Beim Ja-Wort darf es rocken

Beim Ja-Wort darf es rocken

In den heimischen Gemeinden gibt es kein Popmusik-Verbot für die Zermonie.

Kreis Mettmann. Es sollte der schönste Tag ihres Lebens sein. Untermalt von dem Song, der ihre Beziehung bereits seit Jahren begleitet. Doch nachdem ein Hochzeitspaar aus dem oberpfälzischen Pressath während seiner Trauung Michael Jacksons "I’ll be there" spielen ließ, hatte der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller endgültig genug und verhängte ein Popmusik-Verbot für sein Bistum. Doch ist die Aufregung berechtigt? Und wie handhaben das die heimischen Geistlichen? Die WZ hat sich umgehört.

In einem sind sich die befragten Geistlichen zwischen Ratingen und Langenfeld einig: Der Tag, und damit auch die Trauung an sich, gehört dem Hochzeitspaar. Also sollte er auch so gestaltet werden, wie es sich das Paar wünscht. Zwar schränkt Andreas Büthe, Kaplan in der St. Lambertus-Pfarrei in Mettmann ein, "dass die Musik schon dem liturgischen Anlass entsprechen sollte", allerdings gehe auch er sehr großzügig mit dieser Vorgabe um: "Ich habe noch nie einen Liedvorschlag abgelehnt."

Ähnlich sieht das der evangelische Pfarrer Michael Diezun der Kirchengemeinde Lintorf-Angermund. Auch Diezun sprach bislang keine Verbote aus, "hin und wieder rate ich aber von manchen Songs ab". So versuche er beispielsweise bei Beerdigungen bestimmte Lieder wie "As time goes by" zu vermeiden, "weil manche Trauergäste dann völlig von ihren Emotionen übermannt werden".

In Punkto Hochzeitsmusik habe er aber eine ganz einfach Regel: "Für mich gibt es nur gute und schlechte Musik - ganz gleich welcher Stilrichtung. Und ehrlich gesagt, gibt es auch in unserem Gesangbuch schlechte Lieder." So lange es dem Brautpaar gefällt, und es in den kirchlichen Rahmen passt, dürfen in der evangelischen Kirchengemeinde Linnep in Breitscheid sogar eigene Musiker samt ihrer Instrumente mitgebracht werden. Zwar würden sich die meisten Paare ohnehin für die klassische Orgel entscheiden, theoretisch könnten Freunde oder Bekannte der Hochzeitsgesellschaft aber auch mit Gitarre oder gar Dudelsack aufspielen.

"Wem selbst gar nichts einfällt, den beraten wir gern vorher im Traugespräch. Auch unsere Kirchenmusiker haben immer Ideen und Anregungen", sagt Gerhard Dulla, der selbst auch überhaupt kein Problem mit etwas moderneren Stücken hat: "Vieles, was wir heute für klassisch halten, ist gar nicht so alt oder war in der Vergangenheit selbst als zu neumodisch verschrien. Deshalb sehen wir das ganze Thema sehr locker. Wer etwas mitbringen will, soll das tun."

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