Zirkus Flic Flac in Krefeld: Fünf Minuten im Globe of Speed

Zirkus Flic Flac in Krefeld : So sind fünf Minuten mit zwei Motorrad-Akrobaten in der Todeskugel

Der Zirkus Flic Flac hat unsere Autorin in Krefeld eingeladen, einen Blick in die berüchtigte Motorrad-Metallkugel zu werfen - während zwei Artisten darin mit Highspeed unterwegs sind. Ein Selbstversuch.

Ein tiefes Röhren heult auf, als befände man sich auf der Landebahn eines Flughafens. Es riecht nach Benzin. Ich stehe mitten in einer Stahlkugel, dem Globe of Speed. Die Motorradkugel ist der Höhepunkt der Punxx-Show des Flic-Flac-Zirkus’, der bis zum 30. Juni auf dem Sprödentalplatz in Krefeld gastiert. Am Abend fahren acht der sogenannten Helldrivers gleichzeitig durch die Motorradkugel. Für meinen Selbstversuch sind es nur zwei.

Als die zwei Artisten ihre Maschinen anlaufen lassen, fängt mein Herz an zu rasen. Es wirkt, als würden die Maschinen miteinander im Takt wippen. Und dann – als wäre plötzlich ein Startschuss gefallen – schrauben sich die Fahrer zwei Schritte von mir entfernt in die Höhe. Es ist ein unbeschreiblicher Lärm – ein kräftiges Sausen, dass sich im Ohr ausbreitet. In dem Zelt ist es heiß, sobald die Maschine gestartet sind, spüre ich den Fahrtwind. Kräftig weht er und kühlt die Luft sogar herunter. In alle Richtungen drehen die Helldrivers ihre Runden. Vor allem als sie kopfüber fahren, stockt mir kurz der Atem. Bis zu 70 Kilometer pro Stunde bringen sie in Spitzenmomenten auf. Sie sind perfekt aufeinander abgestimmt, kein Patzer ist zu sehen. Angst habe ich dann keine mehr.

In diesem Jahr ist zum ersten Mal eine Frau mit dabei – sie ist eine von nur rund 14 Frauen auf der ganzen Welt, die in diesem Highspeed-Abenteuer in die Pedale tritt. In der Show tragen alle eine gepolsterte, schwarze Motorradkluft und Helme mit farbigen Irokesen – in rot, grün oder gelb. Während der Show fahren acht Helldrivers gleichzeitig ihre Runden durch den Globe of Speed.

Unter dem Gewicht der 125er Maschinen mit Zwei-Takt-Motor erzittert die Kugel merklich. Sie ist mit Stahlgurten an den Rändern der Manege befestigt. Für den Motocross-Act wird der circa vier Tonnen schwere Koloss auf einer zweispurigen Metallschiene in das Zelt gerollt. Am Ende ihres Auftrittes halten die Helldrivers nacheinander wieder am Boden der Stahlkugel, in der selben Formation in der sie vorher gestartet sind. Das Tor wird geöffnet, sie fahren heraus und der Globe of Speed wird wieder weggerollt. „Sie sind definitiv eines der Highlights für unsere Besucher“, beschreibt es Melissa Goll, die Presseverantwortliche der Zirkuscrew. In der letzten Show, “Farblos“, war die Kugel nicht dabei. Doch bei der Show zum 30-jährigen Bestehen durfte sie nicht fehlen. Die Motorradkugel ist ein Teil des um die 700 Tonnen schweren Equipments, dass der Zircus auf seiner Tour mit dabei hat.

Besonders stolz ist der Zirkus auch auf die zehn Artisten einer chinesischen Akrobatik-Truppe. Sie springen unter anderem über vier Meter hoch gestapelte Reifen — mal bewegen sich die Reifen sogar kreuz und quer. „Das sie dabei sind, ist für uns wirklich ein besonderer Erfolg“, sagt Goll, „seit vier Jahren wollen wir die Holy Warriors auf unserer Tour dabei haben“.

Flic Flac beschäftigt 35 Artisten aus 14 Ländern

Die chinesischen Artisten kennen das Zirkusgeschäft seit ihrem vierten Lebensjahr. Viele der insgesamt 35 Flic-Flac-Artisten kommen aus Zirkusschulen oder stammen aus Zirkusfamilien. „Zwei unserer Helldrivers haben Eltern, die in ihrer Heimat selbst einen Zirkus betreiben.“

In dem schwarz-gelben Zirkuszelt haben 1450 Besucher Platz

Punkig, rockig und unangepasst – der Zircus Flic Flac ist mit seiner Jubiläumstour „Punxxx – 30 Jahre nicht irgendein Zirkus“ in Krefeld. Seit dem 20. Juni gastieren sie mit ihrem akrobatischen Programm auf dem Sprödentalplatz. Das Zirkuszelt in gelber und schwarzer Warnfarbe bietet in jeder Show Platz für rund 1450 Besucher.

Akrobatik, Action-Stunts, Komik – Flic Flac will viel bieten, nur keinen klassischen Zirkus. „Wir wollen einzigartig sein“, so Goll, „und dafür brauchen wir einfach keine Tiere — der Mensch alleine ist außergewöhnlich genug.“ Insgesamt beschäftigt der Zirkus über 100 Mitarbeiter aus 20 Nationen, damit in der Show alles von A bis Z reibungslos funktioniert.

Gerade mal fünf Minuten war ich mit den zwei Fahrern im Globe of Speed, ich fühle mich erleichtert, da rauszukommen und wieder festen Boden unter den Füßen zu spüren.

Zum Abschluss zeigen mir die Artisten, wie sie mit allen acht Motorrädern die Kugel in Bewegung bringen. Ich bin froh, dass ich nicht mehr mittendrin stehe.

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