Wo sind nur die Fische hin?

Wo sind nur die Fische hin?

Linner Angler sorgen sich um die Qualität des Wassers im Burgsee. Fische würden immer weniger, zudem gebe es eine Algenplage.

Linn. Peter Machel ist Linner, er ist Angler und seit einigen Monaten regelmäßig Gast in der Einwohnerfragestunde der Bezirksvertretung Oppum-Linn. Zum ersten Mal berichtete Machel dort im vergangenen Dezember von einem Problem, das die Mitglieder des Angelsportvereins St. Kullian bereits seit Jahren mit wachsender Sorge beobachten: Zweimal im Jahr, im Frühling und im Herbst, wird der Burgsee, das Angelgewässer an der Ossumer Straße, von der sogenannten Burgunderblutalge befallen. Wenn die Bakterien absterben, „dann bildet sich ein übelriechender Schaum auf der Wasseroberfläche“, erzählt Machel.

Nicht nur der Gestank, auch die Tatsache, dass der Fischbestand im Burgsee seit einigen Jahren immer geringer werde, verunsichere die Angelfreunde. Als sich dann die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) im Sommer vergangenen Jahres auf Tauchgang im Burgsee begibt und die Taucher danach berichten, sie hätten „nichts gesehen“, reicht es Machel. Er schreibt einen Brief ans Labor der Entsorgungsgesellschaft Krefeld (EGK), das Wasserproben für umweltanalytische Untersuchungen entnimmt.

Peter Machel, Vorsitzender des Angelsportvereins St. Kullian

Eine Antwort auf diesen Brief gibt es bis heute nicht. Der Angler aus Linn ist fassungslos: „Die Angelerträge werden immer schlechter, wir machen uns Gedanken um die Wasserqualität.“ Hinzu komme: „Der Burgsee liegt in einem Wasserschutzgebiet, hier wird Trinkwasser entnommen. Es geht also auch um lebenswichtige Interessen der Menschen.“ Und es geht um die Existenz des Angelsportvereins St. Kullian. „Wenn unsere Mitglieder sehen, dass das Wasser im Burgsee eine so schlechte Qualität hat, fragen sie sich doch zu Recht, ob sie hier überhaupt noch angeln wollen“, sagt Heinrich Steffens, Ehrenmitglied des Angelsportvereins.

Aktuell habe dieser noch um die 50 Mitglieder aus dem Umkreis, „vor zehn Jahren waren es noch mehr als doppelt so viele. Es gab sogar eine Warteliste, weil wir nicht alle aufnehmen konnten“, erinnert sich Steffens an bessere Zeiten. Der Wunsch der Angelfreunde an die Stadt sei einfach: Eine Wasserprobe könnte klären, ob die Algen im Wasser des Burgsees tatsächlich Auswirkungen auf den Fischbestand haben.

Nach Monaten des Wartens und mehreren Besuchen in der Bezirksvertretung, bei denen er sich schon vorgekommen sei „wie ein Papagei, weil ich immer nur dasselbe erzählen konnte“, gab es Anfang April nun eine Rückmeldung von der Stadt, berichtet Peter Machel. „Die Untere Wasserbehörde wurde erstmals im Dezember 2012 auf die Situation des Wassers aufmerksam, da seinerzeit ein Ölfilm festgestellt wurde“, heißt es in dem eineinhalbseitigen Schreiben des Fachbereichs Umwelt. Damals hatten Unbekannte einen Ölkanister in dem Gewässer entsorgt. „Chemische Analysen erbrachten bis auf die zu erwartenden Kohlenwasserstoffe keine weiteren Belastungen, die Hinweise auf grundsätzliche Mängel an der Gewässerqualität hätten geben können“, schreibt die Stadt weiter in diesem Brief.

Auch der Algenbefall ist der Stadt nach eigenen Angaben bekannt: Bereits 2009 „wurde eine periodisch wiederkehrende Rotfärbung des Wassers festgestellt. Als Ursache wurde ein Algenbefall durch die Gattung Oscillatoria Rubescens (Burgunderblutalge) vermutet.“ Eine zweimal jährliche Algenblüte sei, so heißt es aus dem Fachbereich Umwelt, „normal“, aber auch „ein Hinweis auf erhöhten Nährstoffgehalt im Wasser“. Dieser könne, so die Erklärung des Umweltamtes, „mehrere diffuse Quellen“ wie landwirtschaftliche Düngung und den Grundwasserzustrom aus den Niederlanden oder die Nähe zur Autobahn 57 haben. Weiter möchte die Stadt die Angler beruhigen: „Wenn die Algen an der Oberfläche sichtbar sind, sind sie bereits abgestorben und ungefährlich.“ Allerdings: Der Fäulnisprozess verbrauche Sauerstoff, erklärt Heinrich Steffens — „und das schränkt den Lebensraum der Fische ein“.

Eine Wasserprobe hält die Stadt unter diesen Voraussetzungen offenbar nicht für notwendig — jedenfalls ist eine solche in dem Schreiben „mit keinem Wort erwähnt“, ärgert sich Machel. Auch ein Besuch beim Umweltamt sei erfolglos verlaufen. Dort habe man sich dem Thema zwar sehr engagiert angenommen, am Ende „aber doch nicht weiterhelfen können“, bedauert der Angler aus Linn.

Die Stadt verweist auf Anfrage der WZ auf das Schreiben an Machel als Vorsitzenden des Angelvereins und betont zudem, dass der Algenbefall „nichts über die Fischpopulation“ aussage: „Hätten die Fische nicht ausreichend Sauerstoff, würden sie verenden und an der Wasseroberfläche treiben. Dies ist aber nicht der Fall. Nach unserer Kenntnis ist die Wasserqualität daher in Ordnung“, betont ein Stadtsprecher und weiter: „Der Verein kann natürlich selbstständig eine Probe in Auftrag geben.“

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