WZ-Demokratie-Serie: "Die sind wirklich froh, mal junge Leute zu hören

WZ-SERIE : „Die sind wirklich froh, mal junge Leute zu hören“

Demokratie in Krefeld Denise Haasler ist seit Dezember Mitglied der CDU. Ihre Meinung findet Gehör, sagt die 21-Jährige. Sie und zwei weitere junge Krefelder berichten, warum sie in eine Partei eingetreten sind.

Lokalpolitiker? Das sind ältere Herrschaften, die sich seit Jahren kennen und Entscheidungen eben unter sich ausknobeln. Das ist das Klischee.

Zugegeben, ganz so extrem ist es nicht. Doch junge Leute sind in politischem Gremien der Stadt eher in der Minderheit. Dabei werben die Parteien mit niedrigen Einstiegshürden. Mitgliedsantrag ausfüllen, monatlichen Beitrag zahlen, los geht es – so ist der Tenor. SPD-Mitglieder müssen mindestens fünf Euro zahlen, bei der FDP sind es zehn. Das sind überschaubare Summen, die mit dem Einkommen steigen. In diesem Bereich bewegt sich auch die politische Konkurrenz. Dafür versprechen die Parteien Mitbestimmung ab dem ersten Tag. Ist das so? Protokolle von drei jungen Leuten, die in den letzten Monaten in eine Partei eingetreten sind.

Denise Haasler (CDU): Wer sich beteiligt, versteht Politik

Denise Haasler wollte nicht zu denen gehören, „die nur meckern“. Deshalb trat sie mit 17 Jahren 2015 in die Junge Union (JU), die Nachwuchsorganisation der CDU, ein. Bei der Wahl der Partei war sie sicher. Ihre persönlichen Schnittmengen mit dem Programm der Konservativen seien am größten gewesen.

In der JU erkannte Haasler rasch: Wer sich beteiligt, versteht Politik und vor allem Probleme vor der eigenen Haustür besser. In der JU habe sie sich etwa mit ungünstigen Ampelschaltungen in Krefeld befasst. „Dabei haben wir unter anderem eine Zentrale, die dafür zuständig ist, besucht“, sagt Haasler. Dort habe sie gelernt, wie kompliziert das System der Ampelschaltungen tatsächlich sei.

Auf Grund der Erfahrungen bei der JU entschloss sich Haasler im Dezember, in die CDU einzutreten. „Ich wollte mehr machen“, sagt die Fischelnerin. Dort fühlt sie sich gleich aufgenommen und akzeptiert. „Man kann immer seine Meinung ausdrücken und findet Gehör“, meint Haasler und schiebt mit Blick auf ihre Parteikollegen hinterher: „Die sind wirklich froh, mal junge Leute zu hören.“ Was Haasler besonders gefällt: Sie kann sich in den Untergruppen der Partei einbringen, für die sie sich auch interessiert. Daher arbeitet Haasler in der Mittelstandsvereinigung mit. Der Wirtschaftsschwerpunkt passt zu ihrem „Finance und Controlling“-Studium.

Im privaten Umfeld sind die Rückmeldungen auf ihr politisches Engagement geteilt. Ihre Familie habe sie beim Eintritt unterstützt. „Viele Freunde verstehen hingegen nicht, warum ich das mache“, sagt Haasler. Dabei wünscht sie sich, dass viel mehr junge Leute einen Weg in die Politik finden.

Julia Müller (Grüne): Nach einem Jahr in den Vorstand

Das Erstarken rechter Politiker brachte Julia Müller letztlich dazu, im September 2017 Mitglied der Grünen zu werden. „Ich wollte das Engagement irgendwann nicht immer weiter aufschieben“, sagt die 34-Jährige. Denn ein politisch interessierter Mensch sei sie schon immer gewesen, ökologische Fragen treiben die Software-Entwicklerin um.

Den ersten Kontakt zur Partei hatte Müller bei einer Mitgliederversammlung. „Da hat man schon seine Bedenken“, sagt Müller. Schließlich sei so eine Partei für Außenstehende ein nicht ganz fassbares Konstrukt. „Aber so etwas wie Parteienfilz begegnet einem nicht“, sagt Müller. Bei den Grünen habe sie ein nahbares System erlebt, in das sich gerne mehr Leute trauen dürften. „Bei der Mitgliederversammlung haben mich die alten Hasen direkt ermuntert, mich einzubringen“, sagt Müller.

Einbringen, das macht Müller seit Oktober sogar im Krefelder Vorstand der Partei. „Einer Partei ein bisschen Geld zu geben, ist ja nett. Aber mein Ziel ist es auch, ein bisschen Zeit zu schenken“, sagt Müller. Das kann sie, wie jedes Mitglied, in Landes- und Bundesarbeitsgemeinschaften zu verschiedenen Themen tun. Müllers Hauptaufgabe ergibt sich aus ihrem Beruf: Die Webseite der Krefelder Grünen befindet sich durch sie in den Händen einer Fachfrau.

Mathias Perey (FDP): In regem Austausch mit der Parteispitze

Verantwortung übernehmen, das ist Mathias Perey wichtig. Deshalb war es für den 21-Jährigen folgerichtig, Mitte des vergangenen Jahres in die FDP zu gehen. Bei den Liberalen sehe er gerade in der Bildungspolitik und im Bereich der Digitalisierung seine Positionen am besten vertreten.

Was Perey schon gelernt hat: Wer etwas bewegen möchte, braucht Zeit. Neben seinen Aufgaben als Sportmanagement-Student und Scout eines Handballbundesligisten, bleibt für aktive Parteiarbeit nur wenig Zeit. Seine Vorstellungen bringt der junge Mann dennoch gerne ein.

Ihn interessiert die lokale Sportpolitik. Er selbst habe „leistungsorientiert Handball gespielt“. Für junge Top-Athleten fehle in der Stadt entsprechende Förderung. Dabei habe Krefeld tolle Voraussetzungen. Mit seinen Anregungen kommt er in der Partei mit Entscheidungsträgern ins Gespräch. Perey berichtet: Mit dem Parteivorsitzenden Joachim C. Heitmann stehe er beispielsweise in Kontakt. „Verbesserungsvorschläge sind gerne gesehen“, resümiert Perey nach den ersten Monaten in der Politik.

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