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Krefelder Stadtfest: Fast so schön wie vor Corona

Stadtfest : Fast so schön wie vor Corona

Mit „Krefeld Schaufenster Pur“ haben örtliche Händler einen Schritt aus dem Krisen-Modus gewagt – Begegnungen in einer beglückten Stadt.

Da tanzen sie nun, die Mädchen der City Dance School. Vor dem Schwanenmarkt führen sie ihre Choreografie auf. Aus den Boxen dröhnt der Bass und die Sonne scheint. „Wir freuen uns, dass Krefeld wiederaufleben kann“, ruft der Moderator der Show ins Mikrofon. Es fühlt sich fast so an, als wäre „Krefeld Schaufenster Pur“ ein normales Stadtfest, wären da nicht die Masken. Der tanzende Nachwuchs trägt sie und das Publikum auf der Straße auch. Es ist ein Fest unter Corona-Bedingungen – und ein verdammt wichtiges für Krefelder Händler und Künstler.

Werbegemeinschafts-Chef
Borgmann: „Wir sind zufrieden“

Mit Kunst im Schaufenster, Mode-Präsentationen, Performances und einem verkaufsoffenen Sonntag wollte die Werbegemeinschaft am Wochenende einen Schritt ’raus aus dem Krisen-Modus wagen. „Einen kleinen Gang in die Normalität“ hatte sich der Chef der Werbegemeinschaft, Christoph Borgmann, im Vorfeld gewünscht. Letztlich freut er sich über zwei Tage mit einer gut besuchten Innenstadt, in der unter weitgehender Einhaltung der Corona-Regeln viele Menschen unterwegs waren. „Wir sind zufrieden“, sagt Borgmann. Natürlich könne man das Wochenende nicht mit Aktionen vor Corona vergleichen. Doch insgesamt könne man nicht meckern.

Dass es auch mit dem Sonntag klappt, stand noch zu Beginn des Wochenendes auf der Kippe. Die Gewerkschaft Verdi wollte den verkaufsoffenen Tag gerichtlich stoppen. Mit einer nachgebesserten Begründung der Stadt für die Sonntagsöffnung konnte doch alles wie geplant stattfinden – eine Erleichterung für die Organisatoren. Ein bisschen gestört habe die Unsicherheit schon, sagt Borgmann. Er sei aber dankbar, dass die Stadt sich noch für den Sonntag eingesetzt habe. Am Samstag habe, so die Stadt, die Leiterin des Rechtsamtes noch einmal mit dem Gerichtssprecher telefoniert, weil am Freitag keine Entscheidung über die zweite Klage von Verdi auf den Dringlichkeitsbeschluss der Stadt gefallen war. Dabei sei vom Sprecher die Ampel auf grün gestellt worden für den verkaufsoffenen Sonntag.

 Groß und klein, wie die beiden Clowns im Schwanenmarkt, haben Spaß.
Groß und klein, wie die beiden Clowns im Schwanenmarkt, haben Spaß. Foto: Jochmann, Dirk (dj)

Statt große Modeschauen lebendige Schaufensterpuppen

Besonders bunt ist das Treiben an beiden Tagen am und im Schwanenmarkt. Clowns, Artisten und Musiker ziehen zwischen den Geschäften umher. Margarita Wolf vom Management des Centers koordiniert die Auftritte. „Es ist schön zu sehen, dass es wieder vorwärts geht“, sagt sie. Wegen Corona mussten sie und ihre Kollegen Aktionen anders planen als üblich. Große Modeschauen sind etwa nicht möglich. Dafür sind lebendige Schaufensterpuppen im Einsatz. Eine von ihnen ist Model Karo. Im schwarzen Kleid steht sie mit angewinkelten Armen und pinker Perücke vor dem Schaufenster eines Süßigkeiten-Geschäfts. Ganz starr hält sie ihre Position. „Das machen wir immer 15 Minuten“, sagt Karo hinterher. „Die meisten von uns sind Tänzer. Deshalb haben wir ein Gefühl, wie man die Spannung hält.“ Die Nicht-Tänzer unter den Passanten staunen.

Auch außerhalb des Schwanenmarkts gibt es ungewöhnliche Eindrücke. Viele Schaufenster sind zur Galerie der Krefelder Künstlerszene geworden. Bei Lechner und Hayn an der Rheinstraße stehen Zeichnungen zwischen dem Schreibwarenangebot. Anderswo gibt es Fotografien und Skulpturen. Immer wieder bleiben Passanten für einen kurzen Blick stehen – und treffen manchmal die lokalen Künstler, die ihre Werke ausstellen.

Gabriele Leigraf sitzt sogar mit ihrer Staffelei vor dem Modegeschäft Kigili. Zwei Herren schauen ihr über die Schulter, während sie Krefelds ikonischen Seidenweber malt. Das passe doch zu einem Modegeschäft, findet Leigraf. Neben ihr steht ein Tisch mit Pinseln, Farben und Wasser – ein ganzes Atelier brauche sie nicht. „Kunst hat man in sich. Die kommt ’raus, egal wo.“ Leigraf freut sich über den Austausch mit dem Publikum – und winkt gleich wieder einem Bekannten auf der anderen Straßenseite. Kurz schaut Filialleiterin Eda Orhanoglu bei „ihrer“ Künstlerin vor der Tür vorbei. „Kunst trifft Mode. Das ist eine tolle Zusammensetzung“, findet die Geschäftsfrau. Trotz aller Freude sind Corona und die Folgen auch hier Thema. „Ich hoffe, dass jetzt auch wieder an die bildenden Künstler gedacht wird“, sagt Leigraf. Das Wochenende soll helfen, die Kreativen wieder mehr in den Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit zu rücken.

Passantin Ulrike Stermsek: „Ich habe diese Wochenenden geliebt“

Wer die Königstraße weiter herunter schlendert und zum Behnisch-Haus abbiegt, erlebt eine weitere Attraktion. Alexander Werner hat sich eine Modenschau, konform der Corona-Regeln, ausgedacht. Gegenüber seines Modegeschäfts an der Marktstraße hat er etliche Schaufensterpuppen aufgestellt und eingekleidet. Werner steht mit seiner Pausen-Bratwurst zwischen den stummen Models. „So etwas haben wir noch nie gemacht“, sagt er. Es sei wichtig, Mode auszustellen und weiter im Gespräch zu bleiben. Die Freiluft-Puppen seien da eine gute Lösung.

 Die Gruppe der City Dance School Krefeld tanzt im Areal von Schwanenmarkt und der Alten Kirche.
Die Gruppe der City Dance School Krefeld tanzt im Areal von Schwanenmarkt und der Alten Kirche. Foto: Jochmann, Dirk (dj)

Prompt hat die Installation schon wieder die Aufmerksamkeit einer Passantin. Ulrike Stermsek bummelt mit ihrer Einkaufstüte vorbei. Sie wohnt gleich nebenan am Ostwall und ist froh, dass das Leben in ihre Stadt zurückkehrt. „Ich habe diese Wochenenden immer geliebt“, sagt sie. „Jetzt ist jeder froh, dass in Krefeld wieder etwas passiert.“ Und das Wetter spiele auch noch mit. Stermsek lächelt, und die Sonne scheint ihr ins Gesicht. Wieder mal fühlt es sich an wie ein völlig normales Festwochenende – wäre da nicht die Maske, die Stermsek griffbereit hat.