Wohnmobil-Betrug: 10 900 Euro weg

Betrug : Wohnmobil-Betrug: 10 900 Euro weg

Immer mehr Krefelder fallen im Internet auf Kriminelle rein. Das Geschäft mit Fake-Shops und Co. floriert.

Ein neues Auto, eine Kreditkarte ohne Schufa-Eintrag, Dating-Plattformen mit dem Versprechen nach der ganz großen Liebe: Im Internet gibt es alles auf einmal und immer verfügbar. Tagtäglich nutzen Millionen Deutsche das World Wide Web, um ihren Alltag zu regeln. Online-Banking oder Jahresurlaub – alles lässt sich vom heimischen Rechner oder sogar vom Smartphone aus ganz bequem planen und steuern. Was bei der Jagd nach Schnäppchen aber oft auf der Strecke bleibt, ist die Sicherheit. 4610 Betrugsdelikte gab es im vergangenen Jahr in Krefeld insgesamt. Die Abzocke mit im Netz bestellten Waren stellt die Beamten ebenso vor Probleme, wie kriminelle Geschäfte mittels gestohlener EC-Karten-Daten. Unsere Redaktion sprach mit Polizei und Verbraucherzentrale über aktuelle Betrugsmaschen und Hilfen für Betroffene.

Verkaufsplattformen

„Kostenlos. Einfach. Lokal.“, so oder so ähnlich lauten die Werbebotschaften, mit denen die großen Verkaufspattformen wie der Kleinanzeigenableger von Ebay werben. Von Privat zu Privat, meist ohne Gewährleistung und Rücknahmerecht. „Die Menschen sind immer auf der Suche nach dem nächsten Schnäppchen“, sagt Kriminalhauptkommissar Hans Schneider. Das wüssten natürlich auch die Kriminellen. Besonders beliebt seien Betrugsgeschäfte mit Mobiltelefonen. „Oft gefragt sind immer die neuesten Modelle der großen Marken. Bei Preisunterschiede von  200 Euro und mehr zum Originalpreis, ist Vorsicht geboten.“

Betrüger würden die Sparmentalität vieler Onlinekäufer gnadenlos ausnutzen. Meist werde der Verkauf nur gegen Vorkasse angeboten. „Ist das Geld einmal überwiesen, hört man oft nichts mehr vom Verkäufer“, weiß Schneider. Meist würden Betrüger das selbe Handy mehrfach anbieten, angegebene Kontaktdaten seien ausgedacht. Schnell sind ein paar hundert Euro in den Sand gesetzt. Aber es geht auch zwei Nummern größer. „Im vergangenen Jahr hatten wir einen Fall, in dem jemand über ein Onlineportal für 10 900 Euro ein Wohnmobil im Ausland gekauft hat. Das Geld musste vorab überwiesen werden.“ Das Wohnmobil kam niemals in Krefeld an.

Schneider rät, gekaufte Waren vorher zu begutachten und im besten Fall vor Ort bei der Abholung bar zu bezahlen. Zwischengeschaltete Zahlungsmethoden wie Paypal seien empfehlenswert, wenn es doch die Onlineüberweisung sein muss.

Kreditkartenbetrug

Beim Kreditkartenbetrug gibt es zwei Varianten. Während bei der Polizei oftmals Personen landen, auf deren Kreditkartenabrechnungen Abbuchungen auftauchen, die von den Besitzern niemals getätigt wurden, werden bei der Verbraucherzentrale vor allem Opfer von falschen Versprechungen vorstellig. „Viele melden sich bei uns, weil sie auf schufa-freie Kreditkartenangebote reinfallen, für die sie nicht nur eine Abschlussgebühr zahlen müssen, sondern auch noch jährliche Nutzungskosten“, sagt Elisabeth Elsner.

Angeboten würden lediglich Prepaid-Kreditkarten, die bei negativer Bonität gar nicht genutzt werden könnten – die Gebühren müssten trotzdem beglichen werden. Die Leiterin der Krefelder Verbraucherzentrale hat immer wieder mit Fällen zu tun, in denen die Abzocker in den Niederlanden ihre Büros haben. „Zu den Gebühren kommen oft Inkassokosten, wenn die Betroffenen nicht zahlen.“ Helfen kann ein Besuch bei der Verbraucherzentrale. „Wenn diese Firmen merken, dass auf der Gegenseite jemand rechtliche Unterstützung erhält, kommt es meist nicht zu den angedrohten Gerichtsverfahren“, so Elsner.

Anders betroffen sind die, die ihre Kreditkartendaten im Internet für Abbuchungen speichern. „Weil die Kreditkartennummer häufig auf Seiten hinterlegt ist, können Kriminelle, die dann auch noch in den Besitz des Verfallsdatums kommen, Abbuchungen auf Kosten des Geschädigten tätigen“, sagt Schneider. Der Kriminalhauptkommissar, bei der Polizei für den Bereich Opferschutz und Prävention im Bereich Internet zuständig, warnt eindringlich davor, Passwörter aus Gründen der Zeitersparnis online zusammen mit Benutzernamen zu speichern. Zwar gebe es bereits Programme, die Passwörter auf dem Rechner in eine Art Tresor speichern und damit vor dem Zugriff Dritter schützen könnten, dennoch sei die Zettel-und-Stift-Variante noch die sicherste. „Auch wenn es umständlich ist, es macht es den Kriminellen unmöglich, Passwörter abzugreifen.“

Fake-Shops

Nach Angaben der Bundesregierung ist davon auszugehen, dass bereits mehr als vier Millionen Deutsche schon einmal in die Fake-Shop-Falle getappt sind. Besonders beliebte Produkte, die angeboten werden, sind Sportartikel, Elektronik sowie Haushaltsartikel, Bekleidung und Fahrräder, aber auch Kleidung generell, Brillen und Schmuck. Und das vor allem von bekannten Marken. Die Liste von Polizei und Bundesregierung umfasst hunderte Adressen im Internet, die als Fake-Shops enttarnt wurden. Doch was hilft, wenn man beim Online-Shopping unsicher ist? Die Polizei rät: Informieren Sie sich: Geben Sie den Namen des Online-Shops in eine Suchmaschine ein, um mögliche negative Erfahrungen anderer bei Bestellungen auf der Seite in Erfahrung zu bringen. Auch eine Nachfrage bei der Verbraucherzentrale kann helfen. Wer doch beim Online-Einkauf auf Betrüger reingefallen ist, sollte mit Unterlagen wie einem Kaufvertrag, Bestellbestätigung oder E-Mails bei der Polizei Anzeige erstatten.

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