Zusammenschluss: Die Geschichte von Uerdingen und Krefeld

Zusammenschluss: Die Geschichte von Uerdingen und Krefeld

Heute erinnert nur noch wenig an den Zusammenschluss von Uerdingen und Krefeld. Das Krefelder Archiv erzählt die ganze Geschichte.

Krefeld. Im Jahre 1255 erhielt Uerdingen am Rhein seine Stadtrechte. Stolze 118 Jahre früher als das benachbarte "Crefeld". Im nächsten Jahr hätte Uerdingen sein 750-jähriges Bestehen als Stadt feiern können. Hätte denn vor nunmehr 75 Jahren begann der Anfang vom Ende der Selbständigkeit der Rheinstadt. Das schmerzt bis heute viele Uerdinger. Die kommunale Neuordnung am mittleren Niederrhein begann Mitte der 1920er Jahre. Der preußische Innenminister beauftragte im Dezember 1927 den Regierungspräsidenten von Düsseldorf, die Vorarbeiten für eine kommunale Neugliederung in Angriff zu nehmen. Zu diesem Zeitpunkt existierten fünf Landkreise, die in einem, wie es in den Akten hieß, Nordund einem Südkreis aufgehen sollten. Krefeld sollten die Landkreise Kempen und Uerdingen zugeschlagen werden. In der Seidenstadt reagierte man umgehend und forderte für die Größe Krefelds eine entsprechende Rheinfront. "Das Wichtigste ist für die Stadt Uerdingen die Erhaltung ihrer Selbstverwaltung und ihrer unangetasteten Selbständigkeit", heißt es 1927 in einer Entschließung der Stadtverordnetenversammlung Uerdingen. Die Lösung sollte ein Zweckverband zwischen Krefeld und Uerdingen sein. Unter einem Dach sollte die Rheinstadt ihre Autonomie weitestgehend beibehalten dürfen zumindest für einen Zeitraum von 15 bis 30 Jahren. Krefeld-Uerdingen am Rhein sollte das Stadtgebilde künftig heißen. Die Uerdinger bestanden trotz Bedenken der Reichspost und Reichsbahn auf den Doppelnamen. Das Unternehmen der Neugliederung lief an. Der Vertrag zwischen den Städten war umfangreich und sollte 1949 auslaufen. Die Verfassung der Stadt Krefeld-Uerdingen wurde darin genauso fixiert, wie eine Wahlordnung oder das Kommunale Programm mit Uerdinger Forderungen. Ein Tunneldurchstich am "Rheinbahnhof", wie er versprochen wurde in diesem Programm, gibt es bis heute nicht. Er ist übrigens der letzte Punkt des Vertrages. In den Verordnetenversammlungen wurde am 23. November 1928 über den Vertrag abgestimmt. In beiden Häusern stimmten die KPD-Leute gegen die Eingemeindung. In Uerdingen gesellten sich drei Zentrums-Politiker zum linken Widerstandsflügel. Nach ein paar geringfügigen Änderungen beschloss der Landtag das Gesetz, der Preußische Staatsrat erhob keinen Einspruch und das Gesetz trat am 1. August 1929 in Kraft: Der Stadtteil Krefeld und der Stadtteil Uerdingen waren als Zweckverband in einigen Bereichen unter Krefeld-Uerdingen am Rhein zusammengebracht. Die Selbstständigkeit der "Städte" blieb ansonsten erhalten so eine Konstruktion gab es im gesamten Reich kein zweites Mal. Dieses Gebilde war den Nationalsozialisten bald ein Dorn im Auge. Kurzerhand verkürzten sie die Übergangszeit. Am 1. April 1940 gab es nur eine Stadt und die hieß fortan Krefeld. Noch nicht einmal mit dem Zusatz "am Rhein". Kaum war das Nazi-Reich in Schutt und Asche gefallen, mühten sich die Uerdinger, das "Unrecht" rückgängig zu machen. Unglaublich, aber wahr dem Unternehmen war Erfolg vergönnt, jedenfalls teilweise. Uerdingen bekam eine neue Ortssatzung, die der Stadt weitestgehende Verwaltungsselbstständigkeit zusicherte. Und zwar zeitlich unbegrenzt. Das war noch besser als im Eingemeindungsvertrag und die Freude am Rhein entsprechend riesig. "Oeding blivt Oeding", sagte Oberbürgermeister Dr. Warsch auf der ersten Sitzung der neuen Uerdinger Bezirksvertretung im Februar 1947. Die besondere Stellung Uerdingens hielt bis 1975 an. Mit der Einführung der neuen Bezirksverfassung endete der Sonderstatus innerhalb Krefelds. Als Überbleibsel behielt ein Krefelder Beigeordneter noch seinen ständigen Dienstsitz in der Rheinstadt. Mit der Ernennung des damaligen Uerdinger Beigeordneten Jürgen Küper zum Stadtkämmerer wurde sein Sitz nach Krefeld verlegt. Die symbolische Position des Uerdinger Beigeordneten blieb aber erhalten heute hat sie Küpers Nachfolger als Stadtkämmerer, Manfred Abrahams, inne.

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