Arzt und Erkrather Studentin forschen auf dem Dach der Welt

Arzt und Erkrather Studentin forschen auf dem Dach der Welt

Medizin: Im Himalaya wollen Nina Bartz und ihre Kommilitonen ergründen, wie der Körper auf Höhe reagiert. Geleitet wird die Exkursion von Dr. Thomas Küpper.

Kreis Mettmann. Auf die 24 Jahre alte Medizinstudentin Nina Bartz aus Erkrath wartet ein großes Abenteuer. Sie wird zusammen mit neun Aachener Medizinstudenten unter Leitung von Dr. Thomas Küpper am Montag zu einer fünfwöchigen wissenschaftlichen Expedition in den Himalaya aufbrechen. Von Frankfurt fliegt das Team über Indien nach Kathmandu. Und von dort mit einer kleinen Maschine weiter nach Lukla. Dann geht es zu Fuß weiter — mit einer viertel Tonne medizinischem Gerät im Gepäck. Nach fünf bis sechs Tagen Fußmarsch wird das Expeditionsteam ein Basislager aufschlagen — am Fuße der höchsten Berge der Welt.

Nina Bartz und ihre Kommilitonen werden reise- und höhenmedizinische Untersuchungen auf dem Dach der Welt durchführen. Dafür wird die Erkratherin auf den 6200 Meter hohen Gipfel des Island Peak klettern. „Zuletzt geht’s da nur noch auf Eis hoch, mit Eispickel und Steigeisen“, sagt Dr. Küpper.

Für den Facharzt (Arbeits-, Sport-, Berg- und Reisemedizin) ist es die vierte Reise nach Nepal. 2008 hatte Dr. Küpper, der in Mettmann aufgewachsen und dort am Heinrich-Heine-Gymnasium Abitur machte, erstmals Aachener Medizinstudenten in die Annapurna-Region geführt. „Daraus sind hervorragende Dissertationen entstanden, deren Ergebnisse international Anerkennung gefunden haben“, sagt der Mediziner. Die Ergebnisse der Expedition wurden mit dem „Research Award 2009“ ausgezeichnet, der von der International Society for Travel Medicine (Internationale Gesellschaft für Reisemedizin) verliehen wird.

Das wissenschaftliche Programm umfasst unter anderem akute Erkrankungen und Erste Hilfe beim Trekking, Trinkwasserhygiene sowie Herz-Kreislauf-Belastungen in der Höhe. Nina Bartz will die Druckverhältnisse im Lungenkreislauf und das Sauerstoffverhalten von Wanderern beim Aufstieg unter Belastung untersuchen. Die Ergebnisse ihrer Forschungsarbeit wird sie später in ihrer Doktorarbeit verarbeiten.

„Die meisten medizinischen Daten fürs Trekking sind am grünen Tisch gesammelt worden“, sagt Dr. Küpper. Deshalb wird sein Team auch untersuchen, ob der Ratschlag, in großen Höhen mit erhöhtem Oberkörper zu schlafen, hilft, um Höhenkrankheiten vorzubeugen.

Nina Bartz und Dr. Küpper wollen außerdem eine Kooperation zwischen einer kleinen Klinik im Khumbugebiet, die von Edmund Hillary gegründet wurde, und der Aachener Hochschule initiieren. „Wir wollen versuchen, von Aachen aus die Klinik weiter zu unterstützen“, sagt die Medizinstudentin, die bereits 2007 ein Praktikum in einem Krankenhaus in Kathmandu gemacht hat. Für sie sei es damals sehr spannend gewesen, zu erleben, „wie viel man auch ohne große technische Möglichkeiten machen kann“. „Das klassische Handwerk spielt dort noch ein ganz andere Rolle“, sagt Dr. Küpper.

Die Mediziner wollen aber nicht nur auf den Trekking-Routen in der Annapurna-Region Touristen durchchecken und untersuchen, sondern auch nach Ursachen typischer Krankheiten bei der einheimischen Bevölkerung forschen. Dr. Küpper: „Unter anderem wollen wir die Trinkwasserqualität untersuchen.“

Neben dem vielen medizinischen Equipment bleibt für die persönliche Ausstattung der Expeditionsteilnehmer nicht viel Platz. „Ein Teil zum Anziehen, ein Teil zum Wechseln“, sagt Nina Bartz. Das muss reichen. Jedes Stück mehr an Gepäck bedeutet jenseits von 4000 Metern Höhe aber auch nur unnötige Belastung, sagt die 24-Jährige. Aber nicht nur für die Expeditionsteilnehmer, sondern auch für das technische Gerät wird die Höhe zu einer ganz besonderen Herausforderung. Dr. Küpper: „Es kann passieren, dass sich die Festplatten unserer Laptops im Gehäuse verziehen. Deshalb müssen wir die Rechner mit speziellen Vorrichtungen versehen.“

Mehr von Westdeutsche Zeitung