„Kampf um Wohnraum immer härter“ Wohnungsnot in Krefeld „fast so groß wie in Düsseldorf“ : Wie das Projekt "Endlich ein Zuhause" helfen soll

Krefeld · Der Kampf um Wohnraum wird immer härter, das trifft laut einem Sozialarbeiter auch in Krefeld die Schwächsten. Die Wohnungsnot ist groß. Wie die neue Initiative „Endlich ein Zuhause“ helfen soll.

Aus der Obdachlosenunterkunft an der Feldstraße konnten laut Stadt mehr als 50 Menschen in eine Wohnung vermittelt werden.

Aus der Obdachlosenunterkunft an der Feldstraße konnten laut Stadt mehr als 50 Menschen in eine Wohnung vermittelt werden.

Foto: Jochmann, Dirk (dj)

Erst letzte Woche hat Sozialdezernentin Sabine Lauxen wieder die ganz typische Situation erlebt: „Ein älteres Ehepaar hat das Problem bis zum Tag der Zwangsräumung verdrängt und sich erst dann bei uns gemeldet“, sagt die Beigeordnete. Da beide eine Behinderung haben, konnten sie nicht im Obdachlosenheim an der Feldstraße untergebracht werden, sondern kamen vorübergehend in ein Hotel, bis sie zu Angehörigen in Norddeutschland weiter konnten. Diese ad-hoc-Notlagen wollen die Stadt und die freien Träger in der Wohnungslosenhilfe so oft es geht, vermeiden beziehungsweise: Die Helfer wollen dann vorbereitet sein.

30 Vermieter sollen für einen Wohnraumpool gefunden werden

Dafür steht das Projekt „Endlich ein Zuhause“, das vom Land mit Mitteln aus dem Europäischen Sozialfonds aufgelegt wurde und das jetzt auch in Krefeld umgesetzt wird, zunächst bis Ende Februar 2025. Das Ziel: Ein Kontingent von Wohnungen in der Hand zu haben, aus dem man in Notfällen schöpfen kann. Es ist gedacht sowohl für Menschen, die sich bereits in der Obdachlosigkeit befinden, aber in der Lage wären, selbstständig in einer Wohnung zu leben. Und für Menschen, denen der baldige Verlust ihres Wohnraumes droht, etwa, weil sie die Miete nicht mehr bezahlen können.

Aus den Fördergeldern kann die Stadt zu 90 Prozent zwei Stellen finanzieren, die sie mit zwei verschiedenen, sich ergänzenden Fachmännern besetzt hat: Mit Volker Heisters, der 20 Jahre lang in der Immobilienbranche gearbeitet hat und damit als verlässlicher  Ansprechpartner vor allem für Vermieter und Hausbesitzer prädestiniert ist; und mit dem Sozialarbeiter Werner Trapmann, der insbesondere Ansprechpartner für hilfesuchende Menschen ist. Der eine vermittelt möglichst die passende Wohnung zum passenden Klienten, prüft, ob der potenzielle Mieter alle Papiere hat, psychisch, körperlich und finanziell „mietfähig“ ist und  vermittelt etwa  bei Problemen wie ausstehenden Mietzahlungen. Der andere hilft, wenn es darum geht, „Miethindernisse“ wie Schufa-Einträge zu beseitigen, er begleitet bei der Besichtigung einer Wohnung, hilft, eine Kaution zu besorgen, bei Umzug und Einrichtung oder der Inanspruchnahme weiterer Unterstützungsleistungen.

Heisters zeigt sich mit dem Start des Projektes zufrieden: „Wir haben in sechs Wochen schon zwölf Vermieter gefunden, mit zwei weiteren kämpfen wir noch.“ Dabei handele es sich sowohl um größere Wohnungsgesellschaften, als auch um Privat-Vermieter. Zielmarke sind 30 Vermieter in Krefeld zum Aufbau eines Wohnraumpools.

Koordiniert wird das Projekt bei der Stadt von Petra Wolf. Sie sagt, die Zielgruppe seien ganz verschiedene Wohnungsnotfälle, zum Beispiel auch Bewohnerinnen im Frauenhaus, die eine Wohnung benötigten oder Menschen, die vorübergehend bei ihrer Familie untergekommen sind. Aber natürlich müssten sie wirklich bedürftig und keinesfalls in der Lage sein, auf dem freien Wohnungsmarkt etwas zu bekommen: „Ja, wir hatten auch mal eine Anfrage, weil jemand aus Fischeln einfach lieber in Bockum wohnen wollte, den haben wir weiter verwiesen“, berichtet die Sozialarbeiterin.

„Die Wohnungsnot in Krefeld ist fast so groß wie in Düsseldorf“

Wolf appelliert an diejenigen, die vom Verlust ihres Wohnraums bedroht sind, sich möglichst frühzeitig zu melden und um Hilfe zu bitten. „Leider reagieren viele erst dann, wenn sie eine Mahnung oder gar die Kündigung oder Räumungsklage erhalten haben.“ Je eher man von einer Notlage wisse, desto mehr könne man noch ausrichten. „Wenn jemand seine Wohnung verliert, beschleunigt das meistens die Abwärtsspirale, in der sich dieser Mensch geraten ist“, sagt Wolf. Dagegen verbessere die Versorgung mit Wohnraum samt deren dauerhafter Absicherung die Lebenslage der Betroffenen.

Vermittelt werden sollen preiswerte Wohnungen bei „Endlich ein Zuhause“ prinzipiell im gesamten Stadtgebiet. Oft wird es um Lagen in der Innenstadt gehen, zumal es besonders an preiswerten, kleinen Wohneinheiten mangelt, und die gibt es hier am ehesten. Das Problem wird jedenfalls absehbar eher größer als kleiner. „Die Wohnungsnot ist in Krefeld mittlerweile fast so groß wie in Düsseldorf“, sagt Trapmann, „entsprechend wird der Kampf um Wohnraum immer härter, und am meisten darunter zu leiden haben die Schwächsten“. In Düsseldorf läuft das Projekt „Endlich ein Zuhause“ schon seit Ende 2019: „Wir waren zweimal dort und haben uns einige Tipps von den Kollegen holen können“, berichtet der Sozialpädagoge. Zum Beispiel den, dass es am Anfang Geduld und Durchhaltewillen braucht – bei allen Beteiligten. Und dass sich das lohnt.

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