Der Kreis wechselt die Farbe: Rot macht souverän das Rennen

Der Kreis wechselt die Farbe: Rot macht souverän das Rennen

Nur noch ein CDU-Politiker aus dem Kreis zieht ins Parlament ein. Für die FDP macht Dirk Wedel das Rennen.

Kreis Mettmann. Der Kreis ist gekippt: Die SPD holt bei der Landtagswahl alle vier Direktmandate: Elisabeth Müller-Witt, Manfred Krick, Jens Geyer und Volker Münchow ziehen direkt in den Landtag ein. Mit Wilhelm Droste (CDU) und Dirk Wedel (FDP) ist der Kreis Mettmann mit zwei weiteren Politikern in Düsseldorf vertreten.

Das Kreis-Wahlstudio in der sechsten Etage des Kreishauses in Mettmann füllt sich nur langsam. Prognosen und die ersten Hochrechnungen werden nur am Rande wahrgenommen. Mehr interessiert das rustikale Küchen-Angebot: Frikadellen, Brühwürstchen, Kartoffelsalat. Auf Facebook haben die Kontrahenten des Wahlkreises 39 — Volker Münchow (SPD) und Marc Ratajczak (CDU) — erste Kommentare gepostet. Der Sozialdemokrat jubelt aus Düsseldorf ins weltweite Netz, dem Christdemokrat schwant Böses.

18.40 Uhr: Eine strahlende Elisabeth Müller-Witt (SPD). „Wir haben geackert und wurden dafür jetzt belohnt. Das ist der eindeutige Beweis, dass Hannelore Kraft gute Arbeit geleitet hat und viele Wähler von Röttgen frustriert waren.“

Bundestagsabgeordneter Peter Beyer (CDU) wirkt erstarrt. „Wir sind mit unseren Themen nicht durchgedrungen“, sagt er mit monotoner Stimme. „Jetzt müssen wir erst einmal analysieren.“ Klarer fällt die erste Einschätzung von CDU-Kreistagsmitglied Wolfgang Diedrich aus. „Happig. Damit muss man erst einmal zurecht kommen.“ Und dass er mit dem Wahlkampf seiner Partei nicht glücklich war, macht dieses Zitat mit Blick auf die Currywurst-Plakate der SPD deutlich: „Manche Leute haben nicht kapiert, dass eine Currywurst in NRW eine Delikatesse ist.“

Er wirkt gefasst, „innerlich ist mir aber elend zumute“, sagt Marc Ratajczak (CDU), dessen Zeit im Landtag abgelaufen ist. „Man hofft immer, dass die Leute zwischen Erst- und Zweitsimme unterscheiden.“ Er sieht ganz klar einen „Röttgen-Effekt“. Die CDU habe nicht wegen der Inhalte verloren. Er habe immer gedacht, Röttgen sei ein kluger Kopf. „Aber im Wahlkampf musste man das Gefühl bekommen, dass die Strategie fehlt.“

Sein Widersacher Volker Münchow (SPD) strahlt, als er um 19.20 Uhr im Kreishaus eintrifft. „Ich bin durch. Der Vorsprung in Velbert ist zu groß. Den kann ich nicht mehr verlieren.“ Er sei froh, erleichtert „und wirklich glücklich.“

Die Stimmung unter den Sozialdemokraten wird mit jedem Zwischenergebnis besser. Sie liegen sich in den Armen. Gruppenfotos an einem denkwürdigen Abend. Die Mienen bei der CDU werden immer finsterer.

Wilhelm Droste istgar nicht erst im Kreishaus erschienen. Er wolle in diesen bitteren Stunden bei seinen Parteifreunden sein. „Das ist für die CDU in NRW die Stunde Null, da gibt es nichts zu beschönigen“, sagt er. Dass er der SPD-Kandidatin Müller-Witt bei den Direkmandanten unterliegt, will er nicht überbewerten. Muss er auch nicht, weil er über die Liste abgesichert ist und so in den Landtag einziehen wird.

Gabriel Heinzmann, Direktkandidat der Piraten für den Wahlkreis Ratingen-Heiligenhaus, wertet das Ergebnis als Erfolg: „Wir sind glücklich. Zwar haben wir nicht so viel geholt wie vorhergesagt, aber das Ergebnis kann sich sehen lassen.“

Landrat Thomas Hendele (CDU) bezeichnet das Ergebnis als „desaströs“. Dass Röttgen die alleinige Schuld an dem miesen Abschneiden der CDU tragen soll, lässt er nicht gelten. „Auf eine Person rumzuhaken, ist zu einfach. Viel wichtiger ist es, sich die Themen anzuschauen. Mit ihnen konnten wir die Menschen in NRW nicht erreichen.“

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