Baggern für den Radweg

Baggern für den Radweg

Alleenradweg: Nachdem das Land die Finanzen bereit gestellt hat, geht es mit dem Umbau der Bahntrasse zuerst in Heiligenhaus los.

Kreis Mettmann. Dort, wo früher zwischen Heiligenhaus und Wülfrath die Waggons der Eisenbahn über die Schienen ratterten, hat sich die Natur die Trasse zurückerobert. Der Schotter und die alten Gleise sind zum Teil völlig unter dem Bewuchs von Büschen und Sträuchern verschwunden. Doch schon bald sollen Radfahrer beschwingt in die Pedalen treten und Fußgänger wandern können - das Projekt Allenradweg schafft neue Wege für die Beweglichkeit und erhält für die Zukunft die Möglichkeit, auf alten Trassen neue Züge fahren zu lassen. Und dass muss nicht die Circle Line sein.

Es geht um insgesamt 25 Kilometer, die zu einem asphaltierten Radweg ausgebaut werden sollen. Den Startschuss hat die Stadt Heiligenhaus als erste schon gegeben, indem sie das acht Kilometer lange Teilstück auf ihrem Stadtgebiet für 3,8 Millionen Euro von der Bahn kaufte. Rund 2,8 Millionen Euro kommen im Rahmen des Alleenradwege-Projektes vom Land NRW dazu.

Während Heiligenhaus und Velbert den zu erwartenden Eigenanteil in Höhe von 949000 Euro (Heiligenhaus) und 1,1 Millionen Euro (Velbert) bereitstellen können, hat Wülfrath im Moment zu wenig Geld in der Stadtkasse, um die rund 420 000 Euro aufbringen zu können. Hilfe kommt daher vom Kreis Mettmann, der die Trasse erwerben wird. "Es ist jetzt eben ein interkommunales Projekt geworden", sagt Harald Flügge, Technischer Dezernent der Stadt Heiligenhaus. Dazu zählen der Naturschutz, die zukünftige Gestaltung und die touristische Vermarktung. Eine erste Vision davon, wie der Alleenradweg aussehen könnte, hat das Essener Büro Davids, Terfrüchte & Partner bereits entworfen. Die Landschaftsarchitekten wurden von der BEG beauftragt. "Wir wollen nicht, dass man an dem Belag des Weges erkennt, wo die Stadtgrenzen verlaufen", so Friedhelm Reusch, Leiter des kreiseigenen Regiebetriebes Gebäude und Straßen.

Und während die Stadt Velbert und der Kreis mit der Bahnflächenentwicklungsgesellschaft (BEG NRW) über den Kauf der Strecken verhandeln, fängt Heiligenhaus schon einmal mit dem Rückbau der Gleise an. Meter für Meter arbeitet sich an der Bahnhofstraße eine Fachfirma auf den zugewachsenen Gleisen vor. Kleiner Nebeneffekt: Da Heiligenhaus die Trasse samt Gleise gekauft hat, kann sie das Altmetall jetzt verkaufen. Bei den aktuellen Preisen fließen so rund 30000 Euro in die Stadtkasse.

Einen ersten Eindruck, wie der Alleenradweg einmal aussehen wird, konnten sich Besucher bereits im Juni machen, als die restaurierte und denkmalgeschützte Brücke an der Ruhrstraße wieder eröffnet wurde. Das Eisenbahnviadukt in 22 Metern Höhe, das seit 1990 unter Denkmalschutz steht, war fast 50 Jahre lang geschlossen gewesen. Bei der Sanierung erhielt das Viadukt aus den 20er Jahren ein neues Sicherheitsgeländer.

Für die fehlende Brücke an der Bahnhofstraße haben sich die Heiligenhauser einen billigeren Clou ausgedacht: Ein ausrangierter Güterwaggon soll auf die noch vorhandenen Brücken-Widerlager links und rechts der Bahnhofstraße gesetzt werden. Das Projekt als "Kunst als Bau" ist im Förderantrag für den Heiligenhauser Streckenabschnitt schon enthalten.

Der Heiligenhauser Bürgermeister Jan Heinisch sprach auch aus, was sowohl Circle-Line-Befürworter als auch Politiker der drei Städte denken: "Die Reaktivierung der Bahnstrecke für den öffentlichen Schienenverkehr als so genannte Circle Line ist langfristig wichtig und durch den Erwerb der Trasse gesichert."

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