110 Pakete für ein schönes Fest

110 Pakete für ein schönes Fest

Die Tafel konnte jetzt die Spenden der Erkrather Bürger an Bedürftige verteilen.

Erkrath. An Weihnachten feiern Christen die Geburt Jesu von Nazareth vor etwas mehr als 2000 Jahren. Für viele Menschen ist es nicht nur die Zeit der Besinnlichkeit, des Friedens und der Familie, sondern auch die Zeit des Konsums und der Schlemmerei. Einzel- und Online-Versandhandel machen in der Weihnachtszeit die größten Umsätze des Jahres, und in den Familien wird an den Feiertagen festlich gekocht, von der Weihnachtsgans bis hin zum Wildschweinbraten.

Doch nicht alle können sich so etwas leisten. Allein in Erkrath leben etwa 4200 bedürftige Mitbürger (davon rund 1500 Kinder und Jugendliche), die Kunden der Tafel sind. Ob Senioren mit viel zu kleiner Rente oder Großfamilien mit acht Kindern und Migrationshintergrund, sie alle kommen zweimal pro Woche zur Ausgabestelle an der Schmiedestraße, um das zu nehmen, was für andere nicht mehr gut genug scheint. Nicht, weil es verdorben ist, sondern weil es den Ansprüchen der Supermärkte nicht mehr genügt.

Für diese Menschen führt die Erkrather Tafel seit 2007 eine besondere Weihnachtsaktion durch: Jene, denen es an nichts mangelt, sind aufgerufen, Pakete zu packen. Ob Schuhkarton oder eine Nummer größer, der Spender befüllt das Paket mit Leckereien aller Art, die den Bedürftigen das Weihnachtsfest versüßen sollen.

Am vergangenen Freitag sollten die Pakete abgegeben werden. Über 110 Pakete sind zusammengekommen, von denen jedes groß genug ist für eine Familie oder sogar eine Großfamilie. Jeder Spender entscheidet selbst, wie viel er einkaufen möchte und schreibt die Zahl der Empfängerpersonen auf das Paket. Erlaubt sind alle ungekühlt haltbaren Speisen wie Nudeln, Saucen, Öl, Kekse und andere Süßigkeiten. Zu Weihnachten besonders beliebt sind natürlich Schoko-Weihnachtsmänner. Nicht erlaubt hingegen sind Tabak und Alkohol.

Am Montag war Ausgabetag. Beate Wirth, Vize-Vorsitzende der Tafel, rechnete aus Erfahrung mit etwa 350 bis 400 Abholern, die mehr als 1000 Menschen versorgen. Es sind nicht nur Stammkunden der Tafel. Es kommen an Weihnachten noch weitere Empfänger dazu, die sich lediglich mit einem Bescheid von der Arbeitsagentur als bedürftig ausweisen müssen. Das kann auch der Asylbewerber im Wartestand sein, oder der Student, der Bafög bezieht.

Die Tische im Rathaus waren reichlich gedeckt mit allerlei bunten Päckchen in Kartons und Geschenktüten. Ein Spender meinte es besonders gut und verpackte alles in einen Weidenkorb, der gleich mitgeschenkt wurde. Doch bis 11 Uhr war noch kaum ein Paket abgeholt. Anders als in den Vorjahren, wo sich lange Schlangen vor der Ausgabe bildeten, hatten diesmal nur einige Großfamilien die größten Pakete abgeholt.

Doch nichts kommt weg: Was übrig blieb, wurde am Nachmittag im Gymnasium ausgeteilt, und was danach übrig blieb, kommt in die reguläre Ausgabe der Tafel. Denn Weihnachten ist für alle da.

Mehr von Westdeutsche Zeitung