Erkrath: Grüne pflegen ihre Traditionen

Erkrath: Grüne pflegen ihre Traditionen

Wahlhilfe: Das Wahlprogramm der Bündnisgrünen vermittelt Berechenbarkeit – und hält einige Überraschungen bereit.

Erkrath. Mit der Gestaltung ihres Wahlprogramms haben sich die Grünen schon mal die Bestnote verdient. Inhaltsverzeichnis, klare Strukturen, Layout statt wüstem Fließsatz und in Heftform geklammerte 40 Seiten - dieses Programm soll tatsächlich gelesen werden.

Wer sich dieser Aufgabe stellt, lernt schnell die Prioritäten der Partei kennen: Umwelt und Klimaschutz stehen thematisch ganz weit vorne, Ziele zur Bildungs- und Kulturpolitik kommen zum Schluss. Kaum mehr als Alibifunktion erfüllen die 26 Zeilen zum Thema Wirtschaftsförderung.

Besser ganz verzichtet hätten die Grünen auf Halbwahrheiten wie die Behauptung, die einzige Partei zu sein, die sich auf allen Ebenen gegen die CO-Pipeline ausspricht. 2004 waren im Landtag auch die Grünen von der Idee einer quer durch Europa verlegten Propylen-Leitung mächtig begeistert.

Derart sensibilisiert, erfolgt die Annäherung an weitere Aussagen mit Vorsicht. Aber Entwarnung - die Grünen bewegen sich im berechenbaren Rahmen: Dass Erkrath mittelfristig seinen Strom zu 100 Prozent selbst produzieren soll, überrascht ebenso wenig wie der Verzicht auf weitere Gewerbegebiete und mehr Geld für Spielplätze. Und auch die jährlich wiederholte Forderung, Küchenkräfte für die städtischen Kitas einzusetzen, fehlt nicht.

Wirklich interessant und teilweise neu sind die Beiträge für den Sport- und Kulturbereich: So soll im Toni-Turek-Stadion endlich eine Kunststofflaufbahn angelegt werden. Für die Grünstraße fordert die Partei ein zusätzliches Spielfeld - verschweigt allerdings, dass Grünen-Chef Peter Knitsch Vorsitzender des dort spielenden SC Rhenania ist. Die Jugendarbeit soll die Errichtung eines Jugendkulturzentrums nach Vorbild des Monheimer Sojus beleben.

Wer Musik bestellt, muss sie bezahlen. Diese Notwendigkeit lassen die Grünen nicht außer Acht: Gelder für ihre Projekte sollen unter anderem durch den Verzicht auf die "Luxussanierung" des Hochdahler Marktes bereitgestellt werden.

Mehr von Westdeutsche Zeitung