Neues Artenschutzzentrum für Menschenaffen Spatenstich für Ballys und Limbos neues Zuhause noch in diesem Herbst

Krefeld · Baugenehmigung für ersten Bauabschnitt des Artenschutzzentrums Affenpark liegt vor. Der erweiterte Gorilla-Garten soll am 24. September eröffnet werden.

Schimpansin Bally nutzt ihre langen Finger, um aus dem „alten“ Stocherkasten leckere Grillen zu fischen.

Schimpansin Bally nutzt ihre langen Finger, um aus dem „alten“ Stocherkasten leckere Grillen zu fischen.

Foto: Zoo Krefeld

Bally und Limbo sind sehr neugierig. Die beiden überlebenden Schimpansen des Brandes im Affentropenhaus schauen eigentlich sehr gerne aus der Spitze des Klettergerüstes in ihrem Außenbereich rüber zu der benachbarten Gorilla-Familie von Kidogo. Doch derzeit fesselt ihre Aufmerksamkeit noch viel stärker der ihnen vertraute Stocherkasten, der seit wenigen Tagen in ihrem Außenbereich wieder an einer Wand hängt. Einer ihrer Pfleger hatte vor drei Jahren aus den Ruinen einen der sehr teuren Edelstahlkästen noch bergen können, in den vergangenen Monaten in seiner Freizeit ihn aufwändig gereinigt und wieder in Gang gesetzt. Gefüllt mit der Lieblingsspeise der Schimpansen, den Grillen, sind Bally und Limbo nun abgelenkt von dem Bau der 720 Quadratmeter großen Erweiterungsfläche für die Gorilla-Familie.

Über zehn Firmen habe sich für den Rohbau beworben

Doch nicht nur bei Bally und Limbo herrscht seit vergangener Woche große Freude: auch bei Zoodirektor Wolfgang Dreßen und seinem Team. Zeitgleich hat der Zoo die finale Baugenehmigung für den ersten Bauabschnitt erhalten. Vor acht Monaten hatte der Zoo den Bauantrag für das Vorhaben gestellt. „Aufgrund noch fehlender Unterlagen wegen unseres Entwässerungsgesuchs hat sich das alles um etwa zwei Monate verzögert“, sagt Dreßen. Durch einen Gutachter musste noch nachgewiesen werden, wie und wo das Regenwasser künftig versickert und wohin das Brauchwasser fließt.

Die Ausschreibungsfrist für den ersten Bauabschnitt ist inzwischen beendet. „Zehn bis zwölf Firmen haben sich für den Rohbau beworben“, berichtet Zoo-Sprecher Adam Mathea. In Zeiten, in denen Baufirmen sehr gefragt und Handwerker schwer zu kriegen sind, ist das ein erfreuliches Ergebnis. Derzeit läuft noch die gesetzliche Widerspruchsfrist bei Ausschreibungen.

Unterdessen gehen die Erweiterungsarbeiten für das bestehende Außengehege der Gorillaanlage zügig voran, der sogenannte Bauabschnitt 0. Wie vom Europäischen Zuchtprogramm gefordert, damit die Gruppe um Silberrücken Kidogo weiter wachsen kann und die Vegetation der Außeranlage weniger stark belastet wird. Die Erweiterungsfläche wird im Stil des Gorilla-Gartens mit Trockengraben, Kunstfelsrückwand und einer naturnahen Gestaltung mit Naturboden, Bepflanzung, Klettergerüsten und Rückzugsmöglichkeiten gebaut. Insgesamt wird die gesamte Außenanlage mit Fertigstellung dann über 2000 Quadratmeter verfügen. Für Planung und Bau sind über 800 000 Euro eingeplant.

Die Zoo-Leitung ist zuversichtlich, den erweiterten Gorilla-Garten zum Welttag der Gorillas, am 24. September, eröffnen zu können. An dem Sonntag wird im Krefelder Zoo wie in anderen Zoos weltweit zum Schutz der Primatenfamilie der Menschenaffen aufgerufen und zugleich der Arbeit der ermordeten Zoologin und Verhaltensforscherin Dian Fossey (1932 - 1985) gedacht, die sich dem Schutz der Gorillas zu Lebzeiten verschrieben hatte.

Zeitnah plant der Zoo Krefeld auch den Spatenstich für den ersten Bauabschnitt. Die Haltung von Wildtieren in Menschenhand muss in der Europäischen Union grundsätzlich dem jeweiligen Landes-Tierschutzgesetz entsprechen. Die Haltungsbedingungen neuer Anlagen werden in Deutschland über die Aufsichtsbehörden der Länder beziehungsweise Kommunen kontrolliert und genehmigt. Dabei orientieren sich die hiesigen Behörden primär am Säugetiergutachten von 2014. Deshalb wird es kein einzelnes Affentropenhaus mehr geben wie in den 1970er Jahren, sondern verschiedene einzelne Anlagen aus kombinierten Innen- und Außengehegen. Der künftige Affenpark wird später eine Größe haben von 2,2 Hektar und ist in vier Bauabschnitte (Kosten insgesamt 32,8 Millionen Euro) aufgeteilt.

Im ersten Bauabschnitt wird ein multifunktionales, über 830 Quadratmeter großes Menschenaffenhaus gebaut, das aus zwei Abteilungen bestehen wird, die jeweils mit einer großräumigen Außenanlage verbunden werden. In den einen Teil werden die heranwachsenden, geschlechtsreifen Jungs von Kidogo, Pepe, Boboto und später Santu mit der Zeit umziehen; in den anderen Teil Bally und Limbo, für den schon weitere laut Zuchtbuchamt passende Schimpansen-Damen ausgewählt wurden. Die werden dann wohl seine ganze Aufmerksamkeit auf sich ziehen.

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