Wissen für Krefeld: Mehr Mut und Raum für schräge Ideen

Wissen für Krefeld: Mehr Mut und Raum für schräge Ideen

Wie man mit kleinen Dingen den Wohlfühl-Faktor der Stadt steigern kann, weiß Professor Nicolas Beucker.

Krefeld. Wenn man von roten Telefonzellen, schwarzen Gondeln oder gelben Taxis spricht, weiß jeder welche Stadt gemeint ist. Diese Dinge sind Markenzeichen, lösen positive Gedanken und Gefühle aus, die man mit London, Venedig oder New York verbindet. "In Krefeld so etwas zu finden ist nicht so einfach. Vielleicht könnte es Bratwurst Paule sein", schlägt Nicolas Beucker vor.

In der Reihe Wissen für Krefeld sprach der Design-Professor der Hochschule Niederrhein im WZ-Pressehaus über das Thema "Krefeld ein emotionaler Stadt(t)raum". Mit zahlreichen Beispielen und Bildern aus den unterschiedlichsten Städten erläuterte er, wie man mit Gestaltung, Ausstattung, kleinen Eingriffen Orte, aber vor allem die Einstellung von Menschen zu diesen Orten verändern kann.

Drei Aspekte spielen für diese Wahrnehmung eine zentrale Rolle, so Beucker. Die Emotionalität bzw. Sehnsucht der Menschen, das Verständnis für den Kontext eines Raums und die optimistische Herangehensweise, dass man wirklich etwas verändern kann.

Beispiel Westwall in Krefeld: In einer Studienarbeit wurde dargestellt wie aus dem Parkplatz, der auch als Markt genutzt wird, der Markt wird, auf dem ab und an auch geparkt werden kann.

Wichtig, so der Referent, sei es, die Betroffenen, die Anwohner einzubeziehen - ohne den Anspruch, dass jede Idee, jeder Vorschlag auch umgesetzt wird. Zudem müssten Politik und Veraltung den Mut beweisen, Menschen mit Ideen den Raum und die Möglichkeit zu geben, jenseits aller Vorschriften und Satzungen etwas umzusetzen - zum Beispiel die Zwischennutzung einer Brachfläche.

Als Beispiel nannte der Designer das Glashaus am Worringer Platz in Düsseldorf, das sich nach und nach zu einem Mini-Literaturhaus entwickelte und trotz der schwierigen Klientel nie beschädigt oder beschmutzt wurde.

In der Viersener Südstadt hat Beucker zusammen mit Studenten mit Aktionen versucht, Aufbruchstimmung zu verbreiten. So wurde mittels Aufkleber aus der Großen Buchstraße die Große Auf-Bruchstraße.

In der lebhaften Diskussion nach dem Vortrag kamen eine Reihe von Themen zur Sprache - wie die Wohnqualität der Innenstadt, das Stadtbad (s.u.) die Werbekampagne "Krefeld - Schön hier" oder auch das Engagement von Bürgern und Einzelhändlern. Für die anwesenden Politiker war danach klar, dass man Professor Beucker auf jeden Fall künftig stärker in Planungen einbinden möchte.

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