WZ-Serie azubistartpunkt.de: In der Ausbildung gleich kein Tag dem anderen

WZ-SERIE : Kein Azubi-Tag gleicht dem anderen

Carmen Bart-Zorn von der Bergischen Industrie- und Handelskammer erklärt, wie der Start einer Lehre abläuft.

Der Wechsel von der Schule in eine Ausbildung stellt eine große Veränderung dar. Seit Jahren haben sich Jugendliche vorher an die Abläufe in der Schule gewöhnen können. Mit der Entscheidung für eine Ausbildung wird vieles anders. Doch wie sieht der Alltag als Azubi eigentlich genau aus?

„Das ist sehr unterschiedlich und hängt vom Betrieb ab“, sagt Carmen Bartl-Zorn, Leiterin für Aus- und Weiterbildung bei der Bergischen Industrie- und Handelskammer (IHK). Häufig sei es so organisiert, dass die Auszubildenden zwölf Stunden pro Woche zur Berufsschule gingen. Diese Stunden würden auf ein bis zwei Tage verteilt, die restlichen drei bis vier Tage verbringen die Azubis im Betrieb.

Es gebe aber auch Unternehmen, deren Azubis in Phasen von mehreren Wochen bis hin zu drei Monaten am Stück in die Berufsschule gehen und in den Zeiten dazwischen im Betrieb seien. Eine dritte Variante sei das Duale Studium. Neben der häufig zweijährigen Ausbildung studierten die Teilnehmer dabei meist einen Tag in der Woche abends und samstags. Nach Abschluss der Ausbildung folge dann ein Vollzeitstudium, so Bartl-Zorn.

Zu Beginn der Ausbildung werde man zunächst einmal mit dem Unternehmen vertraut gemacht. Wer eine gewerblich-technische Ausbildung macht, dem wird zunächst einmal die Firma gezeigt, so Bartl-Zorn. Man lerne seinen Arbeitsplatz kennen und werde über den Arbeitsschutz informiert. „Dann wird man Stück für Stück an die Aufgaben herangeführt“, sagt Bartl-Zorn. Im Metall- und Elektrogewerbe absolviere der berufliche Nachwuchs zunächst eine Grundausbildung in einer Lehrwerkstatt, die dann mit der Berufsschule kombiniert werde. Im kaufmännischen Bereich erhalte man im Betrieb Stück für Stück mehr Verantwortung, ergänzt durch die Zeiten in der Berufsschule.

Am ersten Tag, der zwischen Anfang August und Ende September liegt, könne man vor allem durch eine gute Einstellung punkten. „Sei freundlich, grüße jeden, sei aufmerksam und habe immer Zettel und Stift dabei“, empfiehlt Bartl-Zorn. In der Folgezeit sei für die Betriebe vor allem Motivation, Belastbarkeit und Zuverlässigkeit der Auszubildenden wichtig. An einen Acht-Stunden-Tag müssten sich viele junge Menschen erst gewöhnen und auch mit dem vielen Neuen müsse man erstmal klarkommen. Eine gute Einstellung dabei sei: „Keine Angst, es ist alles machbar“, sagt Bartl-Zorn.

Die Arbeitszeiten seien mit 38 bis 42 Wochenstunden je nach Betrieb und Branche sehr unterschiedlich. Auch, ob es feste Arbeitszeiten oder Gleitzeit gebe, regele jeder Betrieb anders – genau wie den Anspruch auf Urlaub, der mal 24 und mal 30 Tage betragen könne. Auch die Bezahlung sei sehr unterschiedlich. Bekämen Azubis im Friseurgewerbe meist anfangs 400 bis 500 Euro brutto im Monat, könne man in einem Industriebetrieb im dritten Lehrjahr schon mehr als 1000 Euro brutto verdienen.

Wer die Berufsschule mit der Schulzeit vor der Berufsausbildung vergleicht, wird deutliche Unterschiede feststellen. Zwar gebe es manche bereits bekannte Fächer wie Deutsch, Politik, Sport oder Religion immer noch. Doch darüber hinaus gebe es einen berufsbezogenen Teil, sagt Brigitta Bitterich, Leiterin des Berufskollegs Barmen Europaschule. „Dieser Teil ist sehr speziell auf die einzelnen Berufe ausgerichtet“, so Bitterich. Darin würden die theoretischen Inhalte vermittelt, die zu den praktischen Ausbildungsinhalten im Betrieb gehörten. Die Schulleiterin erlebt die meisten Auszubildenden als sehr motiviert: „Viele gehen gerne in die Schule und haben Spaß am Unterricht, weil sie merken, wofür sie die Inhalte lernen“, sagt Bitterich. Ganz nebenbei könne man in der Ausbildungszeit am Berufskolleg auch noch einen höheren Schulabschluss erreichen.

Zur Hälfte der zwei- bis dreieinhalbjährigen Ausbildungszeit gebe es eine Zwischenprüfung, erklärt Carmen Bartl-Zorn von der Bergischen IHK. Gegen Ende folgten die schriftlichen und praktischen Abschlussprüfungen. Drei Monate vor Ende der Ausbildung informiere der Betriebe seine Auszubildenden, ob sie in eine Arbeitsstelle übernommen werden. „Der Großteil der Betriebe übernimmt seine Auszubildenden, denn sie werden gebraucht“, macht Carmen Bartl-Zorn Mut.

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