmülltonnen herum. Diese laufen selbstverständlich über und die Ratten freuen sich“, kommentiert Hildebrand seine Sicht des Mülls. Die Leistungsbewertung der Verwaltung fällt entsprechend düster aus: „Die Abfallberatung der Stadt Erkrath und ihr Team haben vollkommen versagt.“

Die Leiterin der Kämmerei, Gerritje Dornau, beschränkt sich zunächst auf eine Replik in ihrer rheinischen Art: „Das ist völliger Unsinn.“ Sie kann aber auch dezidierter: „Von Ratten ist mir nichts bekannt. Katzen und Dolen reißen schon mal gelbe Säcke auf.“ Grundsätzlich gelte die Regel, dass in Tagen von Eis und Schnee der Entsorger Veolia vorrangig Restmülltonnen abzufahren haben. „Und das geschieht auch im Rahmen des Möglichen.“

Nicht zu erfüllen sei jedoch der Auftrag an Veolia, in nicht geräumten Straßen zu leeren. Dornau: „Dazu gehören all die Straßen, die nicht von der Stadt geräumt werden, sondern sich in der Pflicht der Anlieger befinden. Beschlossen haben das übrigens die Ratsmitglieder.“ Wenn ein größerer Service gewünscht werde, „dann wird das auch entsprechend teuer“, sagt Dornau.

Sie habe kein Verständnis für Bürger, die bei der Stadt anriefen, sich wortreich über mangelnde Räumleistung beschwerten, „aber gerade einmal 18 Euro im Jahr an Straßenreinigungsgebühr bezahlen. Dafür kann ich nicht mal eine halbe Stunde lang jemanden beschäftigen.“

Punkten kann CDU-Mann Hildebrand bei Dornau auch nicht mit dem Hinweis auf die „katastrophale Situation an den Standorten der Glascontainer“. Die seien seit drei Wochen nicht geleert worden. Dornau: „Dafür sind wir gar nicht zuständig. Das erledigt die Firma Awista, weil das Teil des Dualen Systems ist.“ Auftraggeber sei der Kreis Mettmann.

In die Kritik ist die Stadt auch mit ihrer lapidaren Ankündigung geraten, die Salzvorräte seien erschöpft, die Bürger würden um Verständnis gebeten. Den Verdacht, da habe jemand vergessen, rechtzeitig den Bestellschein abzuschicken, verneint Ralf Kentgens vom Tiefbauamt jedoch: „Wir haben vor mehreren Wochen Salz bestellt.“ Es werde nur nicht geliefert.

Im Lager am Klinkerweg ist der Salzberg von stattlichen 400 Tonnen zu Beginn der Schneefälle auf magere 20 Tonnen geschrumpft. Kentgens: „Das reicht nur aus, um bei Blitzeis die Hauptverkehrsstraßen zu streuen.“ Er hoffe jedoch, dass in der kommenden Woche die Bestellung über 200 Tonnen geliefert wird.